"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Zum Glück gibt es das Kreuzerl" (Von Wolfgang SABLATNIG)

Ausgabe vom 3. März 2009

Innsbruck (OTS) - Obwohl wir um die Grenzen genau Bescheid wissen, gieren wir vor
jeder Wahl nach den Umfragen.
Das Dilemma ist groß. Jeder will schon vor einer Wahl wissen, wie die Wahl ausgehen wird. Die Meinungsforscher bieten sich da an, Umfrageergebnisse werden verglichen und ausgetauscht, die Ergebnisse von Studien wie Geheimwissen nur hinter vorgehaltener Hand weitergegeben.
Dann kommt der Wahltag - und der Katzenjammer ist groß. So wie am Sonntag, als in Kärnten aus dem prognostizierten Kopf-an-Kopf-Rennen ein Kantersieg des BZÖ wurde. Gewinne für das BZÖ ohne Haider, und noch dazu in diesem Ausmaß? Konnte sich keiner vorstellen. Also haben die Meinungsforscher ihre Umfrageergebnisse ihren Erfahrungen gemäß angepasst.
Das ist so üblich. Früher wurde etwa die FPÖ in der Sonntagsfrage immer höher bewertet, als es die nackten Zahlen der Telefonumfragen aussagen würden - so wurde die so genannte niedrige Deklarationsbereitschaft der blauen Wähler abgefangen. Oft fuhren die Meinungsforscher damit nicht schlecht.
Dieses Mal fuhren die Meinungsforscher aber schlecht, sehr schlecht. Vor der EU-Wahl am 7. Juni werden wir dennoch wieder nach ihren Ergebnissen gieren. Wir, das sind die Politiker, ihre Mitarbeiter, die Journalisten, auch Sie als Leserin und Leser, hoffen wir zumindest. Vielleicht machen wir uns aber wieder mehr bewusst, dass wir von den 400 oder 500 Telefoninterviews keine Punktlandung erwarten können, sondern bestenfalls Trends.
Und seien wir froh, dass wir nicht nach dem Ergebnis der Meinungsforscher regiert werden, sondern nach dem echter Wahlen -ohne "Hochschätzung", aber mit echten Kreuzerln auf echtem Papier.

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