Seniorenbund zum Internationalen Tag der Frau

Aubauer und Korosec sehen Handlungsbedarf für ältere Frauen

Wien (OTS) - Gemeinsam informieren die Senioren-Abgeordnete der ÖVP, Mag. Gertrude Aubauer und Ingrid Korosec, Landesvorsitzende des Wiener Seniorenbundes, anlässlich des Internationalen Tages der Frau am 8. März über die Lebensrealitäten und die Rolle der älteren Frauen in Österreich. Davon leiten die beiden Expertinnen konkrete Lösungsansätze und Forderungen ab (in Reihenfolge der folgenden Ausführungen):

Beim Einkommen:

  • Bessere Anrechnung der Kindererziehungszeiten auf die Pension
  • Langfristige Abschaffung des Senioritätsprinzips bei den Einkommen und gerechte monetäre Bewertung der so genannten "soft skills"
  • Abschaffung der Ruhensbestimmungen bei vorzeitigen Alterspensionen

Für pflegende Angehörige:

  • Ausweitung der Pflegekarenz
  • Verbesserung der Pensionsversicherung für pflegende Angehörige
  • Massive Unterstützung pflegender Angehöriger (Sozialversicherungsrechtliche Absicherung, Urlaub von der Pflege, Beratung, Schulung)
  • Flächendeckende Sicherstellung einer leistbaren und flexiblen Ersatzpflege

Bei Pflege:

  • Automatische jährliche Valorisierung der Pflegegelder
  • Raschere und unkomplizierte Abwicklung der Pflegegeldanträge (Zusammenlegung mit Anträgen zur Förderung der 24-Stunden-Betreuung an einer Stelle)
  • Pflege zum Teil des Gesundheitssystems machen

Weiters:

  • Massive Unterstützung von Leistungen in Freiwilligenarbeit und Ehrenamt
  • Ausbau des Konsumentenschutzes
  • Rasche Umsetzung der im Regierungsprogramm vorgesehenen Punkte bei Pensionen und Pflege Zu den Details:

Das geringe Einkommen

Resultierend aus Teilzeitbeschäftigung und auch aufgrund der durch Kindererziehung kürzeren Pensionsversicherungszeiten ist die Situation der Pensionistinnen ähnlich unbefriedigend wie jene der jüngeren Frauen: ihre Einkommen sind markant geringer als jene der Männer. So waren 2007 61,3 Prozent der Pensions-Bezieher Frauen, die Durchschnittspension der Frauen lag jedoch bei nur 777,- Euro (Männer: 1.316,- Euro). Dabei sind besonders viele Frauen Ausgleichszulagenbezieherinnen.

"Bei den Pensionsverhandlungen ist es uns nun vier Mal in Folge gelungen, die Ausgleichszulagen überdurchschnittlich zu erhöhen, was vorwiegend Frauen zugute gekommen ist", erklärt Seniorenbund-Abgeordnete Aubauer zu den Erfolgen. "Dennoch ist die Einkommenssituation noch lange nicht zufriedenstellend".

Als erster Lösungsansatz soll die Anrechnung der Kindererziehungszeiten auf die Pension weiter verbessert werden. "Das ist im Regierungsprogramm vorgesehen und soll nun so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dafür werde ich im Nationalrat kämpfen", so Aubauer weiter.

"Außerdem sollte langfristig das Senioritätsprinzip abgeschafft werden. Das heißt höhere und für Männer und Frauen gleiche Einstiegsgehälter; danach leistungsbezogene Anstiege", ergänzt die Wiener Senioren-Chefin Ingrid Korosec. "Bei dieser Leistungsbeurteilung müssen dann endlich auch die viel zitierten "soft skills" wirklich angerechnet werden. Eine Frau, die schon Kinder erzogen und eine Familie gemanagt hat, ist ja an Organisationstalent, Teamfähigkeit und Führungserfahrung kaum zu übertreffen", so Korosec weiter.

Besonders beeindruckt zeigten sich beide Frauen vom regen Interesse am Thema "Erwerbsleben im Alter", das beim letzten Österreichischen Seniorenkongress festgestellt wurde. Arbeitskreisleiterin Korosec hält dazu fest: "Ältere Frauen wollen auch im Alter ‘gebraucht werden’. Hinderliche Regelungen wie die so genannten Ruhensbestimmungen müssen daher dringend beseitigt werden."

Viele Frauen verzichten im Zuge einer Scheidung auf den Ehegattenunterhalt, nur "damit das ganze schneller vorüber ist". Was viele jedoch nicht wissen: das kann sich in der Pension rächen. Bezieht eine Frau nämlich eine Pension unter der Ausgleichszulage (2009: 772,40 Euro), so wird ein "fiktiver Ehegattenunterhalt" hinzugerechnet. Erst, wenn der so errechnete Betrag noch immer unter 772,40 Euro liegt, wird eine Ausgleichszulage auf genau diesen Betrag gewährt. "Das stürzt viele Frauen mit Pensionsantritt in die Armut. Da fehlt es an Information - wer denkt schon bei seiner Scheidung an die Pension! Und es muss überhaupt eine Lösung für diese Situation gefunden werden", beschreiben beide Frauen einen immer häufiger auftretenden Sonderfall.

