NR-Präsidentin Prammer: Kampf der Frauen muss weitergehen

Historisches Datum 16. November 1919 - 90 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich

Wien (OTS) - Vor 90 Jahren, am 16. November 1919, durften Frauen
zum ersten Mal in Österreich wählen. "Dieses Datum markiert den Beginn der politischen Emanzipation", stellt Nationalratspräsidentin und Bundesvorsitzende der SPÖ-Frauen Barbara Prammer fest.

Zugleich mahnt Prammer jedoch die völlige Gleichstellung der Frauen ein, die noch bei weitem nicht erreicht sei. Eindrucksvoller Beleg dafür sei der Blick zurück in die 1920er-Jahre und die damals von den Frauen erhobenen Forderungen: gleicher Lohn für gleiche Arbeit, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Vieles sei seither im Sinne der Frauen erkämpft worden, verweist Prammer auf zahlreiche gesetzlichen Verbesserungen. Doch das sei nicht genug, denn die alten Rollenverteilungen seien noch immer nicht überwunden. Noch immer bedeute rechtliche Gleichheit nicht Gleichstellung. Zwar passiere Diskriminierung nicht mehr offen wie einst, doch sei sie keineswegs beseitigt. Prammer: "Die Strukturen in Politik wie in der Wirtschaft sind noch immer männlich."

"Wir sind also noch lange nicht am Ziel", stellt Prammer fest und bekräftigt die bekannten Forderungen. Ganz oben auf der Liste stehe die Frage der Beschäftigung und der gerechten Entlohnung. Gerade in Zeiten einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise sei sie Gefahr groß, dass Frauen in Teilzeit oder überhaupt in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden. "Einkommen sichert Unabhängigkeit", stellt Prammer fest. Es sei daher auch nicht zu akzeptieren, dass Frauen nach wie vor um rund ein Drittel weniger bezahlt bekommen als Männer.

Einmal mehr bekennt sich Prammer zur Quote, um Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe am politischen Prozess sowie an Führungspositionen in Unternehmen zu gewährleisten. Die Quote sei kein Selbstzweck, sondern Vehikel, um ans Ziel zu gelangen. Trotz zahlreicher Fortschritte dürften Rollback-Tendenzen nicht übersehen werden. Tatsache sei, dass die Luft für Frauen immer dünner werde, je höher sie in der Hierarchie aufsteigen. "Wir werden die Quote weiterhin auf lange Sicht brauchen", ist Prammer überzeugt. Außerdem müsse über Sanktionen bei Nichteinhaltung nachgedacht werden.

Der Kampf um das Frauenwahlrecht begann bereits 1848, blieb vorerst aber erfolglos. Es dauerte weitere 60 Jahre, bis diese Forderung endlich erfüllt wurde. Die politische Benachteiligung ging einher mit beruflicher Diskriminierung. Frauen blieb der Zugang zu zivilen Berufen weitgehend verwehrt. Erst als im Ersten Weltkrieg Frauen als Arbeitskräfte benötigt wurden, wurde ihnen in der Folge auch das Wahlrecht zugestanden. "Es war dies der erste Schritt in einem Prozess, der Frauen als Menschen betrachtet hat und nicht als Bürger zweiter Klasse", erklärt Prammer.

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