"Gemeinsame Botschaft" der deutschen Bischöfe zur Lefebvrianerkrise

Krise ist aber auch eine Chance, das Zweite Vatikanische Konzil wieder ins Bewusstsein der Katholiken zu bringen

Hamburg, 5.3.09 (KAP) Nach dem Eklat um die "Pius-Bruderschaft" haben sich die katholischen Bischöfe in Deutschland deutlich von dieser Gruppe distanziert, Kommunikationspannen im Vatikan kritisiert und zugleich den Papst gegen Kritik in Schutz genommen. In einer am Donnerstag nach ihrer Frühjahrsvollversammlung in Hamburg veröffentlichten gemeinsamen Erklärung räumen die Bischöfe ein, dass der Streit um die Priesterbruderschaft zu einer Verunsicherung bei den Gemeinden geführt habe. Sie sehen den Konflikt aber zugleich als Chance, das Zweite Vatikanische Konzil wieder ins Bewusstsein der Katholiken zu bringen und daraus eine neue Dynamik für die Kirche entstehen zu lassen.

Die Bischöfe betonen, dass die "Pius-Bruderschaft" die Beschlüsse des Konzils ohne Abstriche anerkennen müsse. Die Dokumente des Konzils gehörten "unaufgebbar zur katholischen Tradition"; eigens erwähnt werden die Texte über die Religionsfreiheit und die Beziehungen zu den nichtchristlichen Religionen ("Nostra Aetate"), über die Ökumene und die Aussagen zur Kollegialität der Bischöfe in ihrem Verhältnis zum Papst.

In der fünf Punkte umfassenden Erklärung heben die Bischöfe hervor, dass die "Pius-Bruderschaft" sich nicht in Gemeinschaft mit der katholischen Kirche befinde. Es sei Sache der Bruderschaft, die Kirchenspaltung zu überwinden. Derzeit spreche vieles gegen eine Wiederherstellung der Einheit.

Erneut fordern die Bischöfe eine "ernsthafte Distanzierung" des lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson und der gesamten Priesterbruderschaft von antisemitischen Haltungen. Der Papst habe mehrfach unmissverständlich erklärt, dass die katholische Kirche jeden Antisemitismus und Antijudaismus verwerfe. Erfreut zeigen sich die deutschen Bischöfe darüber, dass der katholisch-jüdische Dialog trotz der Irritationen fortgesetzt werden konnte.

Die Mitglieder des deutschen Episkopats erinnern daran, dass die vier lefebvrianischen Bischöfe auch nach der Aufhebung der Exkommunikation keine Messe feiern oder Sakramente spenden dürfen. "In besonderer Weise verstoßen die für dieses Jahr angekündigten Priesterweihen der Lefebvrianer gegen die Ordnung und das Recht der Kirche", heißt es in der Erklärung. An den Vatikan appellieren die Bischöfe, bald zu klären, mit welchen Konsequenzen ein lefebvrianischer Bischof rechnen muss, der die Priesterweihen vornimmt. Zudem werden "rasch Verbesserungen" bei der internen Abstimmung und bei der Kommunikation zwischen dem Vatikan und den Bischofskonferenzen erwartet: "Dies gilt besonders für Konfliktsituationen".

Die Querelen um die "Pius-Brüder" waren ein zentraler Tagesordnungspunkt bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg. Zunächst war auch ein gemeinsamer Brief an die Gemeinden in der Diskussion - eine nur in seltenen Ausnahmefällen gewählte Maßnahme. Umstritten war auch, inwieweit die Bischöfe Kritik an der Arbeitsweise im Vatikan äußern sollten.

Mehrere Bischöfe hatten am Rande der Frühjahrsvollversammlung eingeräumt, dass die Verunsicherung in den Pfarrgemeinden groß sei. Die Bischöfe befänden sich in einer "peinlichen Situation", die schnell beendet werden müsse, sagte beispielsweise der Hamburger Erzbischof Werner Thissen. Der Augsburger Bischof Walter Mixa sagte, dass eine Aussöhnung mit der "Pius-Bruderschaft" Jahre oder Jahrzehnte dauern könnte.(ende)
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