Frauenwunsch-Kalender Tür 6: Erstklassige Quotenfrauen statt zweitklassige Protektionsmänner

Wien (OTS) - Wunsch sechs: Der Ruf nach Frauenquoten ist schon
über 115 Jahre alt, doch immer noch kein bisschen leise. Sesselkleber, von den Plätzen! Auf freie Stühle sollen Frauen nachrücken - so lange, bis wir Halbe-Halbe haben!

Der Frauenwunsch-Kalender ist eine Aktion des Österreichischen Frauenrings zum 101. Internationalen Frauentag. Der Österreichische Frauenring vertritt als Dachorganisation der meisten österreichischen Frauenorganisationen und -vereine mindestens eine Million Frauen, dazu die unergründliche Zahl ihnen gleichgesinnter, solidarischer oder verbündeter Männer.

Die gute Nachricht zuerst: Überall, wo es Frauenquoten-Regelungen oder - Förderungen gibt, zeigen sie Erfolg. In der Politik der Grünen, an den Universitäten, im öffentlichen Dienst. Schlechte Nachricht eins: Selbst wo die Frauenquote steigt, stagniert oder sinkt der Anteil an Frauen in Spitzenpositionen, die gläserne Decke ist harte und schmerzhafte Realität.

Schlechte Nachricht zwei: Überall, wo Frauen neue Quotierungen fordern, formiert sich altbekannter Widerstand neu. Der Vorstoß der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek für eine verpflichtende Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten ist nur das jüngste Beispiel dafür.

Der Österreichische Frauenring will endlich aufräumen mit den hartnäckigsten Fehlargumenten gegen Frauenquoten. Vorurteil eins ist das Mitterlehner-Argument: "Frauenquoten sind Willkür". "Willkür, Dein Name ist Männerquote", kontert Christa Pölzlbauer, die Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, "in den meisten Aufsichtsräten oder Parteien herrscht eine hochprozentige Männerquote." Beispiel ÖVP: Ein Drittel sind Wirtschaftsbündler, ein Drittel ÖAABler und ein Drittel Bauern - bei einem minimalen 5,5 Prozent-Anteil der Erwerbstätigen in Land- und Forstwirtschaft.

Vorurteil zwei heißt: Die Quote begünstige Frauen aufgrund des Geschlechts, nicht aufgrund der Qualifikation. Ein Argument für Ewiggestrige, meint der Frauenring. Fakt ist, dass mehr (und bessere) Frauen Matura und Hochschulabschlüsse machen als Männer. Gälte das Qualifikationsgebot ernsthaft, dann müssten Frauen in den beruflichen Startlöchern längst entsprechende und entsprechend bezahlte Vorsprünge haben. Beides ist nicht der Fall.

Es kann auch keine Rede davon sein, dass sich unterqualifizierte Frauen auf Positionen bewerben, die ihnen eine oder mehrere Nummern zu groß sind. "Großspurigkeit und Selbstüberschätzung sind Männereigenschaften, die sie dank ausgezeichnet protegierender Bünde oder Seilschaften seit Generationen allzu oft und ausschließlich via Mannsein ganz nach oben führen", analysiert Pölzlbauer.

Leider teilen nicht wenige - meist sehr junge und noch ungeschädigte, sehr konservative oder außerordentlich (erfolg)reiche - Frauen das perfideste Anti-Quoten-Argument: Die Quotierung sei überflüssig und sogar schädlich für das Image tüchtiger Frauen, weil sich die Qualität und das Engagement von Frauen ohnehin durchsetzen. Mit einem Blick auf Europa tritt der Frauenring den Gegenbeweis an. Laut einer Studie des European Professional Women’s Network sitzen in den Aufsichtsräten der 200 größten Unternehmen Europas lediglich acht Prozent Frauen. In den quotierungsfreudigen skandinavischen Ländern liegt der Anteil bei 23 Prozent.

Der Frauenring ist überzeugt: Ohne Quote geht für die Frauen nichts wesentlich voran. Denn selbst bei Einführung von Quotenregelungen dauert es rund zwei Jahrzehnte, bis der Frauenanteil von 40 oder 50 Prozent erreicht ist. "Zur Frauenquote haben wir daher einen ganzen Wunschkatalog", sagt die Frauenring-Vorsitzende.

Er heißt: Parteien und PolitikerInnen müssen unbedingt wieder mit gutem Beispiel vorangehen. Nach den letzten Wahlen verdienen alle mit Ausnahme der Grünen den Quotenmuffel-Award des Frauenrings.

An die Kuschelmänner Feymann und Pröll, die gerade im Begriff sind, einträchtig die Top-Positionen im ORF und anderswo exklusiv auf Männer neu zu verteilen, richtet der Frauenring den dringenden Appell, im Elite-Jobkarussell eine entsprechende Zahl von Spitzenplätzen für Spitzenfrauen zu reservieren.

Gas geben müssen auch weiterhin alle öffentlichen Arbeitgeber in Bund und Ländern und die staatsnahen Betriebe: Ihre Frauenquoten-Förderprogramme gehen besonders bei der Besetzung von Spitzenpositionen mehr als schleppend voran.

Last but not least und weil es sie immer noch nicht gibt:
Flankierungsmaßnahmen sind angesagt. Eine österreichweite Infrastruktur zur Unterstützung einer echten Halbe-Halbe-Regelung für alle familiären Aufgaben und Pflichten ist sofort in Angriff zu nehmen. Dann braucht es auch noch: Datenbanken mit hoch qualifizierten Expertinnen aus allen Berufsfeldern, Beratung und Schulung, aber auch saftige Sanktionen für quotenresistente Institutionen, Parteien, öffentliche und private Unternehmen.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Frauenring
office@frauenring.at
www.frauenring.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OFR0001