"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Verkehrte Welt"

Während Tausende ihren Job verlieren, wollen Lehrer gegen mehr Arbeit streiken.

Wien (OTS) - Gestern vermeldete der Vorarlberger Beschläge-Hersteller Grass, dass er 800 seiner 900 Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt (womit diese entsprechend weniger verdienen) und 70 kündigt. Seit Wochen kommen täglich derlei schlechte Nachrichten aus vielen Betrieben quer durch Österreich. Etliche der Geschassten sind in einem Alter, in dem sie schon vor der Wirtschaftskrise keinen Job mehr gefunden hätten.
Die insgesamt 360.000 Arbeitslosen bringen wohl kein Verständnis für jemanden auf, der auf die Straße gehen will, weil er - bei gleichbleibendem Gehalt und im Rahmen der bestehenden 40-Stunden-Woche - zwei Stunden länger in der Klasse stehen soll. Das sollten auch jene Parteien bedenken, die sich mit den Lehrergewerkschaftern solidarisieren - die ÖVP (nicht überraschend) und die Grünen (überraschend).
Dass das Lehrerdasein kein Leichtes ist, ist unbestritten. Die Reaktion auf Claudia Schmieds Plan ist dennoch unangemessen. In allen Berufen sind die Anforderungen in den vergangenen Jahren gestiegen. Jene, die nun kurzarbeiten müssen oder nicht mehr werken dürfen, weil ihre Firma vor der Pleite steht, wären froh, wenn sie die Sorgen der Pädagogen hätten.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
innenpolitik@kurier.at
www.kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0001