Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Stafetten-Übergabe"

Ausgabe vim 21. Februar 2009

Wien (OTS) - In grauen Zeiten wie diesen freut man sich über jeden Lichtblick, selbst wenn er aus dem winterlich finsteren Norden kommt:
Die schwedische Regierung sagt mutig Nein zur verlangten Rettung von Saab durch Steuermittel, weshalb es nun ein Insolvenzverfahren gibt. Gewiss muss man diesem Nein dick unterstrichen das Wort "vorerst" hinzufügen. Denn auch im kühl kalkulierenden Schweden können Politiker umfallen, wenn der Druck von Gewerkschaft und Boulevardmedien zu groß wird.

Sicher werden jetzt manche denken oder schreiben, dass das wieder eine gar herzlose Tagebuchnotiz sei. Das ist sie aber ganz und gar nicht. Ein Insolvenzverfahren ist vielmehr der einzig gerechte und daher humane Umgang mit Unternehmen in Schwierigkeiten. Und die hat Saab. Die kleine, aber technisch feine Autofirma kam ja nicht erst durch die Probleme von General Motors ins Schleudern. Sie produzierte vielmehr seit 2001 ständig Verluste, also auch in fetten Konjunkturjahren.

Überdies bedeutet ein solches Verfahren ja noch nicht das absolute Ende. Vielmehr kann nun seriös und in Ruhe (weil eine Zeit lang vor dem Druck der Gläubiger geschützt) geprüft werden, ob es Geldgeber gibt, die das Unternehmen zur Gänze oder teilweise weiterzuführen bereit sind.

Anderswo hingegen, vor allem in den derzeit besonders panischen USA, will man offenbar jede größere Firma durch Steuergelder retten. Im Glauben, der Staat (also von Lobbyisten bearbeitete Politiker und Beamte) wisse besser als Investoren (also Menschen, die ihr eigenes Geld riskieren), was rettenswert ist und was nicht. Das ist eine kühne wie erfahrungswidrige Erwartung.

Besonders inhuman ist, dass Staatshilfen überdies auch viele lebensfähigen Firmen gefährden: Denn diese müssen früher oder später die Kosten der sinnlosen Rettungsaktionen tragen - via Steuern oder via Inflation.

Zudem werden die USA selbst Opfer der Schuldenpolitik: Denn sie können nur noch in China einen potenten Kreditgeber für die unvorstellbaren 1,2 Billionen Dollar finden. Peking wird dafür einen hohen Preis fordern, der auch das Ende der globalen Führungsrolle der USA bedeutet - so wie nach den beiden Weltkriegen die globale Dominanz der Briten auf die dollarstarken Amerikaner übergegangen ist. Jetzt wird die Dominanz-Stafette offenbar an die Chinesen weitergereicht.

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