Chiles Parlamentspräsident im Gespräch mit Abgeordneten Encina: Chile will Studentenaustausch mit Österreich intensivieren

Wien (PK) - Der Präsident der chilenischen Abgeordnetenkammer Francisco Encina Moriamez setzte seine Gespräche im Hohen Haus mit den Mitgliedern des Außenpolitischen Ausschusses fort. An einer von Ausschussobmann Josef Cap geleiteten Unterredung nahmen die Abgeordneten Franz Glaser (V), Christine Muttonen (S)und Ewald Stadler (B) teil.

Ausschussobmann Cap erinnerte in seinen Begrüßungsworten an die große Anteilnahme, die Österreich an den Ereignissen in Chile seit dem Militärputsch des Jahres 1973 genommen hat und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass Chile, wie viele andere lateinamerikanische Staaten, auf den Weg der Demokratie zurückgekehrt sei. Präsident Encina unterstrich die guten Beziehungen zwischen Österreich und Chile und betonte die Bedeutung des Dialogs zwischen den Parlamentariern; dieser Ideenaustausch sollte vertieft werden, weil Österreich und Chile teilweise gemeinsame Probleme haben, auch wenn man die Unterschiede, die zwischen einem Entwicklungsland und einem entwickelten Industrieland bestünden, nicht übersehen sollte.

Gegenüber Abgeordnetem Franz Glaser (V), der Chile nicht als Entwicklungsland sah, präzisierte Encina, sein Land habe in den letzten Jahren ökonomische Fortschritte erzielt, seine Kooperation mit anderen lateinamerikanischen Ländern ausgebaut und den Fertigwarenanteil am Export gegenüber der bloßen Rohstoffausfuhr gesteigert. "Wir sind auf einem guten Weg, aber in sozialer Hinsicht noch kein ausgeglichenes Land." Chile habe Fortschritte beim Kampf gegen die Armut erzielt, leide aber nach wie vor unter einer schlechten Einkommensverteilung und auch das Sozialsystem sei noch verbesserungsbedürftig.

Chile habe weit zurückreichende demokratische Traditionen, berichtetet Encina, die ungerechte Verfassung Pinochets mit einem problematischen Wahlsystem sei aber immer noch in Kraft. Kleine Parteien mit weniger als 15 % der Stimmen seien nicht im Parlament vertreten, wodurch das Interesse der Menschen, vor allem auch der jungen Leute, an Wahlen zu gering sei. "Wir brauchen dringend ein neues Wahlsystem", zeigte sich Encina überzeugt.

Abgeordneter Christine Muttonen (S) sagte der chilenische Parlamentspräsident auf eine diesbezügliche Frage, er sei interessiert an einer Intensivierung des Kulturaustauschs mit Österreich und sprach auch den Wunsch aus, dass chilenische Studenten häufiger als bisher an österreichischen Universitäten studieren sollten, vor allem in Spezialfächern wie Geologie und nachhaltiger Energiewirtschaft.

Von Abgeordnetem Josef Cap (S) auf die Bemühungen einer stärkeren politischen und wirtschaftlichen Integration Lateinamerikas angesprochen, machte der chilenische Parlamentspräsident auf die großen Unterschiede aufmerksam, die zwischen den lateinamerikanischen Ländern ungeachtet der gemeinsamen Sprache und Kultur bestünden. Während Chile etwa auf den Freihandel setze, bestünden in anderen Ländern Lateinamerikas Zollschranken. Er sehe eher die Chance für eine politische Union Lateinamerikas als für eine wirtschaftliche Union. Die bereits erreichten Fortschritte bei der Integration Lateinamerikas seien aber unübersehbar, sagte der Präsident der chilenischen Abgeordnetenkammer Francisco Encina Moriamez. (Fortsetzung)

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