Schwere Zeiten für die heimische Kultur Kulturbericht 2007 demnächst im Ausschuss

Wien (PK) - Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten soll Kultur für alle Menschen verfügbar sein, lautet das Credo von Bundesministerin Claudia Schmied in ihrem Vorwort zum Kulturbericht 2007 (III-28 d.B.), der nun dem Parlament vorliegt und der am 24. März im Kulturausschuss des Nationalrats "enderledigt" und somit nicht im Plenum diskutiert werden soll. Schmied will sich der organisatorischen Rahmenbedingungen "als Motor für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Kulturarbeit in Österreich" annehmen, wie sie in ihrem Vorwort erklärt: "Die Schaffung einer tragfähigen Budgetgrundlage für die Kulturinstitutionen des Bundes ist dabei für mich eine zentrale Notwendigkeit, um die neuen Ziele und Vorhaben in breitem Rahmen umsetzen zu können."

Die Basisabgeltung für die heimische Museumsarbeit blieben in den letzten fünf Jahren exakt gleich, es wurde, wie dem Bericht zu entnehmen ist, keine Valorisierung vorgenommen. Dafür wurden aber Mittel für gemeinsame museale Vorhaben und für museale Förderungen ausgeschüttet, sodass das Gesamtbudget von 153,7 Mio. Euro im Jahr 2006 auf 160,3 Mio. Euro im Berichtsjahr anstieg. Da seit Antritt der Regierung Gusenbauer auch die Bundestheater unter die politische Verantwortung des Ministeriums fallen, betrugen die Gesamtausgaben des Bundes für kulturelle Angelegenheiten 293,9 Mio. Euro.

Von diesen Mitteln entfielen 42,8 Prozent auf die Bundesmuseen, 8,3 Prozent auf den Denkmalschutz, 0,8 Prozent auf die Volkskultur und 0,4 Prozent auf die Hofmusikkapelle. Kleinere Beträge wurden für Kommunikation und Information bereitgestellt.

Liebkind der Kulturpolitik des Bundes bleiben die Bundestheater, die nunmehr gleichfalls zum Unterrichtsministerium ressortieren. 2007 erhielten die vier Häuser gemeinsam 133,6 Mio. Euro an Förderungen des Bundes. Im Berichtsjahr suchten 1,3 Millionen Menschen diese Unterhaltungsstätten auf, was bedeutet, dass dem Bund jeder Zuseher 100 Euro an Subvention wert war.

Darüber hinaus wurde durch entsprechende Investitionen die bauliche Situation in der Albertina, im KHM, in der österreichischen Galerie und in der ÖNB verbessert. Hiefür wendete der Bund nochmals 4,2 Mio. Euro auf.

Blieb die Basisförderung für die Museen seit 2003 auch gleich, die Besucherzahlen steigerten sich dessen ungeachtet neuerlich. Insgesamt besuchten knapp 3,8 Millionen Menschen die heimischen Bundesmuseen, was einem Plus von 10 Prozent gegenüber 2006 entspricht. 1,3 Millionen Besucher entfallen dabei auf das KHM, knapp 600.000 auf die Österreichische Galerie und mehr als 500.000 auf die Albertina. Rund 400.000 Personen statteten dem NHM einen Besuch ab, knapp 300.000 kamen ins Technische Museum. ÖNB, MAK und MUMOK kamen auf je rund 200.000 Gäste.

Unter der allgemeinen Kulturinformation ragt die Förderung der Enzyklopädie des Europäischen Ostens (EEO) hervor, die der Bund mit knapp 700.000 Euro fördert. Hierbei entsteht eine umfassende Internet-Datenbank mit Wissenswertem über die Region, ihre Kulturen und Sprachen, daneben ist auch eine Publikation in Buchform in Aussicht genommen. Hinsichtlich der Kulturkommunikation wurde die Bedeutung des Kulturtourismus verstärkt wahrgenommen und entsprechend reagiert.

Umfangreiche Aktivität

In weiterer Folge bietet der Bericht einen Überblick über die Aktivitäten der einzelnen musealen Einrichtungen, beginnend mit dem Museumsquartier bis hin zum Pathologisch-Anatomischen Bundesmuseum. Konkret besuchten die einzelnen Institutionen des MQ im Berichtsjahr 1,3 Millionen Menschen, um etwa 1.800 Personen mehr als im Jahr davor. Traditionell ziehen Leopold-Museum, MUMOK und Kunsthalle die meisten Besucher an.

Highlights im Leopold-Museum waren 2007 die Ausstellungen über Tschechische Malerei, über Kolo Moser und über österreichische Kunst der Zwischenkriegszeit. Das KHM punktete mit "Tizian und die Sinnlichkeit", Arcimboldo und russischer Kunst des 20. Jahrhunderts, während das Museum für Völkerkunde die Aufmerksamkeit des Publikums auf Benin lenkte.

