Landwirtschaftskammer: EU muss Milchmarkt-Absturz verhindern

Quotenerhöhung war falsche Entscheidung - Preisverfall war Folge

Wien (OTS) - "Der Milchmarkt ist EU-weit aus den Fugen geraten.
Ein ungewöhnlich deutlicher Absatzrückgang bei Milchprodukten weltweit und eine stärkere Anlieferung als Folge der Quotenerhöhung führten zu einer Situation, die weder die Bauern noch die Molkereiwirtschaft auf Dauer aushalten. Die Europäische Kommission muss hier sofort eingreifen und alle Maßnahmen setzen, die mithelfen, den Milchmarkt zu stabilisieren. Man kann nicht auf eine völlig ungewisse Entspannung im Sommer warten", erklärte heute Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich. "Die Anfang 2008 noch guten Prognosen für den Verbrauch und die gestiegenen Preise waren der Anlass für EU-Kommission und Agrarminister, grünes Licht für mehr Milchproduktion zu geben. Wir haben davor gewarnt und wie der Preisverfall zeigt, war die Erhöhung die falsche Entscheidung", stellte der Präsident fest.

Mengensteuerung bleibt notwendig

"Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Daher verlangt die Landwirtschaftskammer von der EU sofort europaweite Schritte, um einerseits die Milchmengen im Griff zu haben und andererseits den Absatz innerhalb und außerhalb der EU deutlich zu beleben. Die Europäische Kommission hat für 2010 eine Zwischenbewertung und die Vorlage eines Maßnahmenberichts zugesagt. Doch das ist viel zu spät. Jetzt muss gehandelt werden. So gilt es einerseits, die jüngst auf bescheidenem Niveau eingeführten Exporterstattungen und die Intervention entsprechend aufzustocken, um hier unmittelbar Wirkung zu erzielen. Andererseits müssen umgehend ausreichende Finanzmittel für eine umfassende Absatzförderung zur Verfügung gestellt werden. Denn wenn eine Branche mit EU-weit Millionen Betroffenen in eine existenzielle Krise gerät, muss die EU handeln, wie sie es bei anderen Branchen auch getan hat", verlangte Wlodkowski. An den Landwirtschaftsminister und die Bundesregierung richtet er den Appell, "solche Maßnahmen in einer Extremsituation zu unterstützen".

Niedergang der Milchpreise

"Nur solche drastischen Maßnahmen können helfen, den weiteren Niedergang der Milchpreise zu verhindern. Die jüngsten Preissenkungen einiger österreichischer Molkereien ab Anfang März 2009 auf Erzeugerpreise sogar unter 30 Cent/kg Milch (3,7% Fett, 3,4% Eiweiß, netto) folgen zwar nur dem europäischen Trend, doch treffen sie die österreichischen Bauern doppelt. Denn die Gestehungskosten in Österreich sind für qualitativ hochwertigere Milch deutlich höher als im weltweiten Vergleich. Drei Viertel der heimischen Milch werden derzeit gentechnikfrei erzeugt, die Biomilchproduktion konnte Richtung 20% gesteigert werden", erklärte Josef Moosbrugger, Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft der LK Österreich und Präsident der LK Vorarlberg.

"Die derzeit außerordentlich schwierige Situation sieht man auch daran, dass im Handel Heumilch, Almmilch, Ursprungsschutz und kleine bäuerliche Strukturen offenbar immer weniger bedeuten und Billigschienen und Eigenmarken im Vormarsch sind. Drastisch zeigt sich der Preisverfall auf den sogenannten Spotmärkten für täglich gehandelte Milch. Diese erzielte letztes Jahr um diese Zeit noch 50 Cent/kg Milch, zurzeit spricht man von 15 Cent", zeigte Moosbrugger auf.

Milchbauern Opfer der Krise

"In Österreich leben zurzeit rund 40.000 bäuerliche Familien überwiegend von der Milch. Nun sind mehr als 400 Milchbauern in existenzielle Probleme geraten. Sie haben ab April 2009 überhaupt keinen Abnehmer mehr für ihre Milch, weil sie von ihrer Molkerei aufgrund der schlechten Marktlage gekündigt wurden. Hier ist die wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung in Gefahr", warnte Moosbrugger.
(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Landwirtschaftskammer Österreich
Austrian Chamber of Agriculture
Kommunikation
Schauflergasse 6, 1014 Wien
T +43/1/53441-8520, 8523
F +43/1/53441-8519
presse@lk-oe.at
www.lk-oe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIM0001