"Kleine Zeitung" Kommentar: "Starke Eintrübung" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 15.02.2009

Graz (OTS) - Dienstag. Die Regierung schnürt bei ihrer Klausur in Sillian ein Packerl für die Steuerzahler und eines für die kranken Kassen. Sie schießt Geld nach, das das Weiterröcheln sichert. Zu einer Reform des Gesundheitssystems entschließt sich die Regierung nicht. Sie will niemandem weh tun und mag keine Konflikte. Es fällt nicht schwer, Werner Faymann und Josef Pröll nett zu finden. Sie machen gefällige, schmerzfreie Politik für den Augenblick. Führungsstärke in der Krise hieße: Das Notwendige populär machen. Das setzt ein Bekenntnis zum Unpopulären voraus, eine Idee vom großen Ganzen und Mut. Erste Zweifel.

Mittwoch. Die Grünen sagen eine Klausur in Salzburg ab, weil sie auf Voggenhubers Boden eine Solidarisierung mit dem demontierten Feuerkopf fürchten. Die Partei, die sich verjüngen wollte, zeigt das Antlitz einer autoritären Altpartei. Aus einem Ruhebedürfnis heraus opfert sie einen feurigen Denker und profilierten Europa-Politiker. Er war einer der Köpfe, derentwegen man die Grünen interessant und anders fand. Das sind sie zunehmend nicht mehr. Grün, heute die Farbe der Mittelmäßigkeit.

Das Fußball-Nationalteam wäre froh, wäre es dort. Die Niederlage gegen Schweden löscht die Reste an Erwartung und Hoffnung. Damit erlischt aber auch der Zauber des Spiels an sich: Jeder Anpfiff steht für Neubeginn, jede Sehnsucht, die neunzig Minuten unerfüllt geblieben ist, darf das nächste Mal neu geträumt werden, aber hier lässt sich Hoffnung nicht wiederbeleben, Anpfiff und Abpfiff bedeuten nichts mehr, also ist die Idee ruiniert. In der Wiederaufbaunot der 50er war das glorreiche Nationalteam noch Projektionsfläche für ein besseres Leben abseits des wirklichen; auch in den 70ern der Ölkrise bot die Nationalmannschaft einen Fluchtkorridor und eine schöne Gegenwelt. Das ist in der gegenwärtigen Krise leider nicht so. Da ist alles Krise, die Welt und die Gegenwelt; Kurzarbeit in der Industrie und Kurzarbeit leider auch bei den Darbietungen der Schi-Athleten. Ihre Siege waren der Treibstoff für den Selbstwert des Landes. Was jetzt?

Donnerstag. Unterrichtsministerin Claudia Schmied verfügt die Suspendierung eines Islam-lehrers wegen antisemitischer, nazistischer Hetzparolen im Klassenzimmer. Der Staat macht deutlich, wo die Autonomie der freien Religionsausübung endet. Eine rasche und wichtige Grenzziehung.

Freitag. Das K-Wort erfasst die Kirche. Die Bischöfe erkennen, dass die Wogen mit Beschwichtigung und paritätischer Mahnung nicht zu glätten sind. Jetzt helfen nur klare Worte, die glaubhaft Auskunft geben, welchen Weg die Kirche geht.****

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