"Familienfasttag": "Partnerschaftlich teilen"

Politische und kirchliche Prominenz folgte der Einladung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Frauenbewegungs-Chefin Margit Hauft zum Benefiz-Suppenessen ins Wiener Palais Epstein

Wien, 5.3.09 (KAP) Die Katholische Frauenbewegung (kfbö) will mit dem Familienfasttag, der ältesten entwicklungspolitischen Aktion in Österreich, weibliche Lebensumstände in den Ländern des "Südens" sichtbar machen und verbessern; es gehe nicht um ein "kurzatmiges" Verteilen von Almosen nach dem Gießkannenprinzip, sondern um ein partnerschaftliches "Teilen auf Augenhöhe". Dies betonte die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Margit Hauft, am Mittwochabend beim Benefiz-Suppenessen, zu dem sie erstmals gemeinsam mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ins Wiener Palais Epstein eingeladen hatte. Unter den Gästen waren Bundespräsident Heinz Fischer, seine Frau Margit, Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, Staatssekretärin Christine Marek, Altbischof Maximilian Aichern und der Wiener Bischofsvikar Karl Rühringer als Vertreter von Kardinal Christoph Schönborn.

Margit Fischer machte in ihrem Grußwort darauf aufmerksam, dass es beim Benefiz-Suppenessen darum gehe, Frauen zu helfen, "die es schwer haben". Man könne der Katholischen Frauenbewegung für ihre Arbeit nicht genug danken, unterstrich sie.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer würdigte die Aktion Familienfasttag und betonte, dass die kfbö damit einen wichtigen Akzent setze: Es sei wichtig, Frauen zu helfen, selbständig zu leben und eigenständige Entscheidungen zu treffen. Zugleich erinnerte sie daran, dass vor genau 90 Jahren mit der konstituierenden Sitzung der neuen Nationalversammlung erstmals ein österreichisches Parlament tagte, in dem auch Frauen vertreten waren - unter ihnen die Gründerin der "Caritas Socialis", Hildegard Burjan, deren Seligsprechung heuer erwartet wird.

Bischof Aichern hielt in seinem Grußwort fest, in Zeiten der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise seien Nachhaltigkeit, eine gerechte Finanz- und Wirtschaftsstruktur sowie die Bereitschaft zum Verzicht und zum Teilen mehr denn je gefragt. Die wohlschmeckenden Suppen beim traditionellen Benefiz-Suppenessen seien ein Beweis dafür, dass eine Rückkehr zu einem einfacheren Lebensstil die Lebensqualität nicht mindert, sondern im Gegenteil Gesundheit, Gemeinschaft und Wohlbefinden erhöht. Es gehe um eine Welt, die nicht mehr von Krieg, Hunger und Unterdrückung gekennzeichnet sei.

"Kein Hobby für Gutmenschen"

Die kfbö-Vorsitzende Margit Hauft betonte, Entwicklungszusammenarbeit dürfe nicht "zum mehr oder minder aufwändigen Hobby einiger Gutmenschen verkommen": "Mit der Spendenabsetzbarkeit auch im entwicklungspolitischen Bereich ist zwar ein wichtiger Schritt getan, er dürfe aber nicht dazu dienen, "die Hauptverantwortung für die Entwicklungszusammenarbeit spendenfreudigen Bürgerinnen und Bürgern zu überantworten". Es sei die Aufgabe der gewählten Volksvertretung, alle möglichen Anstrengungen zu unternehmen, um das Millenniums-Ziel von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit bis 2015 zu erreichen.

Das strich auch Moderatorin Gabriele Neuwirth, Präsidentin des "Verbandes katholischer Publizisten Österreichs", hervor. Der Familienfasttag sei ein Zeichen internationaler Frauensolidarität, bekräftigte sie. Mit seinem Motto "teilen macht stark" ziele der Familienfasttag nicht zuletzt auch auf eine stärkere politische Teilhabe von Frauen in den Ländern des "Südens" ab. Mit den diesjährigen Spenden sollen Projekte im Ausmaß von zwei Millionen Euro zugunsten der Selbständigkeit von Frauen gefördert werden.

Zubereitet wurden die Suppen wieder von Schülerinnen und Schülern der Wiener Gastgewerbefachschule. Hofrat Franz Zodl, Direktor der Schule, wurde im Rahmen des Suppenessens für sein mehr als zehnjähriges Engagement für den Familienfasttag ausgezeichnet: Er erhielt von der Katholischen Frauenbewegung den Lorcher Christusring in Gold. Der Ring mit dem antiken Christuszeichen ist die Nachbildung eines Fingerringes, der im Grab einer um 380 n. Chr. verstorbenen jungen Frau am Hang des Eichberges bei Enns gefunden wurde. Er ist eines der ersten Zeugnisse des Christentums in Österreich. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung im Palais Epstein vom lateinamerikanischen Trio "La Fiesta". In besonderer Weise wurde im Palais Epstein die Initiatorin der "Suppenessen", die Pressereferentin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Eleonore Bayer, gewürdigt.

Die Aktion "Familienfasttag" wurde 1958 zur Bekämpfung des Hungers in der Welt gegründet. Als Zeichen der Verbundenheit mit hungernden Menschen sollte nur eine einfache Speise gegessen und das dadurch ersparte Geld für Hilfsprojekte gespendet werden. In den neunziger Jahren startete Eleonore Bayer die Idee der öffentlichen "Suppenessen". Heute wird neben den Aktionen in den Pfarrgemeinden auch bei vielen öffentlichen "Suppenessen" in den Landeshauptstädten für die Aktion gesammelt.

Eines der diesjährigen Projekte wurde am Mittwochabend im Palais Epstein in Form eines TV-Films vorgestellt: Der Radiosender "Palabra de Mujer" (Stimme der Frau) in Nicaragua. Der in einer ländlichen Gegend stationierte kleine Privatsender ist Teil eines größeren Frauenprojekts und will mit seinen Beiträgen häusliche Gewalt verhindern helfen. (Informationen: Internet: www.teilen.at; Spenden:
Kto. Nr. PSK 1.250.000, BLZ 60.000; online: www.meinespende.at).

O-Töne sind unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar.(ende) K200902224
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0010