DER STANDARD - Kommentar "Plakative Persönlichkeiten" von Michael Völker

Ausgabe vom 20.2.2009

Wien (OTS) - Hannes Swoboda und Othmar Karas (wer die beiden
Herren noch nicht kennt: leitende EU-Abgeordnete von SPÖ und ÖVP) sind ehrenwerte Kandidaten für das EU-Parlament in Straßburg. Aus Sicht ihrer Parteien in Wien aber eher für die hinteren Plätze. Sie sind kompetent, keine Frage, sicherlich auch tüchtig und fleißig, nett, gescheit, alles, was man von einem Kandidaten will.
Aber: Man kennt sie in ihrer Heimat kaum. Man könnte auch sagen:
Langeweiler - bei allem Respekt. Das vermeintliche Problem: Man kann sie nicht plakatieren. Swoboda oder Karas auf einem 32-Bogen-Plakat? Da schlagen die Parteistrategen entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen.
Also werden sowohl in der SPÖ als auch in der ÖVP attraktivere Kandidaten gesucht. Keine besseren, weil an der Qualität von Swoboda und Karas ja niemand etwas auszusetzen hat, sondern schlichtweg leichter verkaufbare Kandidaten. Sie sollen nicht so träge sein wie das EU-Thema an sich, aber dennoch glaubwürdig. Aufregend sollen sie sein. Im Idealfall gibt es einen Europa-Konnex. Bis zu diesem Punkt sind SPÖ und ÖVP auf einer Linie.
Dann gehen die Strategien auseinander: Die SPÖ sucht einen EU-kritischen, sozial engagierten Kandidaten, der für eine andere, bessere Union eintritt. Die ÖVP hingegen will einen überzeugten Europäer, noch besser eine Europäerin, die die Vorzüge der EU darstellen kann. So wollen beide Parteien den EU-Kritikern auf ihre Weise etwas entgegensetzen.
Und wenn die Wahl vorbei ist, dürfen die Swobodas und Karas wieder ganz unaufregend ihre Arbeit machen.

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