Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie sollen einander ergänzen

Kardinal Schönborn bei Podiumsgespräch in Österreichischer Akademie der Wissenschaften - Kitik an "gegenseitigen Grenzüberschreitungen"

Wien, 5.3.09 (KAP) Für eine produktive "Komplementarität von Naturwissenschaft, Theologie und Philosophie" plädierte Kardinal Christoph Schönborn bei einem Podiumsgespräch am Mittwochabend in der "Österreichischen Akademie der Wissenschaften" (ÖAW). Kardinal Schönborn führte das Gespräch mit dem Journalisten Peter Huemer im Anschluss an seinen Vortrag über "Schöpfung und Evolution". Bei dem Podiumsgespräch unterstrich Kardinal Schönborn, dass Theologie und Naturwissenschaften nicht etwa "auf zwei unterschiedlichen Weiden grasen" sollten, sondern einander in ihrem Zugang zum Menschen und zu den Bedingungen des menschlichen Lebens ergänzen.

Zugleich wies Kardinal Schönborn darauf hin, dass ein Zuwachs an naturwissenschaftlicher Erkenntnis nicht etwa den Bereich des Glaubens schmälere, sondern - im Gegenteil - "das Staunen und die Faszination über die Natur nur noch größer werden" lasse. Forschungen zum Genom eröffneten "neue Dimensionen der Zusammengehörigkeit allen Lebens" und machten damit "auch dem Theologen große Freude", so Kardinal Schönborn. Wörtlich sagte der Wiener Erzbischof: "Es hat mich noch keine Wissenschaft in meinem Glauben erschüttert".

Zugleich erneuerte der Kardinal seine Kritik an "gegenseitigen Grenzüberschreitungen". Wo immer die Naturwissenschaften - wie etwa bei Richard Dawkins - den Beweis der Nichtexistenz Gottes anzutreten versuchen, würden sie zur "Weltanschauung und zur Ideologie". Es seien aber auch "Grenzüberschreitungen" von Seiten der Religion abzulehnen. Dies geschehe etwa durch die Vertreter der "Intelligent design"-These, die einen "methodischen Fehler" begehen, wo sie versuchen, mit naturwissenschaftlichen Methoden ein "Design" in der Natur zu entdecken. Die naturwissenschaftliche Methode sei jedoch nur darauf ausgerichtet, "Funktionszusammenhänge" zu erkennen. Die Erkenntnis von "Design" sei hingegen als "philosophische, religiöse oder auch mystische Erfahrung" möglich.

Auf die Frage nach der Vereinbarkeit eines göttlichen Schöpfungsplans mit den innerweltlichen Leidenserfahrungen sagte Kardinal Schönborn, dass sich an diesem Punkt jede Spekulation verbiete. Antwortversuche, die hinter dem Leiden einen vom Menschen bislang nicht durchschaubaren Plan Gottes sehen, seien "grausam", so der Kardinal:
"Ich glaube, es gibt auf diese Frage nur die Antwort, nicht wegzuschauen".

O-Töne des Gesprächs können unter www.katholisch.at/o-toene abgerufen werden. (ende)
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