Zusammenbruch des Milchmarktes

Offener Brief an Österreichische Bundesregierung Abgeordnete des Nationalrates

Bad Leonfelden (OTS) - Sehr geehrte Damen und Herren,

Meldungen aus ganz Europa zeigen den völligen Zusammenbruch des Milchmarktes. Durch den massiven Eingriff der EU-Kommission (mehrmalige Erhöhung der Milchquote) und nationale Regelungen, die die Überproduktion fördern, sind die Milchpreise auf rasanter Talfahrt. So wurden in einem Jahr 25 Prozent der Wertschöpfung (Milchpreis Jänner 2008 - 40 Cent, Jänner 2009 - 30 Cent netto) und hundert Prozent der milchbäuerlichen Einkommen vernichtet. Alleine die Quotenerhöhung im Jahr 2008 führt zu einer Belastung des Milchmarktes von zusätzlich 70 Mio. Kilogramm Milch. Die gleiche Erhöhung ist für 2009 fixiert, weitere Quotenaufstockungen sind beschlossen, ohne auf die dramatische Lage am Milchmarkt Rücksicht zu nehmen.

Dieses Überangebot hat zur Kündigung von mehreren hundert MilchlieferantInnen durch ihre Abnehmer geführt. Viele von den gekündigten Betrieben liegen in reinen Grünlandgebieten und haben in den letzten Jahren wie gesellschaftlich erwünscht auch in moderne und tiergerechte Stallungen investiert. Da für diese Betriebe keine produktionstechnische Alternative besteht, ist dies eine wirtschaftliche und menschliche Tragödie.

Da alle österreichischen Molkereien ihren LieferantInnen in den aktuellen Rundschreiben mitteilen, dass deutlich zu viel Milch am Markt ist und die Preise weiter fallen werden, ist eine Neuausrichtung der Milchmarktordnung ohne Alternative. Die derzeitigen Beschlüsse der EU-Kommission und die nationale Milchmarktordung verdammen die Bauern zur Ausweitung der Produktion ohne auch nur annähernd kostendeckende Preise zu ermöglichen. Im Gegenteil, der Staat ist gezwungen, mit Steuergeldern diese Überproduktion auf Märkte zu Dumpingpreise zu exportieren und dabei die MilcherzeugerInnen da und dort zu ruinieren.

Aus volkswirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen aber auch ethischen Gründen fordern wir Sie daher auf, umgehend eine Änderung der österreichischen Milchmarktordnung zu beschließen. Österreich ist seit EU-Beitritt durch die beschriebenen Umstände der größte Überlieferer bezogen auf die nationale Quote in der EU.

Für die dringend notwendige Reduktion der Milchanlieferung ist die Abschaffung der Saldierung das wichtigste Instrument. Damit wird keine Überlieferung der nationalen Quote stattfinden und es sind keine Strafzahlungen an die EU notwendig. Weiter können auch die geplanten Zuteilungen durch die EU-Kommission in der nationalen Reserve geparkt werden, sollte durch besondere Umstände ein Engpass bei Milch entstehen und die Preise zu stark steigen, kann man auf diese Mengen zur Ausweitung der Produktion zurückgreifen.
Dies wäre der dringend notwendige Einstieg in die flexible Mengensteuerung und die wichtigste Voraussetzung für eine nachhaltige österreichische Milchproduktion.

Die notwendigen Änderungen können auch durch eine Urabstimmung unter den betroffenen MilcherzeugerInnen legitimiert werden.

Für Fragen stehen wir natürlich gerne zur Verfügung.

Wir bitten um positive Erledigung unseres Anliegens bis Ende kommenden Monats um wieder Perspektiven in der Milchproduktion zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen

Ewald Grünzweil Ernst Halbmayr
Obmann IG-Milch Obmann Stv. IG-Milch

Digitale Pressemappe steht unter www.ig-milch.at als Download zur Verfügung

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Ewald Grünzweil 0664 2023869
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