Zahlreiche Ausstellungshöhepunkte bot die Albertina im Berichtsjahr, so die Präsentation der Sammlung Batliner "Von Monet bis Picasso", die Exhibition zu Peter Fendi oder jene über "Kunst nach 1970". Nicht weniger spannend die Arbeitsschwerpunkte der Österreichischen Galerie, die u.a. "Der Garten in der Kunst", Ferdinand Waldmüller, Gustav Klimt und "Meisterwerke mittelalterlicher Kunst" ausstellte.

Im MAK gab es u.a. Josef Hoffmann, Günther Domenig und Coop Himmelb(l)au zu sehen, im MUMOK konnte man sich über die Moderne, über Yves Klein und die Kunst der VR China informieren. Auch das NHM blieb nicht untätig und stellte bspw. "Mumien aus dem Moor" aus. Die Präsentationstätigkeit des TGM wiederum reichte von der Erdölförderung in Galizien bis zum Postwesen. Das PAM schließlich setzte sich ausstellungsmäßig mit den Pocken und mit der Versorgung Verwundeter während der Weltkriege auseinander.

Nationalbibliothek

Der Gesamtbestand der Nationalbibliothek hat sich 2007 nochmals auf nunmehr 7,84 Millionen Bibliotheksstücke erhöht. Davon sind 3,5 Millionen Bücher und Periodika, 2,7 Millionen Fotos und Bilder, 450.000 Manuskripte und knapp 700.000 sonstige Bibliotheksmaterialien. Allein im Berichtsjahr wurde der Bestand um rund 50.000 Bücher erweitert.

Neben der Kulturvermittlung und der umfangreichen Forschungstätigkeit richtete die ÖNB auch 2007 wieder zahlreiche Ausstellungen aus, so eine über in Wien gedruckte bulgarische Bücher, über Magie und Wissenschaft, über "Österreich und Europa" und über Huldigungsgeschenke an Kaiser Franz Josef. Die ÖNB selbst veröffentlichte 2007 zehn Publikationen zu den verschiedensten Themen des Bibliothekswesens und der Buchkultur.

Die Bibliothek selbst wurde 2007 von knapp 200.000 Personen besucht, ein Plus von etwa 1 Prozent. Hauptanziehungspunkt war dabei der Prunksaal, dem 141.000 Personen einen Besuch abstatteten. Populär aber auch das Papyrusmuseum, und auch die Globensammlung fand ihre Interessenten. Die Zahl der BenützerInnen der Lesesäle stieg auf knapp 264.000, ein Plus von nahezu 10 Prozent.

Denkmalschutz

Für die Förderung der Denkmalpflege wurden 2007 insgesamt 14,7 Millionen Euro aufgewendet, womit der Vergleichswert das Jahres 1994 um knapp zehn Prozent übertroffen wurde. Fast ein Drittel dieser Summe ging an Niederösterreich, das seinen Anteil von 26 auf 29 Prozent steigern konnte. Auf Oberösterreich, Salzburg, die Steiermark, Tirol und Wien entfielen je rund 10 Prozent, die restlichen Prozente teilen sich auf Burgenland, Kärnten und Vorarlberg auf.

Zu den renovierten bzw. wieder instand gesetzten Komplexen zählen im Berichtsjahr u.a. das Ruster Tor in Purbach, die Pfarre von Weißbriach, das Stift Klosterneuburg, das Kurmittelhaus in Bad Ischl, die Salzburger Alte Residenz, die Grazer Kasematten, das Silianer Vidum, die Feldkircher Villa Zweifel und in Wien das Palais Palffy, der Schönbrunner Obelisk, das Margaretner Schloss und die Wientalbrücke auf der Wieden.

Volkskultur

Im Bereich das Volkskultur gab es auch 2007 wieder eine Basisförderung, u.a. an den Bund der Österreichischen Trachten- und Heimatvereine, an die BAG Österreichischer Volkstanz, an Arbeitersänger, Laienspielgruppen und an das Volksliedwerk. Darüber hinaus erfolgten zahlreiche Projektförderungen, wobei die Internationalen Puppentage ebenso herausragen wie das Bundessängerfest. Gefördert wurde auch der Austausch mit vergleichbaren Institutionen anderer Länder, so mit Chören, Volkstanz- und Laienspielgruppen aus Frankreich, Tschechien, der Slowakei, Russland und der VR China.

Der Bericht zeigt, dass die Kulturschaffenden in Österreich alles unternehmen, damit Bundesministerin Schmied mit ihrer Absicht, "auch jene Bevölkerungsgruppen für unsere Kulturinstitutionen zu begeistern, die bisher wenig oder gar keinen Zugang zu ihnen hatten", Erfolg hat.

Nicht zu Unrecht dankt die Ministerin allen, die an der Umsetzung der umfangreichen und breit gefächerten Aufgaben im Kulturbereich mitarbeiten und schließt mit der Ankündigung, sie werde sich "dafür einsetzen, dass wir auch in den kommenden Jahren durch sichere Rahmenbedingungen und mutige und innovative Schritte in der Kulturpolitik nicht nur diesen erfolgreichen Weg weitergehen, sondern gleichzeitig neue Wege für eine erfolgreiche Kulturarbeit in Österreich erschließen können." (Schluss)

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