Marcic-Preis 2009 an Gründler und Keglevic

Journalistenpreis für "Apropos-Redakteurinnen" / Preisverleihung am 13. März

Salzburg (OTS) - Die Preisträgerinnen des René-Marcic-Preises 2009 heißen Mag. Michaela Gründler und Mag. Anja Pia Keglevic. Dies hat die Salzburger Landesregierung auf Vorschlag einer von ihr eingesetzten Jury beschlossen. Die beiden Journalistinnen schreiben und redigieren die Salzburger Straßenzeitung "Apropos"; Michaela Gründler seit 1999, seit 2002 als Chefredakteurin, und Anja Pia Keglevic seit 2005 als Redakteurin. Der Preis ist mit insgesamt 6.700 Euro dotiert und wird am 13. März von Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller in der Max-Gandolph-Bibliothek der neuen Residenz übergeben werden. Der Marcic-Preis besteht heuer seit 30 Jahren. Die zwei Blattmacherinnen der Salzburger Straßenzeitung sind die 23. Preisträger.

Der Vorschlag für die Preisverleihung an Michaela Gründler und Anja Pia Keglevic stammt von einer von der Landesregierung eingesetzten Jury unter dem Vorsitz des em. Univ.-Prof. Dr. Michael Schmolke und den Mitgliedern ORF-Landesdirektor Prof. Siegbert Stronegger, Redakteurin Doris Esser und Redakteurin Ilse Spadlinek. Geschäftsführer ist Landespressebüro-Chefredakteur Dr. Roland Floimair.

Die Begründung der Jury

"Für die Verleihung des René-Marcic-Preises 2009 schlägt die Jury zwei junge Salzburger Journalistinnen vor: Michaela Gründler (geb. 1973 in Linz) und Anja Pia Keglevic (geb. 1970 in Salzburg). Ihr publizistisches Arbeitsfeld liegt eher am Rande der öffentlichen Aufmerksamkeit. Sie schreiben und redigieren die Salzburger Straßenzeitung 'Apropos', Michaela Gründler seit 1999, seit 2002 als Chefredakteurin, Anja Pia Keglevic seit 2005 als Redakteurin.

Was ist eine 'Straßenzeitung'? Ein Blatt, das sich mit der Situation von Menschen befasst, die von Armut, Wohnungslosigkeit, manchmal auch Obdachlosigkeit betroffen sind, ein Blatt aber auch, das eine beachtliche Zahl dieser Menschen in seine Arbeit einbezieht, die meisten als Straßenverkäufer, gar nicht wenige auch als Autorinnen und Autoren. 'Apropos', gegründet 1997 unter dem Titel 'Asfalter', ist keine Gratiszeitung, sondern muss verkauft werden, und lässt sich verkaufen. Zwei Euro kostet das Heft, ein Euro davon geht an Verkäufer oder Verkäuferin. Dafür, dass das immer wieder gelingt, sorgen die beiden Redakteurinnen. Für die zwei Euro bekommt der Kunde eine echte Gegenleistung, sie sind keine milde Gabe. Das Blatt trägt sich zu 60 Prozent selber. Das Land gibt seit Jahren einen (bescheidenen) Zuschuss. Drei-Jahres-Verträge - Herausgeber ist die Soziale Arbeit GmbH - geben Planungssicherheit. Die beiden Redakteurinnen sind Profis und nicht Wohltäterinnen. Sie beziehen ein Gehalt.

Wofür verdienen sie einen Preis?

Erstens: Die beiden machen ein gut zu lesendes und inzwischen auch ansehnliches Blatt. Sie produzieren Schwerpunkthefte - in letzter Zeit z.B. 'Was ist Arbeit?', 'Vom Gewinnen und Verlieren' - und widerstehen dabei der Versuchung, sich auf Kosten des übergeordneten Ziels selber zu verwirklichen. Sie halten an dem Prinzip fest, immer auch Autorinnen und Autoren aus dem Milieu zu Wort kommen zu lassen (Schreibwerkstatt). Das Produkt ist unprätentiös, unideologisch, offen, und als Leitlinie gilt: kein Jammerjournalismus.

Zweitens: Michaela Gründler und Anja Keglevic leisten soziale Arbeit, indem sie ihre Klientel in die Arbeit einbeziehen. Aus Verkäufern und Verkäuferinnen ist nach und nach eine Gruppe entstanden. Die Redakteurinnen beobachten den Erfolg: Die Zeit der Menschen bekommt durch Arbeit eine Struktur, sie 'stabilisieren sich', sie 'richten sich auf'. Einige finden in normale Lebensumstände zurück.

Drittens: Die Blattmacherinnen nehmen und geben.
Beide haben an der Universität Salzburg studiert: Germanistik und Publizistik die eine, Publizistik, Germanistik und Geschichte die andere. Beide haben die Angebote des Kuratoriums für Journalistenausbildung genutzt, beide haben in vielseitiger Weise die Medienpraxis erlernt, mit deutlichen Schwerpunkten in Salzburg: SN, SVZ, ORF, 'Der Österreichische Journalist' u.a.m. Andere Medieneinrichtungen helfen ihnen heute ggf. kostenlos, z.B. wenn es um eine Kampagne oder ein neues Layout geht. Umgekehrt vernetzt sich die Redaktion, wenn sie selbst helfen kann: im Internationalen Straßenzeitungsnetzwerk, im Netzwerk der Salzburger Medienfrauen und - last but not least - durch Bereitstellung von Praktikumsplätzen für Studierende der Kommunikationswissenschaft.

Michaela Gründler und Anja Pia Keglevic tun ihre Arbeit ohne viel Aufhebens. Sie helfen Menschen. Sie zeigen‚ wie man Menschen helfen kann, und auch, wie sich Menschen selber helfen. Sie betreiben einen glaubwürdigen Journalismus nach einer Leitlinie, die einst für die BBC formuliert wurde: public service. Dafür verdienen sie den René-Marcic-Preis."

Michaela Gründler und Anja Pia Keglevic sind die 23. Preisträgerinnen des René Marcic-Preises, der 1979 erstmals von der Salzburger Landesregierung vergeben wurde und mit dem qualitätsvolle Leistungen des Journalismus ausgezeichnet werden; die von Salzburger oder in Salzburg wirkenden Journalisten erbracht werden.

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