Adelheid Popp als Parlamentarierin Die parlamentarischen Mühlen im Kampf um Frauenrechte

Wien (PK) - "Mich trifft das Schicksal, dass ich Jahr für Jahr bei der Budgetdebatte zum gleichen Thema reden muss, ohne darauf hinweisen zu können, dass sich irgendetwas zum Günstigeren verändert hätte - im Gegenteil, nicht günstiger, sondern ungünstiger sind die Zustände geworden, auf die sich meine Äußerungen beziehen", beklagte Adelheid Popp in der Debatte um den Bundesvoranschlag für das Jahr 1933 (119 Sitzung NR vom 16. Februar 1933, IV.GP, S. 3092 ff) -knappe drei Wochen vor den Ereignissen am 4. März 1933, die zur Ausschaltung des Parlaments führten und schließlich in den autoritären Ständestaat mündeten. Nach einem Porträt der christlichsozialen Politikerin Hildegard Burjan im Vorjahr (siehe PK Nr. 205, 206 und 207/2008), bringt die Parlamentskorrespondenz heuer zum Internationalen Frauentag ein Porträt der sozialdemokratischen Parlamentarierin Adelheid Popp.

Adelheid Popp meinte mit der zitierten Bemerkung ihren unermüdlichen Einsatz um ein moderneres Eherecht, insbesondere die Zivilehe, und die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs. Von Beginn ihrer Tätigkeit in der Konstituierenden Nationalversammlung bis zu den tragischen Märztagen des Jahres 1933 hat sich die Sozialdemokratin im Parlament für die Rechte der Frauen und die Verbesserung der katastrophalen Lage der Masse der Bevölkerung eingesetzt. Ihre Anträge und ihre Reden im Nationalrat sind ein beredtes und eindringliches Zeitkolorit der Ersten Republik. Die Beispiele konkreter Schicksale von Menschen, die sie immer wieder zur Untermauerung ihrer Forderungen in ihren Reden schilderte, stellen eindringliche Appelle an das soziale Gewissen dar und lassen die unendliche und heute unvorstellbare Not der Menschen erahnen. Die Notwendigkeit, immer wieder auf gleiche Probleme hinzuweisen, ist auch heute denjenigen, die sich für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung einsetzen, keineswegs fremd.

Ob es das schwere Los der Hausgehilfinnen war, die am Beginn der jungen Republik völlig rechtlos dastanden, ob es um die Zustände in den Gefängnissen ging, vor allem in den Justizanstalten für Frauen, um den Einfluss der Kirche im Bildungswesen oder die hart umkämpften Kompetenzen im Schulwesen, Adelheid Popp nannte die Dinge beim Namen. Ihr Kampfesmut im positiven parlamentarisch demokratischen Sinn ist aus jedem Satz heraus zu spüren. Sie ließ sich nicht beirren, auch wenn jenen, die für Frauenrechte eintraten, ein immer kälter werdender Wind ins Gesicht blies und wie wir heute wissen, der Weg zur Gleichberechtigung ein steiniger war und noch immer ist. Schon 1920 (82. Sitzung der Konstituierenden Nationalversammlung, S. 2593) wies Popp auf den männlichen Widerstand hin: "Dass bei den männlichen Berufsangehörigen nicht das Bedürfnis nach weiblichen Kollegen vorhanden ist, haben wir überall gehört und das ist überall aufgetreten". In ihrem Debattenbeitrag zum Bundesvoranschlag für das Jahr 1931 (14. Sitzung NR vom 11. Februar 1931, IV. GP, S. 340) klagte sie ebenfalls: "Auch wir haben die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung der Frau, wenn wir auch überall sehen und fühlen, wie man versucht, wenn auch nicht direkt und auf geradem Wege, den Frauen von der Position, die sie sich durch unsere Verfassung errungen haben, wieder ein Stück wegzunehmen."

Adelheid Popp zählte mit ihren sechs anderen sozialdemokratischen Kolleginnen und mit Hildegard Burjan von der Christlichsozialen Partei, zu den weiblichen Pionierinnen im Parlament. Sie zog nach der Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle Staatsbürger und Staatsbürgerinnen ohne Unterschied des Geschlechts für die Sozialdemokratische Partei aus dem Wahlkreis 7, Wien West (14., 16. und 17. Bezirk) ins Parlament der jungen Republik ein und wurde am 4. März 1919 angelobt. Sie gehörte in der Konstituierenden Nationalversammlung und in den darauf folgenden vier Gesetzgebungsperioden (GP) unter anderem dem Budgetausschuss, dem Justizausschuss, dem Ausschuss für soziale Verwaltung, dem Verfassungsausschuss und dem Ausschuss für Erziehung und Unterricht, teils als Mitglied, teils als Ersatzmitglied ("Ersatzmann" laut Indices zu den Stenographischen Protokollen bis zur III. GP) an.

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