Häupl/Ludwig: Innovation im Wiener Wohnbau

Wiener Wohnbaupreis 09 und experimentelles Bienneale 08-Projekt

Wien (OTS) - Innovation spielte im sozialen Wiener Wohnbau von Beginn an eine entscheidende Rolle. Und auch heute sind - angesichts neuer Herausforderungen - neue, zukunftsweisende Konzepte ein Gebot der Stunde. Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig stellten heute, Dienstag, einen Wohnbaupreis für innovative Leistungen und ein experimentelles Wohnprojekt vor.****

Die Leistungen der Wiener Wohnungspolitik sind unbestritten -kaum eine andere Großstadt weist eine derartige Kontinuität des Wohnbaus unter gleichzeitiger Beachtung qualitativer und sozialer Aspekte auf. Immer wieder dienen Wiener Wohnbau und Stadterneuerung als Vorzeigebeispiele oder erhalten Höchstnoten im internationalen Städteranking; sie leisten einen bedeutenden Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Lebensqualität. Ein zentrales Instrument im geförderten Wiener Wohnbau stellt der wohnfonds_wien dar, der am 18. Juni 2009 sein 25-Jahre-Jubiläum feiert. 1984 als "Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds" (WBSF) gegründet, beschäftigt sich das Unternehmen der Stadt Wien im Wesentlichen mit drei Geschäftsbereichen: mit dem Liegenschaftsmanagement für den geförderten Wohnungsneubau, der Projektabwicklung für geförderte Neubauten - dazu zählen auch seit 1995 die Durchführung von Bauträgerwettbewerben und des Grundstücksbeirats, und mit der Beratung, Projektierung für und der Überprüfung von geförderten Sanierungen.

"Der wohnfonds_wien wurde eingerichtet, um die architektonische, ökonomische und ökologische Qualität im geförderten Wohnbau zu sichern und voranzutreiben, vor allem aber auch um Innovationen zu forcieren. Mit dieser Einrichtung der Stadt Wien wurde ein erfolgreiches und bewährtes Modell geschaffen, das heute weltweit als Vorbild gilt. Die hohe Innovationskraft des sozialen Wiener Wohnbaus steht damit in direktem Zusammenhang," zogen Bürgermeister Michael Häupl und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig heute, im Rahmen des Mediengesprächs, Resumée. Das 25-jährige Jubiläum des wohnfonds_wien sei auch der erfreuliche Anlass dazu gewesen, um einen ganz besonderen Preis ins Leben zu rufen, so die beiden weiter. "Denn ein Vierteljahrhundert wohnfonds_wien ist weit mehr als ein würdiges Jubiläum. Damit untrennbar verbunden sind auch die herausragenden Leistungen des sozialen Wiener Wohnbaus in den vergangenen 25 Jahren. Grund genug, durch den Wiener Wohnbaupreis, der beim Festakt des Jubiläums im Juni vergeben werden wird, die innovativsten Wohnprojekte in den vergangenen 25 Jahren zu prämieren", gaben Häupl und Ludwig bekannt.

Wiener Wohnbaupreis 09

Mit der Schaffung des wohnfonds_Wien entschloss sich die Stadt Wien 1984, die Qualität des geförderten Wohnbaus - aufbauend auf der großen Tradition des ,Roten Wien’ - weiter anzuheben. Dafür steht auch die international anerkannte Qualitätsoffensive im Wiener Wohnbau, die mit den mittlerweile bewährten Instrumentarien Bauträgerwettbewerb und Grundstücksbeirat umgesetzt wurde und wird. Beteiligt am erfolgreichen Weg des Wiener Wohnbaus sind natürlich auch ganz entscheidend alle bisherigen PartnerInnen - ArchitektInnen, Bauträger und LandschaftsplanerInnen - die ihre Ideen und innovativen Konzepte im Rahmen von Projekten eingebracht haben. Beleg dafür sind die vielen, ausgezeichneten Beispiele, die mittlerweile im großen wie im kleinen Maßstab realisiert wurden.

Mit dem Wohnbaupreis 09 soll Anerkennung für das bislang Geleistete ausgesprochen und auf die erreichten Qualitäten aufmerksam gemacht werden. Dabei steht das Realisierte und nicht das Geplante im Vordergrund. Projekte können Höchstleistungen versprechen, die "wahre Kunst" liegt aber in der konzepttreuen Realisierung.

Häupl und Ludwig: "Ein Preis ist Anerkennung für Geleistetes und immer auch Stimulans für noch bessere Leistungen. In dieser einfachen Formel steckt ein Prinzip der Leistungssteigerung, das der wohnfonds_wien seit rund zweieinhalb Jahrzehnten
verfolgt. Mit der Vergabe des 1. Wiener Wohnbaupreises zeichnen wir nicht nur hervorragende Leistungen in den vergangenen 25 Jahren aus, sondern die Auszeichnung soll auch als Ansporn für weitere Innovationen und Höchstleistungen dienen."

Jury und Bewertungskriterien

Die Einreichungen für den Wiener Wohnbaupreis 09 werden von einer internationalen Jury, darunter Prof. Dipl. Architekt Luca Selva, o.Univ. Prof. Mag.arch. Françoise-Hélène Jourda und DI Carsten Petersdorff, beurteilt. Bewertungskriterien sind der Innovationsgehalt der Projekte hinsichtlich der drei bisherigen Säulen der Bauträgerwettbewerbe "Architektur - Ökonomie - Ökologie", weiters deren Nachhaltigkeit und Umsetzungsqualität, Nutzerorientierung und Gebrauchstauglichkeit.

