WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein paar Lehren aus der Krise - von Wolfgang Unterhuber

Nicht die Krise, der Opernball war das Thema. Gut so

Wien (OTS) - Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Welche Lehren können wir aus der Krise ziehen? Erstens: In Österreich findet die Krise bislang auf besonderem Niveau statt. Das Land war jetzt wochenlang mit der Frage beschäftigt, welche Gecken den Opernball moderieren sollen. Das ist ein gutes Zeichen, weil dadurch ersichtlich wird, dass die österreichische Seele die ökonomische Realität so weit als möglich ins Unterbewusste drängt. Ein Sturz in die kollektive psychologische Depression wird so verhindert. Und wie wir seit Ludwig Erhard wissen, besteht Wirtschaft zu 50 Prozent aus Psychologie. Gemeinhin scheint in Österreich die Stimmung also die zu sein: Wir lassen uns von der Krise nicht die Laune verderben. Die ungebrochen anhaltenden Buchungen für den Sommerurlaub bestätigen das.

Zweitens: Kompliment an die Sozialpartner: Das Modell Kurzarbeit wird flexibler. Ein enorm wichtiger Schritt. Kurzarbeit ist nicht die Lösung des Problems. Doch so kann der Unternehmer seine guten Leute und Facharbeiter halten und ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit (jeder Arbeitslose ist bekanntlich ein
Steuerzahler weniger) wird verhindert.

Drittens: Die Österreicher haben nichts von ihrer Improvisationskunst verloren. Experten vermeldeten zuletzt einen raschen Anstieg der Schwarzarbeit. Gut so. Denn wer persönliche Einkommensverluste durch Pfusch kompensieren kann, sichert seinen Lebensstandard und hat vielleicht noch immer genug Geld, das er ausgeben kann, um die Konjunktur anzukurbeln.

Viertens: Unsere Regierung hat bislang einen guten Job gemacht. Doch wurde diese Woche ein dramatisches Defizit sichtbar: Wir sind in der EU isoliert. Der Versuch, Partner für ein Ost-Paket zu finden, scheiterte bravourös. Hier gibt es ein echtes "To do".

Fünftens: Österreichs Banken haben in Osteuropa ein Riesenproblem. Wenn von den insgesamt 300 Milliarden Euro an Ost-Krediten nur fünf bis zehn Prozent ausfallen, übersteigt das die Eigenkapitalspritze des Bankenhilfspakets bei weitem. Aber: Wir alle haben von der Ostexpansion in den vergangenen Jahren schwer profitiert. Mit den Gewinnen im Osten wurden hierzulande Arbeitsplätze gerettet und der Wohlstand angehoben. Pauschalverurteilungen wie "die bösen Banker sind schuld" sind daher unzulässig. Wollten wir von unseren Banken nicht alle tolle Sparzinsen und gleichzeitig superbillige Kreditzinsen?

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