Tumpel: Falsche Dividendenpolitik - wo bleibt die Verantwortung für die Zukunft?

Wien (OTS) - Eine Analyse der AK zeigt: Die Ausschüttungen der ATX Konzerne sind von 2007 auf 2008 deutlich um fast 24 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gestiegen. Von den 20 im ATX vertretenen Unternehmen haben 17 Gewinne gemacht und bis auf eines (RHI) zum Teil sehr großzügig von dem Recht auf Ausschüttungen Gebrauch gemacht. Spitzenreiter sind die Österreichische Post und die Telekom Austria. "Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben die Krise nicht verursacht. Sie müssen vor den negativen Auswirkungen der Finanzkrise geschützt werden. Da müssen auch die Unternehmen ihren Beitrag leisten. Mäßigung bei der Gewinnbeteiligung der Aktionäre ist das Mindeste, was ich mir erwarte", sagt AK Präsident Herbert Tumpel. Gerade in Zeiten der Krise sind hohe Ausschüttungen und überzogene Managergehälter nicht angebracht, sondern die Geldmittel sollten als Krisenpolster im Unternehmen belassen bzw Investitionen vorgenommen werden. Auch der Finanzminister profitiert: Die ÖIAG ist an der Post zu 51 und an der Telekom zu rund 27 Prozent beteiligt und sollte daher insgesamt rund 175 Millionen Euro lukrieren. Vom Rest der Aktionärsanteile gehen 25 Prozent Kapitalertragssteuer, also weitere 80 Millionen, an den Finanzminister.

Geld für die einen, Verschlechterungen für die anderen
Die Post hatte im Jahr 2008 für den Jahresabschluss 2007 eine Ausschüttungsquote von 137 Prozent des Konzernüberschusses von 2007. "Das sind satte 168 Millionen Euro. Diese Summe konnte nur durch die Auflösung von Kapitalrücklagen realisiert werden. Im gleichen Atemzug kündigt die Post an, mehrere hundert Filialen zu schließen und Personal einzusparen. Auf der einen Seite beim Personal und bei den Leistungen für die Konsumenten sparen zu wollen und auf der anderen Seite die Eigenkapitalreserven anzuknabbern ist untragbar", kritisiert Tumpel. Bei der Telekom liegt die Ausschüttungsquote bei über 67 Prozent oder rund 332 Millionen Euro. Damit beträgt sie noch immer mehr als das Doppelte des Durchschnitts aller ATX Unternehmen (30 Prozent). Tumpel kritisiert den Telekom-Vorstand, der an dieser Ausschüttungspolitik offenbar auch in Zukunft festhalten möchte. Für den Zeitraum 2009 bis 2012 hat der Vorstand Ausschüttungen in der Größenordnung von 1,35 Milliarden angekündigt. "Eine Beamtenagentur fordern und wichtige Investitionen in die Infrastruktur versäumen, das ist sicher nicht der richtige Weg", sagt Tumpel: "Angesichts der Krise fordere ich auch die Unternehmen auf, ihren Beitrag zur Bewältigung zu leisten."

Im Rahmen der Untersuchung wurden die Ausschüttungen und die Höhe, der in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Jahresüberschüsse von den 20 im ATX vertretenen Unternehmen untersucht. Folgende Kapitalgesellschaften wurden einbezogen: AUA, Andritz, bwin, Erste Bank, Flughafen Wien, Intercell, Mayr Melnhof, Österreichische Post, OMV, Palfinger, Raiffeisen International, RHI, Schoeller Bleckmann Oilfield, STRABAG, Telekom Austria, Vienna Insurance Group, Verbund, Voest Alpine, Wr. Städtische, Wienerberger und Zumtobel. Bei der Voest Alpine (abweichendes Wirtschaftsjahr von 1.4. - 31.3.) wurden die Abschlüsse 06/07 (für 2006) und 07/08 (2007) ausgewertet, um so aktuell wie möglich zu sein.

Zurückhaltung gefordert
Tumpel appelliert an die Verantworlichen im Interesse des eigenen Unternehmens für die kommenden Ausschüttungen mit Maß und Zurückhaltung vorzugehen. Gerade für die Sicherung und den Erhalt von Arbeitsplätzen ist ein Belassen des erwirtschafteten Kapitals im Unternehmen unumgänglich. "Einbehaltene Gewinne steigern nachhaltig den Unternehmenswert. Das ist auch für Aktionäre kein Nachteil", sagt Tumpel.

Die Unternehmen, die Staatshilfe in Anspruch nehmen, sollten ihre gesamten Gewinne einbehalten. Für Tumpel ist es nicht nachvollziehbar, dass etwa ein Kreditinstitut, das auf Kapital des Staates zurückgreift, Dividenden ausschütten darf: "Diese Ausschüttungen schmälern die Eigenkapitalquote, die durch die öffentlichen Mittel ja eigentlich gestärkt werden soll."

Die Analyse finden Sie auf wien.arbeiterkammer.at

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