Wien kontrolliert islamische Religionslehrer

Wien (OTS) - "Wien fühlt sich durch das vom Bundesministerium und der islamischen Glaubensgemeinschaft erarbeitete Maßnahmenpaket für den Religionsunterricht in den vielen Bemühungen unterstützt, die der Stadtschulrat bereits in den vergangenen Jahren unternommen hat. Unser Ziel ist die Schaffung eines qualitativ hochwertigen Religionsunterrichts durch bestausgebildete (Religions-)PädagogInnen", stellte Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl im Rahmen einer Pressekonferenz heute fest. Grundsätzlich betonte sie, dass -ungeachtet der staatlichen Kontrolle - die gesetzlich verankerten Grundprinzipien in jedem Fall zu achten seien. Diese seien,

o dass das Recht der Auswahl der ReligionslehrerInnen bei den Religionsgemeinschaften liege, o dass dem Recht der Kinder auf einen schulischen Religionsunterricht entsprochen und somit das ausreichende Vorhandensein von hierfür notwendigen ReligionslehrerInnen garantiert sein müsse.

Fakten zum Religionsunterricht in Wien

In Wiens Schulen unterrichten insgesamt 1.161 ReligionslehrerInnen. Diese unterteilen sich nach Schularten und Konfessionen wie folgt:

Pflichtschulen AHS BMHS Altkatholisch 4 1 Armenisch 1 Buddhistisch 2 1 Bulgarisch-orthodox 1 Evangelisch 45 86 10 Griechisch-orthodox 1 1 Islam. Rel. 132 25 12 Koptisch 6 4 Mosaisch 6 2 8 Römisch-kathol. 355 328 91 Rumänisch-orthodox 1 Serbisch-orthodox 22 8 1 Syrisch-orthodo 5 1 1 581 457 123

Das gemeinsam mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft vereinbarte Maßnahmenpaket bezieht sich somit auf den Unterricht von in Wien insgesamt 169 LehrerInnen und beinhaltet insbesondere die Überprüfung folgender Bereiche:

o Überprüfung der Deutschkenntnisse der islamischen ReligionslehrerInnen und die Verwendung der deutschen Sprache im Unterricht o Überprüfung der Wahrung der Aufsichtspflicht durch die Schulaufsichtsorgane o Überprüfung der Einhaltung des Schulunterrichtsgesetzes (Erziehungsmittel, Führung von Amtsschriften, Kontrolle der Anwesenheit etc.) o Kontrolle der eingesetzten Unterrichtsmittel o Integration der ReligionslehrerInnen in den Lehrkörper und das schulische Geschehen o Überprüfung der Wertevorstellungen

Wien überprüft seit 2006

Ungeachtet des Maßnahmenpakets hat Wien von sich aus schon in den vergangenen Jahren wichtige Schritte im Bereich der Überprüfung der islamischen LehrerInnen gesetzt. So wurden seit 2006, seitens der Personalabteilung des Stadtschulrats für Wien, bei Neuanstellungen von islamischen ReligionslehrerInnen alle LehrerInnen einem Test unterzogen, in dem diese grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen mussten. Diese Überprüfung beinhaltete unter anderem die Fähigkeiten,

o fließend und frei Deutsch reden zu können o Texte in Aussprache, Betonung und Sinn wiedergeben und erfassen zu können o Texte aus Tageszeitungen vorlesen und in eigenen Worten zusammenfassen zu können.

32 LehrerInnen wurden seit 2006 im Zuge ihrer Anstellung in dieser Weise überprüft. 16 Prozent bestanden den Test nicht - und wurden daher nicht angestellt! Diese Testung des Stadtschulrats für Wien wurde inzwischen auch von anderen Landesschulräten übernommen.

Parallel dazu hat der Stadtschulrat für Wien im Bereich der Pflichtschulen sämtliche islamischen ReligionslehrerInnen seit 2007 jährlich überprüft und hierbei das besondere Augenmerk auf die Einhaltung des Schulunterrichtsgesetzes und den ausschließlichen Gebrauch des deutschen Sprache im Unterricht gelegt. Die Ergebnisse der Überprüfung machten insbesondere die Notwendigkeit der besseren Integration der IslamlehrerInnen in den schulischen Alltag deutlich. Zudem wurden an einzelne LehrerInnen konkrete Aufforderungen gerichtet, Teile ihrer - aus dem Schulunterrichtsgesetz resultierenden Pflichten - exakter wahrzunehmen (z.B. Meldung abwesender SchülerInnen etc.), 4 ReligionslehrerInnen wurden in den Stadtschulrat zu Dienst-Gesprächen vorgeladen.

Maßnahmenpaket schafft neue Qualität

"Die bisherigen Maßnahmen zeigen, dass die Bedeutung der Überprüfung des islamischen Religionsunterrichts in Wien schon früher als im Rest Österreichs erkannt wurde. Dennoch stellt die nunmehrige exakte Definition der zu prüfenden Aspekte des Unterrichts der islamischen ReligionslehrerInnen eine wichtige Hilfestellung dar", so Brandsteidl.

Konkret würden in den kommenden Wochen sämtliche im Maßnahmenpaket vereinbarten Überprüfungen durchgeführt und alle 169 islamischen ReligionslehrerInnen an Pflichtschulen, AHSen und BMHSen bzw. deren Unterricht genau durchleuchtet. Die Überprüfung basiere in weiten Teilen auf Prüfunsginstrumenten, die sich schon bisher bewährt hätten: standardisierte Kontrollbögen, Überprüfung durch Schulleiterinnen sowie unangekündigte punktuelle Zusatzüberprüfungen durch Schulaufsichtsbeamte (LandesschulinspektorInnen, BezirksschulinspektorInnen).

Deutschkenntnisse und Lehrmittel: Bund gefordert

Zugleich betonte Brandsteidl, dass es Bereiche gebe, in denen das Ministerium gefordert sei, Präzisierungen vorzunehmen. Als Beispiel nannte sie die Festlegung des Standards an Deutschkenntnissen, der von ReligionslehrerInnen (so wie von allen anderen LehrerInnen auch) zu erwarten ist: "Es geht nicht an, dass in Österreich hierfür 9 unterschiedliche Regelungen gelten und ein Lehrer in Wien besser Deutsch können muss als beispielsweise in Oberösterreich. Daher: Ich ersuche den Bund, hierfür schnell eine einheitliche und möglichst hohe (Sprach-)Kompetenzstufe österreichweit vorzugeben."

Abschließend regte Brandsteidl an, auch die Lehrmittel und Lehrbücher für den Religionsunterricht künftig staatlich durch den Bund approbieren zu lassen. Nachdem diese dem Gesetz nach ohnehin nicht im Widerspruch zur "staatsbürgerlichen Erziehung" stehen dürften, sollte es ihrer Ansicht nach auch keine Schwierigkeit bedeuten, "dass jemand genau das kontrolliert und die Lehrbücher staatlich aprobiert werden. Dies wäre ein kleiner gesetzlicher Schritt für den Bund, aber ein großer Schritt in Richtung Qualitätssicherung des islamischen Religionsunterrichts."
(Schluss) ssr

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