Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Bremst die Gehälter!(?)"

Ausgabe vom 10. Februar 2009

Wien (OTS) - Ein Beispiel von vielen: Ein Manager einer Großbank bekommt nun statt 14.500 nur noch 5600 Euro pro Monat. Zwar ist das noch kein Gehalt, das ihn reif für die Suppenküche macht, aber ein Indiz, dass die Bezüge schon kräftig eingebremst worden sind, bevor die Politik das Thema entdeckt hat.

Deren Intention klingt dennoch vernünftig: Nothilfen für Unternehmen soll es nur noch dann geben, wenn dort bei den Spitzengehältern Maß einkehrt. Viele Aktienbesitzer haben sich ja schon vor der Krise gefragt, ob alle Vorstandsbezüge wirklich gerechtfertigt sind. Haben nicht einige Manager als (über Vorstandsbezüge entscheidende) Aufsichtsräte ein allzu nettes Verhältnis zu jenen Managern, die im Vorstand arbeiten? Viele Aufsichtsräte sind ja anderswo selbst im Vorstand. Da hat man halt oft sehr, sehr viel Einfühlungsvermögen...

Dennoch ist der politische Ruf nach einem Eingriff in Dienstverträge gefährlich und riskant.

Erstens erhöht sich dadurch die Gefahr, dass die Chefs (um nicht dem persönlichen Interesse zu schaden) zu spät nach staatlicher Nothilfe rufen.

Zweitens werden in der Folge künftig wohl wieder mehr Fixgehälter an Stelle der an sich klügeren leistungsorientierten Bezüge vereinbart werden. Viel wichtiger wäre es aber festzuschreiben, dass sich Prämien weniger an kurz-, sondern an langfristigen Entwicklungen zu orientieren haben (etwa durch Behaltepflichten bei Aktien-Optionen).

Drittens löst eine Dezimierung der Vorstandsbezüge fast immer innerbetriebliche Kettenreaktionen aus, um zu verhindern, dass die nächstniedere Ebene mehr verdient als ihre Chefs.

Viertens wächst die Gefahr, dass die besten Leute nicht mehr im Unternehmen gehalten werden können. Was spätestens dann droht, wenn sich irgendwo ein Hauch von Konjunkturbelebung zeigt.

Und fünftens steht die Gewerkschaft, obwohl sie sich sicher nicht als Interessenvertreterin von Vorständen fühlt, vor einem spannenden Problem: Denn wenn erst einmal Ansprüche aus Dienstverträgen gekürzt werden können, droht das einen allgemeinen Tsunami auszulösen. Nach dem Gleichheitsprinzip wird man dann nämlich auch bei anderen Firmen, die nur noch durch Lohnverzicht zu retten sind, Gehälter bis herunter auf Kollektivvertrags-Niveau kürzen können.

Es wird jedenfalls spannend, ob wir eine kluge oder nur eine populäre Lösung bekommen.

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