"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der Schaden hat System" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 16. Februar 2009

Innsbruck (OTS) - Sich mit Gerhard Maria Wagner oder mit dem Holocaust-Leugner Richard Williamson auseinanderzusetzen, ist notwendig - aber eigentlich reine Zeitverschwendung. Denn beide schaden der Kirche, zu der sich in Österreich zumindest auf dem Taufschein noch immer 5,6 Millionen Menschen bekennen. Heute werden sich sogar die Diözesanbischöfe zu einer Krisensitzung treffen. Mit dem Rückzieher Wagners und der Bitte um Rücknahme seiner Ernennung zum Weihbischof dürfte er für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgen. Dass Wagner die Konsequenzen aus seiner selbst verschuldeten Unfähigkeit, ein akzeptierter Hirte zu sein, gezogen hat, ist einzigartig in der Kirchengeschichte. Aber er musste wohl erkennen, dass ihn nicht einmal seine Mitbrüder für bischofswürdig empfinden. Und das ist die eigentliche Botschaft der Bischofskonferenz an Rom. Trotzdem: Wer ist für den Flurschaden verantwortlich? Wer waren die "Wagner"-Einflüsterer von Papst Benedikt? Wer findet in Rom mehr Gehör als Kardinal Schönborn oder seine Bischofskollegen? Offenbar wird Schönborns Autorität bewusst von Rom untergraben. Denn bereits beim Ad-limina-Besuch 2005 in Rom setzte es eine Kopfwäsche für Schönborn. Der Papst sprach von einer "verstümmelten" Glaubensunterweisung und forderte die Bischöfe auf, das Wort Gottes in aller Klarheit darzulegen, auch wenn es Proteste hervorruft. Vor allem in der Sittenlehre. Wagners Ernennung passte in dieses Bild, sein Kirchen- und Gesellschaftsbild entspricht wahrscheinlich am ehesten den Wünschen des Papstes.
So gesehen waren keine Amateur-Head-Hunter bei Wagners Auswahl am Werk, sondern Profis. Der Schaden für Österreichs Kirche hat System.

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