Neues Semmering-Basistunnel-Projekt gefährdet Umwelt in gleicher Weise

Wien (OTS) - Das alte Semmering-Basistunnel-Projekt (SBT) wurde
vom Land Niederösterreich abgelehnt, weil es einen großtechnischen Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet "Rax-Schneeberg" mit sich gebracht hätte. Der massive Wassereinbruch in den Sondierstollen und die umfangreichen Wasserableitungen aus dem Sondierstollen (10-12 Mio. Liter pro Tag), die jährlich rd. Euro 200.000,- verursachen, bestätigten die richtige Haltung der NÖ Landesregierung.

Wie nun aus dem "Bericht über Umweltauswirkungen" im Auftrag der ÖBB hervorgeht, dürfte auch das neue SBT-Projekt massive Beeinträchtigungen des Natur- und Wasserhaushaltes am Semmering mit sich bringen. Denn aufgrund der gewählten Trassenführung mit einem unnötig langen Bogen unter dem Pfaffensattel werden Karbonatgesteine des Grasberges und des Otters mit Karstquellen durchörtert, die für Trinkwasserzwecke genutzt werden.

Dr. Josef Lueger, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Hydrogeologie, der bereits beim alten SBT-Projekt als Beauftragter der Gemeinde Reichenau/Rax die massiven Eingriffe in den Wasserhaushalt prognostiziert hat, äußert sich zum neuen, noch längeren und weitaus teureren SBT-Projekt wie folgt:

"Aus hydrogeologischer Sicht sind im Vergleich zur alten Trassenführung keine Verbesserungen erkennbar. Es sind nach wie vor massive und weiträumige Absenkungen des Bergwasserspiegels zu erwarten, weil keine wirksame Tunnelabdichtung zu deren Verhinderung geplant ist. Die Bergwasserausleitungen werden in großem Umfang Quellen und Bachstrecken trocken legen. Dadurch werden Wasserversorgungsanlagen beeinträchtigt und seltene bzw. wertvolle Biotope zerstört. Auch flächenhafte Beeinträchtigungen der Vegetation und des Waldbestandes sind zu erwarten. An den fachlichen Voraussetzungen für Nicht-Erteilung der naturschutzrechtlichen Bewilligung hat sich daher durch die neue Trassenentscheidung nicht Wesentliches geändert. Nicht einmal die von LH Pröll als Voraussetzung für die Zustimmung genannte Abdichtung des Pilotstollens ist geplant. Es bleibt abzuwarten, ob die NÖ Landesregierung ihre eigenen Forderungen ernst nimmt und die fachlichen Maximen für das naturschutzrechtliche Bewilligungsverfahren in gleicher Weise anwendet wie bei der alten Trasse. Wenn sie das tut, ist die Variante "Pfaffensattel" in der dargestellten Form aus naturschutzrechtlicher Sicht nicht bewilligungsfähig."

Die Ängste der betroffenen Bevölkerung werden noch dadurch untermauert, dass Planungen für Ersatzwasserversorgungsanlagen vorgenommen werden. Bei einer Informationsveranstaltung der Wiener Wirtschaftskammer am 4. März 2009 bestätigte Dipl.-Ing. Gerhard Gobiet, Projektleiter für den "SBT neu", die Planung von Ersatzwasserversorgungen.

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