Bischofsernennungen: Österreichs Bischöfe drängen auf Sorgfalt

Schönborn betont nach außerordentlicher Bischofskonferenz Sorge der österreichischen Bischöfe um Verfahren der Bischofsauswahl -Spannungen in der Diözese Linz: Im ehrlichen Gespräch gemeinsam Lösungen suchen

Wien, 16.2.09 (KAP) Österreichs Bischöfe drängen auf eine Sicherstellung der Qualität des Verfahrens bei der Bestellung von neuen Bischöfen. Man nehme den Rücktritt des designierten Linzer Weihbischofs Gerhard Wagner mit "Zustimmung und Anerkennung" zur Kenntnis, sagte Kardinal Christoph Schönborn im Anschluss an die außerordentliche Konsultation der Diözesanbischöfe am Montag in Wien. Zugleich räumte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz bei einer Pressekonferenz ein, dass bei der Ernennung von Pfarrer Wagner durch ein "verkürztes" Verfahren der Bischofsauswahl Fehler passiert seien. In der Regel sei das Verfahren einer Bischofsernennung "sehr umfangreich und bewährt", so Schönborn.

Der Wiener Erzbischof zitierte aus dem Hirtenbrief, den die Bischöfe bei ihrer Versammlung gemeinsam beschlossen, und wies darauf hin, dass in Österreich in den nächsten Jahren eine Reihe von Bischöfen zu ernennen seien. Die Gläubigen würden mit Recht erwarten, "dass das Verfahren der Kandidatensuche, die Prüfung der Vorschläge und die letzte Entscheidung sorgfältig und mit pastoralem Gespür vorgenommen werden". Dadurch könne sicher gestellt werden, dass Bischöfe nicht "gegen", sondern "für" eine Ortskirche ernannt werden.

Schönborn bekräftigte den Willen der österreichischen Bischöfe, alles ihnen Mögliche zu unternehmen, um "die bevorstehenden Bischofsernennungen im Sinn dieser Verfahrensregeln zu begleiten, in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen vatikanischen Stellen".

Es sei ein höchst wünschenswertes Zeichen für die Einheit in der Kirche, wenn die Ernennung eines Bischofs für die Gläubigen Freude und Ermutigung bedeutet. Trotz möglicher Vorbehalte gehöre es zu einem "guten menschlichen und christlichen Klima", einem neu ernannten Bischof mit Wohlwollen zu begegnen. Es sei aber auch zu erwarten, "dass ein Bischof den Gläubigen mit Sensibilität begegnet und so ihr Vertrauen gewinnt", zitierte der Kardinal aus dem Hirtenwort der Bischöfe.

Offene Probleme in der Diözese Linz

Die Situation in der Diözese Linz bereite den Bischöfen auch nach dem Rücktritt von Pfarrer Wagner große Sorgen, so Schönborn weiter. Es sei die Überzeugung aller Bischöfe, dass das Gleichgewicht zwischen dem allgemeinen Priestertum aller getauften Katholiken und dem besonderen Priestertum durch das Sakrament der Weihe für Priester und Diakone neu gefunden werden müsse.

Es gebe in der Kirche von Oberösterreich "viel Erfreuliches", ein dichtes Netz aktiver Pfarrgemeinden und Seelsorgezentren und ein "ausgeprägtes Gespür für die soziale Dimension des Christseins", hielt der Kardinal fest, wobei vor allem auch die katholischen Laienorganisationen besonders aktiv seien. Zugleich seien aber seit Jahren Spannung spürbar, die mit der jüngsten Ernennung von Pfarrer Wagner zum Weihbischof wieder akut geworden sei. Nun gelte es, so Schönborn, dass alle Gruppen in der Diözese Linz das ehrliche Gespräch miteinander suchen und gemeinsam anstehende Fragen zu lösen suchen. Das müsse auf der Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgen. (forts.)
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