WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Licht am Ende des Tunnels … - von Robert Gillinger

…oder kommt doch nur gerade der Zug entgegen?

Wien (OTS) - So tief wie nie schraubte die EZB den Leitzins - auf 1,5 Prozent. Geholfen soll damit der darbenden Wirtschaft werden. Doch solange die Kreditklemme Realität ist, trotz gegenteiliger Behauptungen von Bankenseite, wird das nicht viel helfen. Wenigstens können sich die Staaten freuen, die der Konjunktur mit keynesianischen Wirtschaftsprogrammen unter die Arme greifen. In Summe nähern wir uns jedenfalls einem Zustand, in dem kreditfinanzierte Unternehmensinvestitionen nichts kosten (nach Abzug der Inflation) und Unternehmen investieren würden, wenn sie gewinnbringende Absatzchancen sehen. Sehen sie aber scheinbar nicht, da kaum investiert wird. Hier kommt wieder die EZB ins Spiel: Die meisten Prognosen sprechen davon, dass es mit der Wirtschaft Ende des Jahres wieder bergauf geht. Warum dann eine Zinssenkung, die ja erst frühestens in sechs Monaten auf die Realwirtschaft wirkt? Wetten, dass all zuletzt gegebene Prognosen längst Makulatur sind und Abwärtsrevisionen zuhauf vor der Tür stehen - die EZB begann gestern damit.

Dass das wahrscheinlich ist, zeigt ein Blick auf jüngste Meldungen:
Die Fed warnt davor, dass nach den privaten auch Gewerbe-immobilien zum Problem werden; JP Morgan, Wells Fargo und Bank of America werden Ratingabstufungen angedroht, so wie westeuropäischen Banken wegen ihres CEE-Engagements. Wenn das kommt, beginnt die nächste Abwertungswelle in den Bankbilanzen. Wie verrückt die Welt gerade ist, zeigt ein Blick auf den zuletzt gefeierten
Einkaufsmanagerindex Chinas. Erstmals trat er im Jänner in die Schlagzeilen, als er stieg. Diese Woche stieg er gar weiter und sorgte für Feierstimmung an den Börsen. Doch bitte: Mit 49 Punkten liegt der Index eigentlich auf kontrahierendem Niveau. Wie passt das mit Wachstumserwartungen für China von sieben und mehr Prozent zusammen?

Als Journalist zu kritisieren, ist leicht. Auch gebe ich zu, keinen echten Lösungsvorschlag präsentieren zu können, wie wir aus der Krise kommen. Aber vielleicht sollten wir jetzt langsam doch zwei Dinge in Angriff nehmen: die Umwandlung von nachrangigen Verbindlichkeiten in Eigenkapital, um die Bankbilanzen zu entlasten. Und dann - schlag nach bei Keynes: die Wirtschaft lebt von Investitionen und Konsum. Das Investitionsthema ist durch die "Null-Zinspolitik" möglichst abgedeckt, es fehlt der Konsum: 10.000 Euro Gutschrift vom Staat für jeden Österreicher kosten 80 Milliarden Euro, weniger als die Bankenrettungen wahrscheinlich in Summe. Wetten, der Konsum springt an und ermuntert Unternehmen zu Investitionen. Wenn da jetzt noch alle (Staaten) mitmachen…

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