"Kleine Zeitung" Kommentar: "Danke, Jörg! Kärnten bekannte sich zum Nachlass eines Toten" (von Reinhold Dottolo)

Ausgabe vom 2.3.2009

Graz (OTS) - Vergiss mein nicht!" stand auf den Säckchen mit Blumensamen, die das BZÖ in Anspielung auf seinen tödlich verunglückten Parteichef Jörg Haider noch kurz vor der Wahl in Kärnten verteilen ließ. In Fortsetzung der Strategie, den charismatischen Landeshauptmann den Menschen - wo immer möglich - in Erinnerung zu halten. Auf Plakaten ("Wir passen auf dein Kärnten auf!") ebenso wie auf dem Wahlzettel, auf dem sich das BZÖ als "Liste Jörg Haider" anbot. Was immer man darüber denken mag - die Stoßrichtung war wirksam. Haiders Erben können sich bei ihrem Idol bedanken. Der beeindruckende Wahlerfolg, den sie gestern erzielten, ist schwerpunktmäßig sicher nicht auf Akzente zurückzuführen, die sie in der kurzen Zeit nach Jörg Haiders Ableben politisch gesetzt haben. Der "Haider-Faktor", den einzuschätzen sich die Meinungsforscher schwer taten, schlug für die gut organisierte orange Truppe in unerwartetem Ausmaß zu Buche. Das Ergebnis war eine, die Parteigrenzen weiter aufweichende, Reverenz an einen Ausnahmepolitiker. Einen, der zwar höchst umstritten war, aber viele davon überzeugte, für sein Land zu "brennen" und nicht für die Eliten, sondern für das breite Volk da zu sein. Etwas, dass auch BZÖ-Spitzenkandidat Gerhard Dörfler in Ansätzen verkörpert.
Dies war ein wesentlicher Teil des Nachlasses Haiders. Dieser traf die SPÖ in Kärnten in Mark und Bein. Die ÖVP, die sich bei der letzten Landtagswahl mit der Ansage, Jörg Haider nicht zum Landeshauptmann zu wählen, selbst beschädigt hatte, gewann die Hälfte der bürgerlichen Haider-Wähler, die mit dessen Nachfolgern wenig anfangen konnten, wieder zurück. Ein schöner Erfolg, wenn auch von niederer Basis aus. Die Sozialdemokraten aber, die nicht nur bei den Landtags- sondern auch bei den Gemeindewahlen in wichtigen Städten wie Villach herbe Einbußen erlitten, müssen sich nach diesem Waterloo schleunigst die Frage stellen, warum sich Kernschichten von ihnen verabschieden.
Kärnten wählte wieder anders. Das durfte auch Heinz-Christian Strache erkennen, der sich ebenfalls als Haider-Erbe anbot, sich aber mit der FPÖ eine kräftige Watsch'n holte. Die mögliche Vereinigung des "dritten Lagers" in Österreich wird nun von einem sehr selbstbewussten Kärntner BZÖ mitbestimmt werden. Auf eines sollten sich Haiders Nachfolger aber schon jetzt einstellen: Bei den nächsten Landtagswahlen, planmäßig 2014, wird ihnen ihr gestriger Wahlhelfer wohl nicht mehr zur Seite stehen.****

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