Tourismus in Österreich: Die Erfolgsgeschichte geht weiter Tourismuswirtschaft expandierte 2007 um über vier Prozent

Wien (PK) - Mit über 31 Mio. Ankünften und 121,4 Mio. Nächtigungen verzeichnete der österreichische Tourismus mehr Gäste als je zuvor, so das Resümee des dieser Tage dem Hohen Haus zugeleiteten Berichts zur Lage der österreichischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft 2007 (III-9 d.B.). Im Jahresdurchschnitt 2007 arbeiteten zudem 5,1 % aller unselbstständig Beschäftigten im Beherbergungs- und Gaststättenwesen. Der Stellenwert, den man der klassischen Querschnittsmaterie Tourismus daher beimesse, käme nicht zuletzt durch die Einrichtung eines eigenen parlamentarischen Ausschusses und der Schaffung einer Plattform Bund/Länder zum Ausdruck. Ökologische, ökonomische und soziokulturelle Nachhaltigkeit seien als Grundpfeiler des österreichischen Tourismus zu identifizieren. In diesem Sinne sei Nachhaltigkeit auch ein wesentlicher Bestandteil aller Tätigkeitsfelder der Tourismussektion, schreibt noch Bundesminister Martin Bartenstein im Vorwort des Berichts.

Im Rahmen einer Einführung thematisiert Staatssekretärin Christine Marek, in der Regierung Gusenbauer mit Belangen des Tourismus befasst, die Bedeutung der Tourismusbranche als Arbeitgeber. Da fast doppelt so viele Frauen wie Männer in diesem Bereich tätig seien, stehe der Tourismus vor großen Herausforderungen hinsichtlich der Anpassung des Sektors an die Bedürfnisse seiner Arbeitnehmerinnen. Es bedürfe daher sowohl flexibler, familienfreundlicher Arbeitszeiten als auch entsprechender Kinderbetreuungsangebote für im Tourismus Tätige, so Marek. Das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" müsse auch in diesem Sektor gelten. Erfreulich sei, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen mit einem Wert von 30 % schon heute relativ hoch sei.

Tourismus in Österreich - eine Zustandsanalyse

Die Gesamteinnahmen im österreichischen Tourismus beliefen sich im Jahr 2006 auf 28,99 Mrd. €, was einem Plus von 3,6 % entspricht. 50,9 % entfielen dabei auf ausländische, 45,8 % auf inländische Gäste. Im Jahr 2007 konnte ein Ausgabenvolumen von 30,43 Mrd. € erzielt werden.

Die Ausgaben der inländischen BesucherInnen in Österreich erreichten 2006 ein Volumen von 13,26 Mrd. €, was einem Anstieg um 4,4 % gleichkommt. Die Aufwendungen der ÖsterreicherInnen für Dienst- und Geschäftsreisen stiegen um 6,6 % auf 2,94 Mrd. €. Auch die Ausgaben der österreichischen Bevölkerung während Aufenthalten in Wochenendhäusern und Zweitwohnungen nahmen 2006 auf 955 Mio. € zu. Insgesamt machten die Tourismusausgaben der In- und AusländerInnen nach dem TSA-Konzept (Tourismus-Satellitenkontos-Konzept) einschließlich Dienst- und Geschäftsreisen und Freizeitaufwendungen der InländerInnen am Wohnort 2006 ein Volumen von 52,26 Mrd. € aus, was einem Plus von 6,1 % entspricht. 2007 expandierte die Tourismus-und Freizeitwirtschaft um 4,2 % und erzielte ein Volumen von 54,45 Mrd. €. Die Ausgaben der ÖsterreicherInnen für Auslandsreisen stiegen erneut an und beliefen sich auf 12,68 Mrd. €.

