"Kleine Zeitung" Kommentar: "Eine unangenehm angenehme Abwechslung in Val d'Isère" (Michael Schuen)

Ausgabe vom 16.02.2009

Graz (OTS) - Sport ist untrennbar mit Patriotismus verbunden. Schifahren kratzt sogar oft am Chauvinismus. Es gibt kaum eine Sportart, die so mit Stars aus dem eigenen Land steht oder fällt. Dabei ist es gar nicht lange her, da war Österreich nicht zu schlagen. Und kurioserweise deswegen für den internationalen Niedergang des Schisports verantwortlich. Weil sie ihn kaputt gesiegt haben, weil er zu österreichischen Meisterschaften mit internationaler Beteiligung verkam. Selbst in der Heimat mehrten sich Stimmen, dass Österreich nur gewinnt, weil niemand sonst ernsthaft an Erfolgen im Schisport arbeite.

Zwölf Jahre, in Sestriere 1997, ist es her, dass Österreich nicht die Nummer eins war am Ende einer WM. 2009 ist es wieder so weit. Die Trauer darüber hält sich in Grenzen - auf jeden Fall außerhalb unserer Landesgrenzen. Für Österreich mag die WM in Val d'Isère eine unangenehme Abwechslung gewesen sein. Auch weil der Funke nie übergesprungen ist. Vielleicht wegen der fehlenden Erfolge. Vielleicht wegen der Entfernung. Vielleicht, weil Schirennen in Frankreich anders ablaufen als bei uns. In Frankreich war die WM nie Thema Nummer eins. Die englischen Touristen vor Ort ignorierten sie völlig. Und doch: Alleine der Besuch von Staatspräsident Nicolas Sarkozy brachte dem Sport die so dringend benötigte Aufmerksamkeit.

Dabei war es vor Ort eine schöne WM. Gut organisiert, fast familiär, unaufgeregt, irgendwie edel. Zwar fürchtete man nach Querelen im Organisationskomitee, ob alles fertig sein würde. Am Ende war (fast) alles perfekt und für Österreich gab's auch noch Gold durch Manfred Pranger. Es gab zwar keinen Massenauflauf wie bei den Rennen in Österreich, aber gut besucht war die WM allemal: Mehr als 30.000 Besucher wurden an einigen Tagen gezählt - mehr als bei Olympia 1992. Doch nirgends sah man Saufgelage, nirgends Betrunkene wie einst in St. Anton. Es war nicht ganz so heimelig wie in Åre, aber doch schön. International betrachtet muss man deswegen sagen: Die WM war eine angenehme Abwechslung. Zwölf Nationen sind auf dem Medaillenspiegel zu finden. Eine Tatsache, der man durchaus Positives abgewinnen kann:
Alleine die zwei Goldmedaillen für die deutschen Damen machen zwei Jahre vor der nächsten WM in Garmisch-Partenkirchen Hoffnung, dass der alpine Schisport auch dort wieder mehr Beachtung bekommt.

Das lässt heimische Touristiker und die wieder einmal arg gebeutelte Schi-Industrie vielleicht sogar noch lauter jubeln als über viele österreichische Medaillen.****

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