Bilanz des wohnfonds_wien

Im Grundstücksbeirat wurden seit 1995 760 Wohnprojekte mit rund 59.000 Wohnungen beurteilt. 40 Bauträgerwettbewerbsverfahren mit 146 Bauplätzen und rund 15.800 Wohnungen wurden seit der Einführung der Wettbewerbe im Jahr 1995 abgewickelt.

Innovationsschub für den Wiener Wohnbau der Zukunft

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des sozialen Wohnbaus in Wien ist die Tatsache, dass er über die Jahrzehnte hindurch stets von Innovation und flexiblen und zeitgemäßen Antworten auf sich wandelnde gesellschaftliche Bedürfnisse geprägt war. Auch heute steht die Wohnbaupolitik vor neuen Herausforderungen: Die veränderten Lebensmodelle, eine wachsende ältere Bevölkerung sowie die sich rasch verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, verbunden mit einer Flexibilisierung der Jobs, erfordern innovative Konzepte, damit die Wohnqualität hoch und damit auch an die Bedürfnisse der WienerInnen angepasst und Wohnraum auch in Zukunft leistbar bleibt.

"Die Entwicklung innovativer Bau- und Wohnkonzepte an der Schnittstelle von Architektur, Nutzerfreundlichkeit und Leistbarkeit sind ein Gebot der Stunde", hielt Ludwig fest. Innovationspotenzial liege dabei nicht nur in der Technik und in den Materialien, sondern auch in der Planung, in Formen der Abwicklung von Bauprojekten, vor allem aber im sozialen Bereich und in der Partizipation. "Daher habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, dieses Potenzial zu heben und im Sinne der Weiterentwicklung des sozialen Wohnbaus in Wien zu fördern", bekräftigt er. Neben der bewährten Abwicklung des sozialen Wohnbaus über den Grundstücksbeirat und über Bauträgerwettbewerbe mit der neuen vierten Säule "Soziale Nachhaltigkeit" werden in Zukunft vermehrt innovative und experimentelle Ansätze gefördert. "Dabei werde ich insbesondere jungen Architektinnen und Architekten, aber auch privaten Baugruppen die Möglichkeit bieten, innovative Ideen und Entwicklungen in die Praxis umzusetzen."
Das erste experimentelle Projekt wird im Rahmen des Wohnbauvorhabens am Areal nördliches Heeresspital, im Bereich der Peter-Berner-Straße in Wien-Floridsdorf durchgeführt werden. "Ich habe dafür ein Team, das sich aus Architektin Bettina Götz, der Österreich-Kommissärin der Architektur-Biennale 2008 in Venedig, und den sieben ArchitektInnen, die Österreich zum Thema Wohnbau auf der Biennale vertreten haben, zusammensetzt, als Fixstarter mit der Konzeption und Errichtung von ca. 200 Wohneinheiten und dem Auftrag innovative Wohnbauarchitektur für das 21. Jahrhundert zu schaffen, beauftragt", erklärte Ludwig.

Das "Biennale 08-Projekt"

Das "Biennale 08-Projekt" am Areal des Heeresspitals setzt sowohl auf architektonische als auch auf soziale und städtebauliche Innovation. In einem partizipativen Ansatz, der ExpertInnen und EntscheidungsträgerInnen des Förder- und Bauwesens, nationaler und internationaler Architekturtheoretiker und vor allem zukünftige BewohnerInnen in die Planung mit einbezieht, wird von den sieben ArchitektInnen, die jeweils unterschiedliche Zugänge und Positionen zum Wohnbau vertreten, nach dem Baugruppen-Prinzip ein gemeinsamer Wohnbau entwickelt. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei auch die Einbeziehung des urbanen Wohnumfelds in die Konzeption.

Der experimentelle Ansatz soll im ständigen Dialog mit allen Beteiligten praktiziert werden und erfordert Gedankenfreiheit, insbesondere folgende Bereiche betreffend:

o Gemeinschaftsflächen, Erdgeschosszonen o Multifunktionalität und Integration o Raumhöhen o Bauphysik-Statik-Nachhaltigkeit o Zusammenarbeit mit Industrie und Handwerk in Bezug auf Vorfertigung o Wohnbauförderung, Widmung o Nutzereinbeziehung der neuen Art; Baugruppen-Prinzip; Bauträger als Kommunikator o Begleitung durch Wohnbauforschung als Initialgeber und Evaluierung o Wohnbau als langfristiger Mehrwert für die Gesellschaft

Das Projekt wird selbstverständlich den hohen Wiener Ökologiestandards entsprechen und das Kriterium leistbaren Wohnens erfüllen. Beteiligt daran sind neben Bettina Götz vom Architekturbüro ARTEC folgende ArchitektInnen-Teams: Maria Flöckner und Hermann Schnöll, henke und schreieck Architekten, Jabornegg & Pálffy, marte.marte architekten, Wolfgang Pöschl tatanka ideenvertriebsgmbh., Riegler Riewe Architekten, Gerhard Steixner Architekt.

Das Ergebnis des Projekts wird ein Modell für weitere Wohnbauvorhaben sein, wie sie künftig nicht zuletzt in großen Stadtentwicklungsgebieten wie Aspern zur Anwendung kommen könnten. (Schluss) da

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