"Intoleranz gegen Christen nimmt auch in Musterdemokratien zu"

Menschenrechts-Netzwerk "Christianophobia" äußerte sich zu dem am Mittwoch abgehaltenen "Runden Tisch" der OSZE über "Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen"

Wien, 5.3.09 (KAP) Intoleranz gegenüber Christen nimmt auch in Ländern mit langer demokratischer Tradition zu; die Art und Weise unterscheidet sich allerdings stark "im Westen und im Osten von Wien": Das betonten Teilnehmer des Menschenrechts-Netzwerks "Christianophobia" am Donnerstag in Wien. "Christianophobia" war maßgeblich am "OSZE"-Runden Tisch zum Thema "Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen" beteiligt, der am Mittwoch in der Wiener Hofburg stattfand. Erstmals in ihrer Geschichte hatte sich die "Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" mit dem Thema befasst. Mehr als 60 Vertreter von Staaten, NGOs, Universitäten sowie "Think Tanks" nahmen teil. Als persönlicher Vertreter des OSZE-Vorsitzes nahm Mario Mauro, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, an dem "Runden Tisch" in Wien teil. Mauro betonte, die Medien müssten anstatt Vorurteilen "eine Botschaft des Verständnisses und des Respekts gegenüber Christen" verbreiten. "Politische Ämter" dürften Christen "nicht verwehrt werden". Christen müsse das "Recht auf Verweigerung an der Mitwirkung an unethischen Handlungen aus Gewissensgründen gewährt werden".

"Im Osten" von Wien, insbesondere in Zentralasien, seien Glaubensgemeinschaften oft nicht anerkannt und somit de facto von einem Versammlungsverbot betroffen, so "Christianophobia". "Im Westen" von Wien erlebten Christen einerseits eine Einschränkung in ihren Rechten, andererseits das Schüren von Vorurteilen durch Medien.

Unter den rechtlichen Einschränkungen wurde u.a. der Bereich Gewissensfreiheit genannt (wenn Christen an "unethischen" medizinischen Handlungen wie Abtreibung mitwirken müssen), aber auch der Bereich Meinungsfreiheit, wenn etwa durch sogenannte "Hate Speech Legislation" in einigen europäischen Ländern kritische Stellungnahmen zur Homosexualität oder Abtreibung untersagt werden. Es gehe aber auch um den Bereich Religionsfreiheit, wenn etwa durch arbeitsrechtliche Bestimmungen christlichen Glaubengemeinschaften nicht erlaubt wird, ihrem Leitbild entsprechend zu handeln. Schließlich gehe es um den Bereich Erziehung, wenn Eltern auf Lehrpläne, die ihrem Glauben widersprechen, keinen Einfluss nehmen können oder wenn christliche Kinder in der Türkei zwangsweise am islamischen Religionsunterricht teilnehmen müssen.

Im Bereich "Soziale Ausgrenzung und Marginalisierung von Christen" wurde die Ausgrenzung von Christen aus dem öffentlichen Leben genannt, wenn Christen eine politische Karriere unmöglich gemacht wird (Beispiel ist die Zurückweisung des italienischen Politikers Rocco Buttiglione, der als EU-Kommissar für Justiz und Sicherheit vorgesehen war). Weitere Beispiele seien eine vorurteilsgeprägte Behandlung von Christen durch Medien, Angriffe auf christliche Symbole sowie aggressive Vorgangsweise gegen Christen, die sich öffentlich engagieren.

Die russisch-orthodoxe Delegation beim OSZE-Runden Tisch - unter ihnen der Wiener russisch-orthodoxe Bischof Hilarion (Alfejew) und Erzpriester Wsewolod Tschaplin vom Moskauer Patriarchat - beklagten Schändungen orthodoxer Kirchen in Nordzypern, der Türkei und im Kosovo. Sie sprachen ebenfalls die Herabwürdigung oder Entfernung christlicher Symbole in der Öffentlichkeit an.

Der Leiter des in Warschau angesiedelten OSZE-Menschenrechtsbüros ODIHR, Botschafter Janez Lenarcic, versprach am Ende des "Runden Tisches", das Engagement zum Schutz der Christen auszubauen. Ziel der Veranstaltung war es, konkrete Vorschläge für die Arbeit der OSZE zu entwickeln, um gezielt der wachsenden Intoleranz gegenüber Christen gegenzusteuern. "Ein Vorurteil gegen Christen scheint das letzte sozial akzeptierte Vorurteil in Europa zu sein. Auf unserer Website www.christianophobia.eu dokumentieren wir Fälle, in denen aus einem Vorurteil konkrete Intoleranz wurde. Dass die OSZE die Problematik aufgreift, ist ein erster Schritt Richtung Toleranz gegenüber allen, auch praktizierenden Christen", erklärte Gudrun Kugler, die auch bei der Vorbereitung des "Runden Tisches" mitgewirkt hatte, am Donnerstag. (ende)
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