"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Hoffen, dass ein Gewinn bleibt" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 18.2.2009

Innsbruck (OTS) - Darf mit öffentlichem Geld und Landeseigentum spekuliert werden? Diese Frage spaltet seit Jahren die Politik und die Tiroler Öffentlichkeit. Und sie ist angesichts der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise relativ leicht zu beantworten: nämlich mit einem klaren Nein. Auch Politik und Management des Landesenergieversorgers Tiwag sowie der Innsbrucker Kommunalbetriebe IKB würden aus heutiger Sicht die umstrittenen und 2004 von der US-Finanz untersagten Cross-Border-Geschäfte nicht mehr anstreben. Angesichts des erzielten Barwertvorteils von 200 Millionen Euro (Tiwag) und 35 Mio. Euro (IKB) kann man trotz der Millionenaufwendungen für Depotabsicherung oder Vertragsauflösung wie bei den IKB von keinem Schaden sprechen, sondern immer noch von einem Gewinn. Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem, schließlich ist das Vertrauen in die internationale Finanzwelt gegen null gesunken. Und die Risken dieser transatlantischen Finanztransaktionen sind nicht mehr kleinzureden. Letztlich geht es darum, ob am Ende des Tages ein Gewinn übrig bleibt oder nicht. Daran werden die verantwortlichen Politiker und Landesmanager gemessen. Ist das nicht der Fall, dürften die Tage von Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer gezählt sein. Aber auch die Landesregierung hätte Erklärungsbedarf. Sie hat die Geschäfte genehmigt, ein Verlust aus den umstrittenen Deals wäre ein politischer Super-GAU. Noch ist alles Spekulation, denn sowohl Tiwag als auch IKB befinden sich in der Gewinnzone und werden dort hoffentlich bleiben. Eines ist nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen ebenfalls gewiss: Eine vorzeitige Auflösung der Cross-Border-Geschäfte ohne Verlust wäre für alle ein Gewinn.

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