Anselm Grün kritisiert Auto-Fixiertheit

Deutscher Benediktinermönch und Erfolgsautor wirbt in Beilage der österreichischen Kirchenzeitungen für diesjährige "Autofasten"-Aktion - Verkehrsexperte Knoflacher: "Autogerecht ist nicht menschengerecht"

Wien, 20.2.09 (KAP) Kritisch hat sich der deutscher Benediktinermönch und Erfolgsautor P. Anselm Grün zum heute üblichen Umgang mit dem Auto geäußert. Zum Auftakt der diesjährigen "Autofasten"-Aktion sagte Grün in einem Interview für die "in puncto"-Beilage der österreichischen Kirchenzeitungen, er verzichte bei der Anreise zu Vorträgen so weit wie möglich auf das Auto, in manche Städte fahre er mit der Bahn und genieße, "dass ich Zeit habe zum Lesen, zum Plaudern...". Ganz könne er freilich nicht auf das Auto verzichten, denn die Benediktinerabtei Münsterschwarzach liege zu abgelegen, um nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln auszukommen.

Der Ordensmann forderte eine neue Verkehrspolitik. Es sei z.B. "sinnlos, Güter über weite Strecken mit dem Auto anstatt mit der Bahn zu transportieren". Auch die Autoindustrie müsse umdenken, forderte Grün. Sie habe das Thema Klimawandel "total verschlafen" und baue immer stärkere statt immer umweltfreundlichere Fahrzeuge. Grün wünscht sich Autos mit anderen Antrieben als dem Verbrennungsmotor. Und er übt auch Kritik an Formel-1-Rennen: "Die Vergeudung von so viel Energie können wir uns heute eigentlich nicht mehr leisten". Es wäre sinnvoll, über die Abschaffung dieses Sports nachzudenken.

In seiner Abtei achte er als Wirtschaftsverantwortlicher auf Schöpfungsgerechtigkeit. Ein Ökoprojekt in Münsterschwarzach habe bewirkt, dass inzwischen mehr als 96 Prozent der Energie aus regenerativen Quellen stammen.

Autoverkehr zerschneidet Lebensräume

Auch der österreichische Verkehrsexperte Hermann Knoflacher plädierte in der "in puncto"-Beilage für Vorrang für den Menschen statt für das Auto. Der forcierte Ausbau von Verkehrswegen zerschneide die Lebensräume der Menschen und schränke Sozialkontakte ein, kritisierte Knoflacher. Die "Wurzel des Übels" liege in der "Reichsgaragenordnung" des Jahres 1938, derzufolge bei jeder Wohnung bzw. jedem Gewerbebetrieb Parkplätze zu errichten sind. Die leichte Erreichbarkeit des Autos führe zu dessen exzessiver Nutzung, so Knoflacher.

"Kostenwahrheit" vermisst Knoflacher beim ständig steigenden LKW-Verkehr: "Die großen Konzerne produzieren dort, wo es für sie am billigsten ist, weil wir mit unseren Steuern ihre Transportkosten kräftig subventionieren". Bereits 70 Prozent aller Warenströme, die über Landesgrenzen führen, seien konzerninterne Transporte, sagte der Professor am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der TU Wien. Das fördere die "Machtkonzentration der Großen" und widerspreche dem Subsidiaritätsprinzip der christlichen Soziallehre. Knoflachers Fazit: "Autogerecht ist nicht menschengerecht". (ende) K200901781
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