Trotz schneearmer Wintersaison 2006/07 konnte eine Umsatzsteigerung von knapp 1 % erzielt werden, wobei die Aufwendungen inländischer Gäste stärker zunahmen als jene ausländischer BesucherInnen. Westösterreich (Salzburg, Tirol und Vorarlberg) war am stärksten vom Nächtigungsrückgang in Folge des Schneemangels betroffen. Der Bericht weist darauf hin, dass in der starken Abhängigkeit des österreichischen Tourismus vom Wintersport aufgrund der globalen Erwärmung ein erhebliches Risiko zu sehen sei.

Der Städtetourismus erzielte mit einem Plus von 3,2 % erneut einen deutlichen Zuwachs. Sondereffekte durch die EU-Präsidentschaft und das Mozartjahr 2006 waren vor allem in Wien und Salzburg bemerkbar, wohingegen die Nachfrage im ländlichen Raum leicht zurückging. Innsbruck und Salzburg zeigten in der Wintersaison 2006/07 überdurchschnittliche Zuwächse.

Im Gegensatz zur Wintersaison konnte im Sommer 2007 mit einem Zuwachs von 6,3 % (real + 3,7 %) ein deutlicher Umsatzzuwachs erzielt werden. Gegenläufig zur bisherigen Tendenz stieg hierbei die Zahl der Nächtigungsanfragen in den Städten schwächer als im Rest Österreichs. Erneut lassen sich Tendenzen hinsichtlich der Saisonpräferenzen nach Nationalitäten aufzeigen: Während Gäste aus Kroatien, Litauen, Irland, Polen, Russland, Südafrika, Lettland, Dänemark und Slowenien zu den typischen Wintertouristen zählen, kommen in der Sommersaison vor allem BesucherInnen aus arabischen Ländern Asiens, Indien, Malta, Taiwan, Südkorea, Spanien, Kanada, Neuseeland, Zentral- und Südamerika sowie den USA ins Land. Deutliche Einbußen verzeichnete der österreichische Tourismus bei Gästen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden und den USA, während es bei den EU 12, Russland und der Ukraine deutliche Zugewinne gab.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sank 2007 aufgrund der anhaltenden Tendenz zu Kurzurlauben weiter, sodass die Zahl der Nächtigungen trotz Zuwächsen bei den Ankünften nur leicht zunahm. Die Aufenthaltsdauer inländischer Gäste (durchschnittlich 3,2 Nächte) lag dabei unter jener ausländischer BesucherInnen (durchschnittlich 4,3 Nächte).

Internationaler Ausblick

2007 expandierte der Welttourismus mit einem Zuwachs von 6,1 % erneut und erreichte mit 898 Mio. Ankünften knapp die 900 Mio.-Grenze. Die stärksten Zuwächse der internationalen Ankünfte waren dabei für den Mittleren Osten (+ 13,4 %), Asien und das Pazifische Becken (+
10,2 %) sowie Afrika (+7,9 %) zu verzeichnen, wohingegen Amerika und Europa deutlich schwächer expandierten. Obgleich Europa mit 480 Mio. internationalen Touristenankünften und einem Marktanteil von 53,5 % noch immer zu den größten Destinationen zählt, muss es weiterhin Positionsverluste hinnehmen. Aufgrund der konjunkturellen Abschwächung ist in den USA und Europa für 2008 und 2009 mit einer Verlangsamung des Wachstums der Ankünfte zu rechnen.

Entwicklungslinien der Tourismusbranche

Im Jahresdurchschnitt 2007 zählte das Beherbergungs- und Gaststättenwesen in Österreich ohne Einbeziehung von Karenz- und KinderbetreuungsgeldbezieherInnen sowie Präsenzdienern 168.924 unselbstständige Beschäftigte und 42.100 selbstständig Tätige. Obgleich die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahr um 0,7 % sank, liegt man mit einem Wert von 16,5 % weit über der Registerquote von 6,2 %. 60,4 % der im Tourismus Beschäftigten sind Frauen. Mit einem Plus von 5 % konnte der stärkte Beschäftigungszuwachs bei ausländischen Arbeitskräften verzeichnet werden, wodurch sich der AusländerInnenanteil auf 34,2 % erhöhte.

