"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der Tanz auf der Titanic" (Von WOLFGANG SABLATNIG)

Ausgabe vom 6. März 2009

Innsbruck (OTS) - Die Industrie warnt vor einem Kollaps. Lehrervertreter und Politik wälzen derweil Luxusprobleme.
Ja, liebe Lehrer, volles Verständnis für das Nein zur Mehrarbeit. Es gibt aber tatsächlich Menschen, die derzeit gerne mehr arbeiten würden. Die Arbeitslosen, die von Kurzarbeit Betroffenen, die, deren Job wackelt.
So gesehen wälzen die Lehrer ein Luxusproblem. Dieser Vorwurf gebührt aber nicht ihnen allein, sondern auch allen anderen, die so verbissen über Lehrer-Arbeitszeit und Bildungsbudget streiten. Da kommen aus dem Unterrichtsressort täglich neue Zahlen, wie viel Geld die rote Ministerin Claudia Schmied braucht, um die Bildungsreformen fortsetzen zu können. Da wirft der schwarze Finanzminister Josef Pröll seiner Kollegin mangelnde "Krisenfestigkeit" vor. Ein konstruktiver Umgangston - geschweige denn ein Kuschelkurs - schaut anders aus.
Lange hat Pröll nicht mehr Zeit. Angesichts der Krise darf er derzeit vermutlich sogar auf ein gewisses Verständnis für harte Einschnitte hoffen. Je mehr sein Sparbudget aber zerredet wird, desto mehr wird dieses Verständnis schrumpfen. In der Justiz regt sich bereits Unmut, auch im Innenressort machen Gerüchte über Sparmaßnahmen die Runde. Pröll will aber noch fast sieben Wochen warten, bis er am 21. April bei der Budgetrede mit der vollen Wahrheit herausrücken will. Wetten, dass bis dorthin noch so viele Details an die Öffentlichkeit durchsickern werden, dass von Prölls Budget nur ein Zerrbild bleibt. Freuen können sich darüber nur die Bewohner des geschützten Sektors. Sie werden so lange noch ignorieren können, dass der Tanz auf der Titanic zu Ende ist.

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