Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Beiträge für harte Zeiten"

Ausgabe vom 26. Februar 2009

Wien (OTS) - "Harte Zeiten erfordern von jedem einen Beitrag."
Unter diesem Motto hat die Unterrichtsministerin über Nacht einen den härtesten Kämpfe eröffnet, der in der österreichischen Politik vorstellbar ist: Alle Lehrer sollen zwei Stunden pro Woche länger in einer Klasse stehen. Man fühlt sich sofort an die (schädlichen) Stundenkürzungen und an die (richtige) Einführung von Studienbeiträgen durch ihre Vorgängerin erinnert. Auch diese wurzelten nicht etwa in lange verhandelten Regierungs- (oder gar Partei-)Programmen, sondern in akuter Budgetnot. Und auch Claudia Schmieds politisches Schicksal könnte an einer einzigen Maßnahme, nämlich dem Länger-Arbeiten-Befehl, zerschellen.

Dabei hat sie mit vielen Argumenten - etwa dem internationalen Vergleich der Lehrerarbeitszeit - recht. Sie hat aber eine absolute Schwachstelle: Denn sie selbst vergeudet viel Steuergeld, nur um dem mehr als umstrittenen Ideologieprojekt Gesamtschule zu einem (Schein-)Erfolg zu verhelfen, indem sie Hauptschulen mit Geld zur Teilnahme motiviert. Solange sie an diesem Fetisch festhält, wird es ihr sehr, sehr schwerfallen, die übrigen Lehrer zum Mehrarbeiten zu zwingen.

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Dass harte Zeiten Beiträge fordern, begreift man bei der AUA um Jahre zu spät: In 14 Tagen soll es nun das (zweifellos bittere) Sparpaket geben. Einige Jahre früher hätte ein solches die AUA vielleicht noch retten können. Aber damals haben die Wirtschafts-"Experten" Leitl/Verzetnitsch dem unwilligen Betriebsrat den Rücken gestärkt...

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Auch die Telekom wollte aus den harten Zeiten Konsequenzen ziehen und Ärzte gezielt den nicht umschulungswilligen Beamten zur Kontrolle ins Haus schicken, wenn sich diese krankmelden und eine Vertragsauflösung per "Golden Handshake" ablehnen. Solche Kontrollen sind zwar durchaus legal, werden aber in Österreich von manchen für Mobbing gehalten.

Etwa vom ORF, der das zur Spitzenmeldung der ZiB machte. Dort hat man sich jedoch (aus Ideologie oder Eigeninteresse?) noch nie über die Ungleichheit beschwert, dass sich in diesem Land manche, wie die angeblich Gemobbten, lebenslang auf einem garantierten Arbeitsplatz ausruhen können. Während hunderttausend andere derzeit vor jedem Kündigungstermin zittern müssen.

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