Pflege ist weiblich

Frauen leisten nicht nur in jungen Jahren den Großteil der Familienarbeit. Es bleibt auch in späteren Jahren dabei. Während das Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" mittlerweile zumindest auf jeder Agenda steht, wird das Thema "Vereinbarkeit von Pflege und Beruf" nur selten aktiv aufgegriffen. Dies betrifft vor allem ältere Arbeitnehmerinnen, meist in den Jahren kurz vor der Pensionierung. Immerhin werden in Österreich nach wie vor knapp 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen von Angehörigen betreut - natürlich vorwiegend von Frauen (79 %, im Schnitt 58 Jahre alt).

"Die Pflegekarenz ist ein Anfang, aber noch lange nicht ausreichend ausgebaut. Hier wird es in den kommenden Jahren eine Lösung geben müssen, wenn wir wollen, dass Angehörige weiterhin bereit sind, Pflege zu leisten", erklärt Korosec weiter. "Wenn die Pensionsversicherung für pflegende Angehörige noch im Jahr 2009 ausgebaut wird, ist dies ein wichtiger nächster Schritt. Es müssen aber auch Beratungsangebote wohnortnahe ausgebaut und vor allem die Angebote zum Urlaub von der Pflege nicht nur besser bekannt gemacht, sondern ebenfalls ausgeweitet werden", weist die Wiener Abgeordnete auf die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen hin. Weiters sollen Ausbildungsangebote und Pflege-Netzwerke weiter ausgebaut werden und muss unbedingt für adäquate flächendeckende Ersatzpflege gesorgt werden.

Frauen stellen jedoch nicht nur den Großteil der Pflegenden, sie sind auch bei den Pflegegeldbezieherinnen aufgrund der längeren Lebenserwartung klar in der Mehrheit (68 %). "Jede Maßnahme die uns in den kommenden Jahren an unser großes Ziel "Pflege als Teil des Gesundheitssystems" heranführt ist daher eine weitere Unterstützung für ältere Frauen. Es muss uns gelingen, Hilfe aus einer Hand zu gewähren, ohne Vorbedingungen wie Wohnort, Familienstand oder Vermögen zu bewerten", beschreibt Korosec das große Ziel des Seniorenbundes.

"Eine automatische jährliche Valorisierung der Pflegegelder, eine raschere und unkomplizierte Abwicklung der Pflegegeldanträge, sowie umfassende Beratung vor Ort sind auf diesem Weg die dringend nötigen ersten Schritte", erklärt Aubauer zu ihren ersten Pflege-Zielen für diese Legislaturperiode. "Zusätzlich müssen auch die bereits im Regierungsprogramm vorgesehenen Punkte, wie der Ausbau der Qualitätssicherung rasch vorangetrieben werden."

Unbezahlbare Leistungen älterer Frauen

Die meisten älteren Frauen leben ein Leben fernab der alt hergebrachten Klischees: Sie sind wichtige Stütze ihrer Familien. Sie sind Großmütter, die ihre Enkelkinder liebevoll und mit großem Zeitaufwand betreuen. Sie sind Töchter und Ehefrauen, die Angehörige pflegen. Sie sind ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in Vereinen und anderen Organisationen (41 % der Frauen), ohne die ein großer Teil unseres reichen gesellschaftlichen Lebens in Österreich gar nicht möglich wäre.

"Freiwilligenarbeit und Ehrenamt müssen stärker unterstützt und wertgeschätzt werden. Es braucht finanzielle Unterstützung der Organisationen, rechtliche Absicherung und Versicherungsmöglichkeiten, damit uns dieser gesellschaftliche Reichtum noch lange erhalten bleibt" fordert Korosec zur aktiven Unterstützung der Freiwilligen auf.

Die ältere Konsumentin

Eine aktuelle Studie der Wirtschaftskammer Österreich bestätigt:
Wer hinkünftig auf die Zielgruppe der Älteren vergisst, wird es schwer haben, sich wirtschaftlich durchzusetzen. Und es sind Frauen, die Konsumentscheidungen im täglichen Leben treffen. Das bleibt auch im Alter so. Dabei sind vor allem reifere Konsumentinnen besonders Service- und Qualitätsorientiert und erwarten ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis.

"Der Konsumentenschutz ist mir ein ganz besonderes Anliegen", erklärt Senioren-Abgeordnete Aubauer, die auch im entsprechenden parlamentarischen Ausschuss vertreten ist, dazu. Nach einer äußerst erfolgreichen Initiative zur lesbaren Kennzeichnung von Produkten hat sie sich auch für diese Legislaturperiode einiges vorgenommen.

"Ich verlange von der Wirtschaft Sonderangebote für Single-Packungen, denn den oft allein lebenden älteren Frauen helfen ihre Großpackungs-Angebote nicht. Auch sollte die Wirtschaft dringend überlegen, wie sinnvoll Dinge wie "Einzelzimmerzuschläge" angesichts des regen Zulaufs älterer Frauen zu den Seniorenreisen heute noch sind", beschreibt Aubauer zwei aktuelle Punkte.

Noch viel zu tun

Im Jahr 1911 wurde der erste Internationale Tag der Frau gefeiert. Beide Senioren-Politikerinnen bedauern, "dass es fast 100 Jahre später noch immer Ungleichbehandlung und so viele offene Punkte in den Agenden der Frauenpolitik gibt" - auch für ältere Frauen.

Im Österreichischen Seniorenbund werden laufend Konzepte zur Verbesserung der Situation älterer Frauen erarbeitet. Frauen stellen nicht nur insgesamt bei den über 60jährigen ebenso wie bei den über 80jährigen die Mehrheit, sie sind auch im Seniorenbund immer stärker in aktiven Funktionen vertreten.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Seniorenbund
Susanne Kofler
0650-581-78-82
skofler@seniorenbund.at

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