"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Mehrarbeit führt nicht ans Ziel" (Von FLOO WEISSMANN)

Ausgabe vom 26. Februar 2009

Wien (OTS) - Schadenfreude ist nicht angebracht. Selbst wenn es
für Nicht-Lehrer verlockend ist, sich über zwei Wochenstunden mehr Unterricht bei gleichbleibendem Lohn zu freuen: Eine engagierte Lehrperson kommt durchaus auf ein Stundenpensum wie andere Arbeitnehmer auch - durch Vorbereitung, Korrekturen und Verpflichtungen abseits der Wissensvermittlung. Zwei zusätzliche Unterrichtsstunden können daher auch vier Arbeitsstunden mehr bedeuten.

Mitleid ist ebenso wenig nötig. Abgesehen von dreieinhalb Monaten schulfreier Zeit, spricht der OECD-Bildungsbericht eine deutliche Sprache: Österreichs Lehrerinnen und Lehrer unterrichten im EU-Vergleich weniger Stunden, liegen aber - zumindest - beim Höchstgehalt über dem Schnitt ihrer europäischen Kollegen. Dieser Bericht dient nun Bildungsministerin Claudia Schmied als Argument, um ihrem Einsparungs-Soll näher zu kommen. Das ist legitim.

Ebenso legitim ist es, dass sich die Gewerkschaften wehren. Und doch werden sie an ihrer Argumentation feilen müssen. Die Kritik, von der Maßnahme aus den Medien erfahren zu haben, ist verfehlt. Sie wussten längst von den Plänen, die TT berichtete darüber. Zum anderen warnen sie seit drei Monaten vor dem kommenden Lehrermangel und empören sich jetzt über die Arbeitsplatzvernichtung.

Die zwei Unterrichtsstunden durchzusetzen bzw. zu verhindern, wird jedenfalls dem Ministerium und den Gewerkschaftern viel von der Zeit rauben, die nötig wäre, um den Lehrerberuf generell neu zu organisieren. Das ist einer der Bausteine, der für ein zukunftstaugliches Bildungssystem unerlässlich ist.

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