Benediktiner-Abtprimas: Papst will Konzil nicht rückgängig machen

P. Wolf verweist darauf, dass die Annahme der Rücktrittsbitte Gerhard Maria Wagners beweise, dass Benedikt XVI. nicht "unflexibel" ist

München, 24.2.09 (KAP) Der Abt-Primas der Benediktiner, P. Notker Wolf, ist Befürchtungen entgegengetreten, Papst Benedikt XVI. wolle das Zweite Vatikanische Konzil aushöhlen. Schließlich sei Joseph Ratzinger damals ein entscheidender Berater gewesen, betonte Wolf in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Das Anliegen des Papstes bestehe vielmehr darin, dieses Konzil nicht als Bruch mit der Traditionsgeschichte des Glaubens darzustellen, sondern es in diese Tradition stärker zu integrieren.

Wolf räumte aber ein, dass die Sorge um den Kurs des Papstes genährt worden sei, weil die Rücknahme der Exkommunikation der vier lefebvrianischen Bischöfe zeitlich eng mit der Ernennung von Gerhard Wagner zum Weihbischof von Linz zusammenfiel. Es habe ausgesehen, als wolle man von oben eine "Reform" der österreichischen Kirche einleiten - und das nach all den Vorkommnissen unter Kardinal Hans Hermann Groer und Bischof Kurt Krenn.

Nach den Worten Wolfs hat sich durch den Rückzug Wagners gezeigt, dass Benedikt XVI. nicht "unflexibel" sei. Dies habe der Papst auch bewiesen, als er den Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog wieder eingesetzt habe.

Als "reines Wunschdenken" bewertet der Benediktiner-Abtprimas die Interpretation einiger Kurienfunktionäre, der Papst würde selber eigentlich die vorkonziliare Liturgie bevorzugen. Dafür gebe es nicht den geringsten Anhaltspunkt. Wenn dem Papst aber Missbräuche zu Ohren kämen, werde er sich natürlich sorgen, ob die durch das Konzil angestoßene liturgische Erneuerung ihr Ziel erreicht habe.

In Bezug auf die Diskussion um die Lefebvrianer erinnerte Wolf daran, dass die Rücknahme der Exkommunikation noch keine volle Einheit dieser Bischöfe und ihrer Gläubigen mit der Kirche Roms bedeute; "bis dahin ist noch ein weiter Weg". Gleichwohl sei festzuhalten, dass der Papst die pastorale Sorge um die Einheit der Kirche habe, auch wenn dies in Deutschland weniger verstanden werde. Dazu gehöre auch sein Bemühen um die Überwindung des bestehenden Schismas mit den "Lefebvrianern". (ende)
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