"Kleine Zeitung" Kommentar: "In der Krise nimmt es die Regierung mit den Lehrern auf" (von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 26.02.2009

Graz (OTS) - Diese Regierung ist noch nicht einmal 100 Tage im Amt und schon wird es spannend: Ist das Match gegen die Lehrer zu gewinnen?

Deren sichtbare Arbeitszeit - die Präsenz in den Klassen - soll sich um zwei Stunden pro Woche erhöhen. Anlass sind die Budgetnöte in Zeiten der Krise, doch vorbereitende Überlegungen gibt es seit langem: Die Zahl der Unterrichtsstunden liegt unter dem OECD-Schnitt. Das Gehalt sämtlicher Lehrer liegt am Beginn unter dem OECD-Schnitt, am Ende der Berufslaufbahn jedoch deutlich darüber. Verschiedenste Studien, zuletzt eine des Instituts für Höhere Studien (IHS), haben festgehalten, dass strukturelle Maßnahmen überfällig sind.

Mit Beamten im Allgemeinen und den Lehrern im Besonderen legt man sich aufgrund der Stärke dieser (Wähler-)Gruppe ungern an. In Deutschland ist es mit dieser Zurückhaltung schon länger vorbei. In Hessen wurde 2003 die Arbeitszeit erhöht, gleichzeitig das Weihnachtsgeld gesenkt und das Urlaubsgeld für höhere Besoldungsgruppen gestrichen.

Warum hat Ministerin Schmied nicht das Gespräch mit den Personalvertretern gesucht, bevor sie den Schritt in die Öffentlichkeit wagte? Die Antwort liegt auf der Hand: Die sind sowieso dagegen. Ausschlaggebend ist, wie der Koalitionspartner reagiert. ÖVP-Chef und Finanzminister Josef Pröll ging gestern elegant in Deckung: Wie die Kollegen mit seinem Auftrag, zu sparen, umgingen, liege in der Verantwortung der Ressorts. In Bezug auf das Verhalten im Ministerrat scheint es die Abmachung zu geben, dass man einander nicht blockiert. Die Frage ist, ob diese Abmachung hält.

Ist die Erhöhung der Unterrichtszeit den Lehrern zumutbar? Ja. Denn die Gesamtarbeitszeit bleibt mit 40 Stunden gleich, die Ferienordnung (ca. zwei Monate Urlaub mehr als andere Arbeitnehmer) wird nicht angetastet und viele Lehrer sind nach wie vor durch Unkündbarkeit vor den Fährnissen der Wirtschaftskrise gefeit.

Bildung, Wissenschaft und Innenministerium sind die einzigen Ressorts, deren Budgets auch in Zeiten der Krise noch leicht steigen. Schmied ist finster entschlossen, mit diesen Ressourcen Neues zu schaffen statt Altes zu bewahren: Die Klassen weiter zu verkleinern, die Sprachförderung auszubauen, Tagesbetreuung und Neue Mittelschule auszuweiten.

Die Lehrer sollen mehr Zeit im Klassenzimmer verbringen. Dort sollen sie Neues umsetzen, noch mehr Neues einfordern und daraus ihre Motivation beziehen - und im eigenen Interesse nicht ihr Engagement dem Widerstand gegen Veränderung opfern.****

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