"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Galtür schärfte Bewusstsein"

Das Schicksal war öffentlich, die Aufarbeitung geschah still und leise..(Von PETER NINDLER) - Ausgabe vom 23. Februar 2009

Innsbruck (OTS) - Die Lawinenkatastrophe von Galtür und Valzur hat Narben hinterlassen. Mit 38 Todesopfern offenbarte die Natur vor zehn Jahren ihre tödliche Kraft, die Beziehung von Mensch und Natur geriet aus dem Lot. Plötzlich mussten sich die Tiroler damit auseinandersetzen, dass der jahrzehntelange und vom touristischen Erschließungszwang getriebene Glaube an die Unverwundbarkeit jäh erschüttert wurde. Naturgewalten und -gefahren sind auch Jahre nach Galtür nur begrenzt beherrschbar, wie das Hochwasser von 2005 gezeigt hatte.
Doch in Galtür sind weder die Uhren stehen geblieben noch ist die Sonne vom Himmel gefallen. So öffentlich die Katastrophe, der mediale Hype und das Schicksal von Dutzenden Familien damals waren, so still und leise passierten das Gedenken, Nachdenken und Bewältigen. Die Paznauer Gemeinde ging ihren Weg, kehrte sich nicht nach außen, sondern bewusst nach innen.

Der Galtürer Advent mit Klaus Maria Brandauer symbolisierte die deutliche Distanz zum schrillen Saisonstart in anderen Wintersportorten. Natürlich wurden auch Millionen in die Lawinenverbauung investiert, doch kein Euro konnte die Ereignisse vom 23. und 24. Februar 1999 vergessen machen. Der 345 Meter lange Steinwall mit dem Alpinarium ist Schutz und Aufarbeitung zugleich. Das Lawinenunglück bleibt stets präsent, doch das Dorf versuchte, damit umzugehen, es zu verarbeiten und trotz aller Narben damit zu leben.

Galtür bedeutete auch eine Zäsur in Tirol. Von Gefahrenzonenplänen bis zu den Lawinenkommissionen bildete sich ein neues Bewusstsein für Natur und Gefahr. Und dafür benötigt es immer wieder eine Auffrischung - vor allem zehn Jahre danach.

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