Gedenkveranstaltung für Hildegard Burjan im Parlament

Die Sozialreformerin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" war 1919 eine der ersten acht weiblichen Abgeordneten in der Nationalversammlung - Seligsprechung noch 2009 möglich

Wien, 23.2.09 (KAP) Mit einer Veranstaltung im Parlament in Wien wird am 10. März der Sozialreformerin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", Hildegard Burjan, gedacht. Hildegard Burjan war 1919 eine der ersten acht Frauen in der Nationalversammlung der Ersten Republik. Bei den Nationalratswahlen 1919 hatten die Frauen erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben können, Hildegard Burjan wurde für die Christlichsozialen gewählt. Sie wirkte beim Aufbau des österreichischen Sozialstaates entscheidend mit. Viele soziale Rechte für Frauen und Kinder, die heute selbstverständlich sind, gehen auf ihre Initiative zurück. Zu ihren wichtigsten politischen Forderungen zählte schon damals "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Mit der Seligsprechung Hildegard Burjans wird noch heuer gerechnet.

Zur Gedenkveranstaltung "Das Gewissen des Parlaments: Hildegard Burjan - Sozialreformerin und Kämpferin für Frauenrechte" laden der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer und ÖVP-Klubobmann Karl-Heinz Kopf ein. Die frühere Frauenministerin und jetzige ÖVP-Frauenchefin Maria Rauch-Kallat wird über "Hildegard Burjan als frauenpolitische Vorkämpferin" sprechen, die ehemalige Wiener Landtagspräsidentin Maria Hampel-Fuchs zum Thema "Hildegard Burjan als Vorbild und Visionärin". Die Oberin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", Sr. Maria Judith Tappeiner CS, beleuchtet "Das Vermächtnis von Hildegard Burjan". "Furche"-Chefredakteur Claus Reitan präsentiert im Gespräch mit der Publizistin Prof. Ingeborg Schödl die dritte und aktualisierte Auflage der Hildegard-Burjan-Biographie Schödls, die unter dem Titel "Frau zwischen Politik und Kirche" im Wiener "Dom"-Verlag erschienen ist.

"Wäre zeitgemäße Selige"

Schödl zeigte sich im Gespräch mit "Kathpress" zuversichtlich, dass der seit 1963 laufende Seligsprechungsprozess für Hildegard Burjan noch heuer abgeschlossen wird. Die Publizistin ist als Vizepostulatorin in dem Verfahren aktiv. Für den positiven Abschluss des Verfahrens fehlen einzig die endgültige Zustimmung des Kardinalskollegiums und die Unterzeichung des Seligsprechungsdekrets durch Papst Benedikt XVI.

Schödl: "Es wäre ein schöner Akt, wenn die Seligsprechung 2009 sein würde, weil Hildegard Burjan am 4. Oktober vor genau 90 Jahren die 'Caritas Socialis' gegründet hat". Burjan wäre "eine zeitgemäße Selige" sein, mit der sich besonders viele Frauen identifizieren könnten. "Auch Hildegard Burjan hat die Probleme gehabt, die Frauen heute kennen. Sie musste Familie, Beruf, politisches Engagement und Einsatz für den Nächsten unter einen Hut bringen und hat das aus ihrem tiefsten Glauben heraus getan".

Hildegard Burjan (1883-1933) entstammte einer jüdisch-liberalen Familie aus Görlitz. Sie studierte in Zürich Literatur und Philosophie, dann in Berlin Sozialwissenschaft. 1907 heiratete sie den österreichisch-ungarischen Industriellen Alexander Burjan. 1909 konvertierte sie nach der Heilung von schwerer Krankheit zur katholischen Kirche. Sie übersiedelte nach Wien und brachte dort ihre einzige Tochter zur Welt, obwohl ihr die Ärzte dringend zu einer Abtreibung geraten hatten.

In Wien setzte sie sich intensiv für Frauen ein. 1912 gründete sie den "Verband der christlichen Heimarbeiterinnen", 1918 den Verein "Soziale Hilfe" und am 4. Oktober 1919 die religiöse Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" (CS).

Sie war 1918 für die Christlichsoziale Partei aktiv im Wiener Gemeinderat und wurde eine wichtige Persönlichkeit in Politik und Kirche. 1919 zog sie als erste christlichsoziale Abgeordnete der Ersten Republik in den Nationalrat ein. Auf Grund der antisemitischen Strömungen in ihrer Partei zog sie sich aber bald wieder aus dem Parlament zurück. Sie blieb aber weiter politisch aktiv und zählte zum engsten Beraterkreis des Bundeskanzlers Prälat Ignaz Seipel. Nach dem Tod von Prälat Seipel im Jahr 1932 initiierte sie den Bau der Christkönigskirche in Wien 15 als Gedächtniskirche für Seipel. (ende)
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