"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Rosstäuscherei" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 06.03.2009

Wien (OTS) - Die Post bringt allen was, lautet ein Werbeslogan der Post. Man könnte ergänzen: Im Moment vor allem viel Ärger.
Es ist kein Wunder, dass so viele Postämter vor der Schließung stehen. Kundenfeindliche Öffnungszeiten; lange Wartezeiten vor unterbesetzten Schaltern; teils sehr freundliche und kompetente Mitarbeiter(innen), mitunter aber auch demotivierte und wenig serviceorientierte Postler: Diese Mischung hat viele Kunden vertrieben.
Die Postmanager haben schon Recht: Private können es in vielen Fällen wirklich besser. Kleine Läden oder Tankstellen haben länger offen, bemühen sich um ihre Kunden und bieten mehrere Dienstleistungen aus einer Hand an.
Der Wunsch nach Erhaltung eines lebenswerten Umfelds im ländlichen Raum ist mehr als gerechtfertigt. Wenn aber mangels Kunden der Kaufmannsladen im Ort aufgegeben und das letzte Gasthaus geschlossen hat, macht ein krampfhaft offen gehaltenes Postamt das Kraut auch nicht fett. Als Kommunikationszentrum für Pensionisten und andere Bürger mit Tagesfreizeit ist diese Art der Infrastruktur zu teuer. Das sei auch den Gewerkschaftern ins Stammbuch geschrieben, die weinerlich davon faseln, dass man im Laden oder an der Tankstelle weder ein Sparbuch eröffnen noch einen Kredit beantragen kann. Die Bawag/PSK, in deren Namen die Postämter agieren, hat ein vertraglich garantiertes Einspruchsrecht gegen Schließungen. Man darf daher davon ausgehen, dass die jetzt zum Zusperren angemeldeten Postämter auch diesbezüglich nicht einträglich gewirtschaftet haben.
Zur Sicherung der Lebensqualität im ländlichen Raum sollten sich Politiker schon etwas mehr einfallen lassen als aufgeregtes Geschnatter. Vor allem von Bürgermeistern dürfte man Weitblick und Phantasie statt populistischem Protestgeschrei erwarten.
Ein privater Postpartner mit attraktiven Angeboten könnte viel eher zum Kommunikations- und Einkaufszentrum einer Gemeinde werden als eine Postfiliale, in die sich nur selten ein Kunde verirrt. Dort könnten die Ortsbewohner auch morgens oder am Abend nach der Arbeit einkaufen, Briefe aufgeben und Pakete abholen. Vielleicht kommt der Betreiber außerdem auf die Idee, ein paar Kaffeehaustische aufzustellen oder einen Imbiss anzubieten, wie das inzwischen viele Tankstellen tun.
Wenn die Politik zur Schaffung solchen Strukturen ihren Beitrag leisten kann und will, verdient das volle Unterstützung. Das blindwütige Toben von Ortskaisern und Gewerkschaftern gegen die Schließung von Postämtern ist dagegen bloß Rosstäuscherei. Sie werden das Zusperren nicht verhindern können: Die Kunden haben längst mit ihrem Verhalten über das Schicksal der Mini-Postämter abgestimmt. Wichtig ist, dass die Infrastruktur erhalten bleibt: Die Post- und Paketzustellung muss bis ins hinterste Dorf reibungslos funktionieren. Kein Postamt darf geschlossen werden, ehe nicht gleichwertiger Ersatz geschaffen ist, wo Einschreibbriefe aufgegeben und Briefmarken gekauft werden können. Ob dann auf dem Schild "Postamt" oder "Post-Partner" steht, ist nebensächlich

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