WirtschaftsBlatt-Kommentar: Warum soll die UBS keine Boni zahlen? - von Herbert Geyer

Was kann der Kassier in Sankt Gallen für die Milliardenverluste?

Wien (OTS) - Bonuszahlungen an Bankmanager sind momentan nicht zu Unrecht nicht besonders populär: Dass Manager, die ihre Bank so in die Miesen geritten haben, dass sie mit Miliarden vom Staat aufgefangen werden müssen, sich diese Leistung auch noch durch "Erfolgsprämien" in Millionenhöhe abgelten lassen, kommt bei den Steuerzahlern, die für die Milliarden-Zuschüsse geradestehen müssen, nicht gut an.

Entsprechend heftig wogt die Diskussion um die Schweizer Großbank UBS, die gestern den größten Jahresverlust ihrer Geschichte publizieren musste (immerhin 13 Milliarden Euro), mit gut 30 Milliarden Euro von der Schweizerischen Nationalbank aufgefangen werden muss und trotzdem für das miserabel abgelaufene vergangene Jahr 1,2 Milliarden Euro an Bonuszahlungen ausschütten will.

Da wird freilich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Denn Top-Management und Verwaltungsrat haben bereits längst auf die ihnen "zustehenden" Boni verzichtet. Was jetzt noch zur Verteilung ansteht, sind die variablen Gehaltsbestandteile für die mittleren und unteren Hierarchiestufen - mehr als die Hälfte der Zahlungen sind außerdem vertraglich zugesichert.

Von dieser Seite sieht die Sache natürlich ganz anders aus: Warum sollte der Kassier einer UBS-Filiale in Sankt Gallen oder der Kreditreferent der Zweigstelle in Luzern, die im abgelaufenen Jahr fehlerlos gearbeitet und den Gewinn ihrer Unternehmenssparten gehoben haben, auf Teile ihres Gehalts verzichten, nur weil die Investmentbanker des Konzerns in New York Miese gebaut haben?
Dies umso mehr, als der Vertrauensverlust, der ausschließlich durch die Investmentbank-Sparte entstanden ist, auch die Gewinne der ordentlich arbeitenden übrigen Sparten heftig in Mitleidenschaft gezogen hat: Allein im vierten Quartal 2008 wurden von der UBS 85,98 Milliarden Franken Kundengelder abgezogen.

Zugegeben, es ist nahezu unmöglich, aber wir sollten auch und gerade in Krisenzeiten in Gehaltsfragen ein Mindestmaß an Rationalität bewahren. Das gilt für die Boni von UBS-Angestellten genauso wie für das geforderte Armutsgelübde von Bankchefs (Stichwort Gehaltsdeckelung auf das Niveau des Bundespräsidenten-Bezugs) - aber auch andererseits für ausufernde Spitzenverdienste: Von echten Genies abgesehen, wie sie alle paar hundert Jahre einmal den Fuß auf die Erde setzen, ist es nahezu undenkbar, dass ein einzelner Mann an der Spitze eines Unternehmens das Hundertfache oder noch mehr "verdient" als der Durchschnitt seiner Mitarbeiter.

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