2007 wurden in Österreich 20,77 Mio. Gästeankünfte aus dem Ausland verzeichnet, was einer Steigerung von 2,5 % entspricht. Die Tourismusexporte erreichten einen Anteil von 4,9 % am BIP, wodurch Österreich innerhalb der EU 15 den zweiten Platz hinter Griechenland belegt. Gemessen an den Tourismusexporten pro Kopf liegt Österreich in einem Vergleich von 37 Ländern in Europa und Übersee hinter Zypern und Malta auf Platz drei.

Dem Ziel der Qualitätssteigerung entsprechend steigerte die 5- und 4-Sterne-Hotellerie sowohl in der Winter- als auch in der Sommersaison ihr Angebot um 1 % und lag hinsichtlich der Bettenauslastung an der Spitze. Die Zahl der 3-Sterne-Betriebe stagnierte, während sich jene der 1- bis 2-Sterne-Gaststätten sogar mehr als halbierte.

Prognose für 2008 und 2009

Die in der Wintersaison 2007/08 realisierte Umsatzsteigerung kann im Vergleich über drei Jahrzehnte als überdurchschnittlich kräftig bezeichnet werden. Die Autoren des Berichts gehen davon aus, dass dieser Wachstumsweg zur Rückeroberung von Marktanteilen führen könnte. Für 2008 sei mit einer Umsatzsteigerung von 7 % zu rechnen, für 2009 sieht man aufgrund der Konjunkturabschwächung einen Rückgang auf 6 % voraus.

Strategische Maßnahmen zur Tourismusentwicklung

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit werden Studien erstellt, die im Rahmen des Berichts Vorstellung finden. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf dem Verhältnis von Klimawandel und Tourismus. Daneben geht der Bericht auf die Einrichtung touristischer Modellregionen und der Tourismusplattform Bund/Bundesländer ein. Zudem wird auf Initiativen zur Förderung des Kulturtourismus Bezug genommen.

Zur wirtschaftlichen Lage der Betriebe

Während die durchschnittlichen Einnahmen pro Unternehmen in der 3-Sterne-Hotellerie leicht stiegen, konnten die Einnahmen in der 4- und 5-Sterne-Kategorie beträchtlich gesteigert werden. Die heimischen Gaststätten entwickeln sich damit sowohl nachfrage- als auch angebotsseitig in Richtung des Hochpreissegments. Während die Geldmarktzinsen in den letzten Jahren einen sinkenden bzw. stabilen Verlauf nahmen, erhöhten sich die der Hotellerie verrechneten Zinsen deutlich. Zuletzt verringerte sich dieser Abstand jedoch wieder und weist nun eine parallele Entwicklung auf. Die mehrheitlich überdurchschnittlich verschuldete Hotellerie wurde aufgrund teilweise unterdurchschnittlicher Bonität und eines häufig ausgereizten Besicherungsspielraums mit überdurchschnittlichen Aufschlägen für Risiko und zusätzliche Eigenkapitalunterlegung belastet. Diese Mehrbelastung konnte aber aufgrund der positiven Entwicklung der Erträge abgefedert werden.

Die Eigenkapitalsituation der heimischen Hotellerie verbesserte sich in den letzten Jahren. Auch hier liegen die Werte der Gaststätten der 4- und 5-Sterne-Kategorie deutlich vor jenen der 3-Sterne-Kategorie. Eine Vielzahl von Unternehmen der Tourismuswirtschaft befindet sich nach wie vor in einer wirtschaftlich angespannten Situation. Die Lage der Gastronomie verbesserte sich vor allem in Hinblick auf die Eigenkapitalausstattung.

Des Weiteren geht der Bericht detailliert auf die Entwicklung von Investitionen und staatliche Förderungen für die heimische Tourismusbranche ein.

Österreich Werbung

Mit 2007 hat die Österreich Werbung einen intensiven Markenvertiefungsprozess initiiert, zu dem unter anderem die verstärkte Konzentration auf Leitmilieus bei den anvisierten Zielgruppe zählt. (Schluss)

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