"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zusatzvorsorge hat bisher nur den Pensionskassen genützt" (Von Ernst Sittinger)

Ausgabe vom 10.02.2009

Graz (OTS) - In den bunten Prospekten hat alles so schön
geklungen: Die betriebliche Altersvorsorge sei als "zweite Säule des Pensionssystems" unverzichtbar und garantiere jährlich steigende Ausschüttungen. Doch spätestens seit dem Vorjahr sieht die Wirklichkeit anders aus. Zehntausende Pensionisten müssen zusehen, wie die Firmenpensionen immer kleiner werden. Von Erhöhungen spricht längst niemand mehr. Man muss fast froh sein, dass bisher nur 14 Prozent der 271.000 Betriebe auf diese "Säule" setzten.

Hinter dem Skandal steckt ein Systemversagen: Jahrelang hat die Politik mit Schalmeientönen den Umstieg auf die Zusatzvorsorge beworben. Weil die erste Säule der Alterssicherung längst brüchig ist, sollten die Menschen auf betriebliche und private Ausschüttungen bauen. Diese Strategie wurde zu einem staatlich geförderten Riesengeschäft für Banken und Versicherungen. Um den Schutz der Bürger hat sich niemand geschert. Auf der Jagd nach Rekord-Renditen wurde mit dem Geld der Pensionisten auf dem Aktienmarkt gezockt - bis die Börsen einbrachen.

Aus dem Debakel werden jetzt viele falsche Schlüsse gezogen. Die Pensionskassen kommen reumütig zum Staat, halten die Hand auf und murmeln etwas von einer "Sicherheitspension", bei der man die Gelder künftig besser veranlagen werde. Wortgeklingel wird das Problem aber nicht lösen. Außerdem versprechen die Kassen nur noch 2,75 Prozent Jahresertrag - da können die Arbeitnehmer ihr Geld ebenso gut selbst zur Bank tragen.

Umgekehrt feiern eingefleischte Kapitalmarkt-Kritiker, die es schon immer gewusst haben wollen, die Renaissance der staatlichen Alterspension: Nur sie garantiere den Lebensstandard im Alter. Eine kühne Behauptung angesichts der desaströsen Lage im Pensionswesen. Bekanntlich gilt dort ja das "Umlageverfahren": Die aktuellen Pensionsleistungen werden direkt aus den hereinströmenden Beiträgen finanziert. Spätestens wenn ab 2020 die geburtenstärksten Jahrgänge schlagartig in Pension gehen, wird sich der wahre Zustand des Systems nicht mehr verbergen lassen. Soll alle Last den (wenigen) Kindern und Enkeln bleiben?

In Wahrheit ist nur eine Kombination aus beiden Systemen - Umlage und Kapitaldeckung - sinnvoll. Insofern hat das Drei-Säulen-Modell etwas für sich. Nur muss halt eine Selbstverständlichkeit beachtet werden:
dass man mit dem Notgroschen fürs Alter nicht herumspekulieren soll. Schade für die Bilanz der Pensionskassen. Aber gut für die Nachtruhe der Pensionisten.****

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