"KURIER"-Kommentar von Anneliese Rohrer: "Mit "kreativer" Lösung weiter ins Schlamassel"

Gehälter in der Wirtschaft an Politikerbezüge zu koppeln, ist abstrus.

Wien (OTS) - Es wär’ nicht Österreich, würde nicht jemand auf die völlig abstruse Idee kommen, Bezüge der Manager von Unternehmen an jene der Politiker zu koppeln. Die Grünen stellten sich mit ihrer Forderung in der Sondersitzung des Parlaments, dass die Gagen von Managern nicht jene des Bundeskanzlers (285.000 Euro pro Jahr) übersteigen dürfen, zur Verfügung. Reinhold Lopatka, früher Sport-, jetzt Finanz-Staatssekretär, sah es offenbar sportlich: Nein, nicht der Bezug des Bundeskanzlers, jener des Bundespräsidenten - etwas höher also - soll die Benchmark für Manager in staatsnahen Betrieben sein.
In kaum einem anderen Industrieland wäre ein solcher Konnex, also eine derart "kreative" Antwort auf die öffentliche Aufregung über unternehmerische Inkompetenz und überhöhte Managerbezüge, denkbar. Hierzulande hat sie aber eine gewisse Logik, denn die Berufung und Ablöse von Managern in diesen staatsnahen Unternehmen hatte immer eine (partei)politische Komponente. Die Verquickung von Postenschacher und Misswirtschaft, wie sie im Parlament debattiert wurde, gibt es tatsächlich.
Es ist aber geradezu rührend, wenn sich nun BZÖ- vormals FPÖ-Politiker darüber erregen, denn mit ihrer tatkräftigen Hilfe als Regierungsparteien nach 2000 wurde jene Verbindung hergestellt, die nun geradewegs zum Schlamassel bei AUA und ÖIAG führt.
Nur zur Gedächtnisauffrischung für jene, die sich nun über Gage und schwache Leistung von ÖIAG-Chef Peter Michaelis alterieren: Er wurde von Schwarz-Blau im Juli 2001 geholt. Oder für jene, die beim Gedanken an die hohe Abfertigung für Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch nach Rache schreien: 2001 musste umgefärbt werden, man holte den glücklosen Vagn Sørensen und im April 2006, also unter Schwarz-Orange, den AUA-Bruchpiloten Ötsch. Drei Mal darf man raten, wer jenen Ötsch-Vertrag ausgearbeitet hat, über den sich nun Politiker unter dem Druck einer angewiderten Wählerschaft derart aufregen?
Reinhold Lopatka hat nun entdeckt, dass er "kein Verständnis für die bisherigen Gagen" und die Auszahlung von unverdienten "Erfolgsprämien" hat. Lopatka ist auch nicht erst seit gestern in der Politik. Wenn man aber seine und der Grünen Vorschläge in ihrer inneren Logik zu Ende denkt, können sie nur dazu führen, dass Manager in staatsnahen Betrieben für ihr Tun und Lassen keine Verantwortung mehr übernehmen müssen - ganz wie Politiker. Das kann nicht Zweck der Aufregung und Sinn wirtschaftlichen Handelns sein.
Dabei wäre alles ganz einfach: Die Verantwortlichen Schüssel, Grasser, Molterer und so manche in der Industriellenvereinigung gestehen ein: "Wir haben es vermasselt." Die jetzt Verantwortlichen geben bei Berufungen Managerfähigkeiten den Vorzug vor Umfärbungsaktionen; und Aufsichtsräte beginnen, anständig zu arbeiten. Dann sind populistische Politiker-Manager-Vergleiche überflüssig.

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