WKÖ-Schenz: "Trotz Einbußen noch kein Ende des Booms in den Golfstaaten"

Wirtschaftsdelegation mit über 60 Unternehmen bereist Kuwait und Katar - Außenwirtschaft Österreich (AWO) eröffnet ein zusätzliches Marketingbüro in Doha/Katar

Wien (PWK131) - "Die Staaten am persischen Golf durchleben derzeit ein ähnliches Szenario wie Europa, wenn auch in abgeschwächter Form. Ein Abschwung ist zu spüren, allerdings wird 2009 noch immer ein positives Wirtschaftswachstum zwischen drei und vier Prozent, abhängig von der Entwicklung der Erdölpreise, erwartet" sagt WKÖ-Vizepräsident Richard Schenz, als Leiter einer Wirtschaftsdelegation anlässlich eines Staatsbesuches von Bundespräsident Heinz Fischer, Anfang kommender Woche nach Kuwait und Katar. Geringere OPEC-Förderquoten und der Rückgang des Erdöl- und Erdgaspreise werden die Einnahmen der Ölstaaten um etwa 50% sinken lassen. Trotz dieser Einbußen werden die Golfstaaten - Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Bahrain, Katar, Kuwait und Oman -ihre sehr expansiven Budgetpläne aufrechterhalten und damit den Import weiter ankurbeln, "was wiederum unserer Exportwirtschaft zugute kommen wird", betont Schenz.

Unter den "kleinen" Golfstaaten wird Katar ein besonders hohes BIP-Wachstum von 11,6% aufweisen. "Katar besitzt das größte Erdgasfeld der Welt - in etwa 14% der Weltreserven - und ist mit Import von rund 130 Mio. Euro im abgelaufenen Jahr bereits der drittgrößte Markt für österreichische Produkte in den Golfstaaten", berichtet Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) in der WKÖ. Vor dem Hintergrund des rapiden Industrieaufbaus können heimische Firmen vom Boom im Emirat dank traditionell guter Beziehungen profitieren. Die WKÖ hat diesem Trend Rechnung getragen und wird während des Staatsbesuches des Bundespräsidenten in Katar am 24. Februar ein Marketingbüro in Doha errichten. "Dieses Büro ist der österreichischen Außenhandelsstelle Abu Dhabi angeschlossen und wird neben der Förderung der Exporte auch die immer wichtigere Funktion der Positionierung Österreichs als Tor für Investitionen in Europa in Katar wahrnehmen", erklärt Koren. Die Bedeutung der Golfregion für die österreichische Wirtschaft zeige sich auch darin, dass die Außenhandelsstelle Abu Dhabi bereits zu den am meisten in Anspruch genommenen Aussenhandelsstellen der AWO zählt. Mit dem neuen Marketingbüro verfügt die Aussenwirtschaft Österreich über ein weltweites Netz von 68 Aussenhandelsstellen, 7 Zweigbüros und 32 Marketingbüros.

Kuwait ist einer jener "kleinen" Golfstaaten, der über fast 10% der Welterdölreserven verfügt. Im Gegensatz zu Dubai hat Kuwait immer einen etwas vorsichtigeren Expansionskurs eingeschlagen, der jedoch aufgrund der enormen Ölvorräte und vor allem aufgrund der Guthaben des Staatsfonds "Kuwait Investment Authority" umso nachhaltiger ist. Die österreichischen Ausfuhren nach Kuwait haben sich in den letzten fünf Jahren auf 105 Mio. Euro (2008) verdoppelt.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), der für österreichischen Lieferungen mit Abstand größte Markt in den Golfstaaten (Exporte 2008: +20%, Handelsvolumen: 600 Mio. Euro) werden zwar 2009 auch ein positives Wirtschaftswachstum aufweisen, die Entwicklung in den einzelnen Emiraten (Dubai, Abu Dhabi) wird aber starke Schwankungen aufweisen. Dubais Wirtschaft ist zu 50% von der Bauwirtschaft geprägt, durch den Rückgang bei Neuprojekten und mangelnder Bankenfinanzierung sind derzeit ca. 52% der Projekte dort "on hold". Abu Dhabi, das den größten Finanz Fonds der Welt besitzt (ADIA mit 845 Mrd. US-Dollar) hat bekannt gegeben, dass alle Ausbaupläne für die Infrastruktur und die Industrie durchgezogen werden. Das Volumen an Projekten in den VAE wird mit derzeit 1.200 Mrd. Dollar angegeben.

Die erstmals auftauchenden starken Unterschiede in der Entwicklung von Emiraten oder Regionen macht Vorhersagen nicht leicht. Der Motor der früheren Jahre - Dubai - läuft nicht mehr auf Hochtouren, aber auch die Bauindustrie in den anderen, weit mehr auf Erdöleinnahmen ruhenden Emiraten oder Kleinstaaten im Golf, ist deutlich gedämpft. Besser wird die Lage beim Industrieausbau eingeschätzt, wo sehr große Investitionen anstehen, die die Sektoren Stahl, Aluminium, Petrochemie und sogar Flugzeugindustrie erfasst. Weitere positive Wachstumssignale werden von der Konsumgüterindustrie erwartet, da die Bevölkerungen der Golfstaaten rasch anwachsen und teilweise sehr hohe Einkommen pro Kopf zu greifen beginnen. Dies kommt auch dem Tourismus nach Österreich zugute, wo im Jahr 2008 (Jan - Nov) schon über 350.000 Nächtigungen aus den arabischen Ländern gezählt wurden, was teilweise weit über den Nächtigungszahlen von Besuchern aus China und etwa gleich auf mit Besuchern aus Japan liegt.

Bereits mehr als 200 österreichische Firmen sind in den Golfstaaten (vor allem in Dubai) mit eigenen Niederlassungen tätig. "Die Golfstaaten gelten nach wie vor als einer der attraktivsten Wachstumsmärkte der Welt, wo alleine schon aufgrund der enorm hohen und anhaltenden Überschüsse und des Projektvolumens noch sehr viel Betätigungsfeld für unsere Firmen besteht", zeigt sich Schenz überzeugt. Erfolgsfaktoren für österreichische Firmen würden aber immer mehr die lokale Präsenz und eine intensive Marktbearbeitung, so Schenz abschließend. (ES)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Außenhandelsstelle Abu Dhabi
Dr. Wolfgang Penzias
Tel: +971 2 676 66 33
Fax: +971 2 676 00 02
Email: wolfgang.penzias@wko.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0005