Europas Straßen: Gefährliches Pflaster für ungeschützte Verkehrsteilnehmer

Alle 17 Sekunden wird ein Fußgänger, Radfahrer oder Moped-/Motorradlenker auf Europas Straßen verletzt

Wien (OTS) - Rund 1,86 Millionen Menschen und damit die Hälfte aller Verletzten im Straßenverkehr werden jährlich auf öffentlichen Verkehrsflächen in Europa (EU-27) verletzt, wenn sie als ungeschützte Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Anders gesagt: Alle 17 Sekunden wird ein Fußgänger, Radfahrer oder Moped-/Motorradlenker innerhalb der EU bei einem Unfall verletzt. Für 17.800 Menschen endet die ungeschützte Verkehrsteilnahme in Europa pro Jahr tödlich - das sind 40 Prozent aller tödlichen Unfälle im Straßenverkehr. "Ungeschützte Verkehrsteilnehmer haben keine Knautschzone. Bei Kollisionen mit Pkws sind sie immer im Nachteil und tragen meist schwere und viel zu oft auch tödliche Verletzungen davon", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Weitere 1,6 Millionen Fußgänger verletzen sich europaweit jährlich durch Stürze auf öffentlichen Verkehrsflächen. Diese Zahlen gehen aus dem vom KfV geleiteten EU-Projekt "Ungeschützte Verkehrsteilnehmer" hervor. Erstmals wurden auf europäischer Ebene Zahlen aus offiziellen Verkehrsunfallstatistiken mit den Daten der in vielen EU-Ländern geführten und vom KfV koordinierten Verletzungsdatenbank (IDB) zusammengeführt.

Luxemburg und Malta sind für ungeschützte Verkehrsteilnehmer am sichersten

In Österreich werden laut Verkehrsunfallstatistik und KfV-Verletzungsdatenbank jährlich rund 41.600 Fußgänger, Radfahrer, Moped- und Motorradlenker im öffentlichen Straßenverkehr verletzt, weitere 43.400 Fußgänger verletzen sich jedes Jahr durch Stürze auf öffentlichen Verkehrsflächen. Etwa 330 ungeschützte Verkehrsteilnehmer verunglücken jedes Jahr tödlich, je einer Million Einwohner werden in Österreich 41 ungeschützte Verkehrsteilnehmer getötet. Damit liegt Österreich über dem EU-21-Durchschnitt von 36 Getöteten je einer Million Einwohner (Daten für Bulgarien, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Zypern liegen nicht vor). Am sichersten sind Fußgänger, Radfahrer, Moped- und Motorradlenker in Luxemburg, Malta (je 15 Getötete/1 Mio. Einwohner) und Schweden (19 Getötete/1 Mio. Einwohner) unterwegs. Am gefährlichsten ist es für ungeschützte Verkehrsteilnehmer in Griechenland (68 Getötete/1 Mio. Einwohner), Polen (75 Getötete/1 Mio. Einwohner) und Lettland (108 Getötete/1 Mio. Einwohner).

Was soll getan werden?

"Für Österreich bedeuten diese Ergebnisse, dass wir bei der Sicherheit der ungeschützten Verkehrsteilnehmer einen Schwerpunkt setzen müssen. Dazu gehört ein besserer Schutz vor Zusammenstößen mit Kraftfahrzeugen. Wir dürfen aber nicht nur an die Gefährdung durch Autofahrer denken, sondern es muss auch mehr gegen die vielfältigen Sturzgefahren für Fußgänger und Radfahrer getan werden", fordert Thann. Die Verantwortung für die sichere Gestaltung von Gehsteigen und Gehwegen liegt grundsätzlich beim Straßenhalter bzw. den Gemeinden. "Die Bedürfnisse von ungeschützten Verkehrsteilnehmern müssen verstärkt in die Straßenplanung miteinbezogen werden. Angesichts der Tatsache, dass die Zahl älterer Menschen in Österreich zunimmt, muss beispielsweise mehr auf die barrierefreie Oberflächengestaltung der Fußwege geachtet werden", sagt Thann. Für Radfahrer sind z.B. Längsrillen oder Kies Gefahren, die beseitigt werden müssen. Aber auch Initiativen zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr und zur gegenseitigen Rücksichtnahme, die sich sowohl an geschützte Fahrzeuglenker als auch an ungeschützte Verkehrsteilnehmer richten, sind notwendig. "Nicht nur die motorisierten Lenker müssen sich an Regeln halten. Auch Fußgänger und Radfahrer haben Pflichten und können durch vorbeugende Verhaltensmaßnahmen ihre Sicherheit erhöhen", betont Thann. Dazu zählen beispielsweise Schutzmaßnahmen wie das Tragen eines Radhelms bei Fahrradfahrern oder gute Sichtbarkeit durch reflektierende Materialien.

Tabelle: EU-Länder im Vergleich: Getötete ungeschützte Verkehrsteilnehmer pro Jahr

Abkürzung Land Getötete/je einer Million Einwohner LU Luxemburg 15 MT Malta 15 SE Schweden 19 FI Finnland 21 NL Niederlande 23 UK Vereinigtes Königreich 24 IT Italien 26 DE Deutschland 28 DK Dänemark 31 FR Frankreich 31 BE Belgien 32 IE Irland 32 ES Spanien 36 EU21 Durchschnitt EU-21* 36 AT Österreich 41 CZ Tschechien 50 EE Estland 53 PT Portugal 55 HU Ungarn 57 EL Griechenland 68 PL Polen 75 LV Lettland 108

*EU-21, da für Bulgarien, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Zypern keine Daten vorliegen.

Rückfragen & Kontakt:

Bakk.phil. Elisabeth Gerstendorfer
Kuratorium für Verkehrssicherheit
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E-Mail: elisabeth.gerstendorfer@kfv.at
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