Wintertagung 2009: Die Agrarpolitik nach 2013

Auftakt zur Wintertagung des Ökosozialen Forums mit mehr als 750 TeilnehmerInnen in Wien

Wien (OTS) - Die Landwirtschaft steht vor großen Veränderungen. In der Europäischen Union wird es nach dem Jahr 2013 zu einer Neuausrichtung der Agrarpolitik kommen und damit zu einer Reihe von Herausforderungen für die österreichische Landwirtschaft. Volatile Rohstoffmärkte, steigende Betriebskosten, die weltweite Ernährungssicherung, Veränderungen in der demografischen Struktur des Ländlichen Raumes, Anforderungen des Klima- und Umweltschutzes, Energieengpässe, Wetterextreme und die künftigen Förderrichtlinien der EU erfordern neue Strategien in der Agrarpolitik und in den einzelnen bäuerlichen Betrieben. Die Weichen dafür müssen bereits jetzt gestellt werden. Notwendige nächste Schritte aus Sicht der Politik, der Landwirtschaft und der Wissenschaft stehen im Mittelpunkt der Wintertagung 2009 des Ökosozialen Forums, die heute auf der Wirtschaftsuniversität Wien eröffnet wurde. Mehr als 750 Interessierte nehmen am Fachtag zum Thema Agrarpolitik teil.

Die Wintertagung ist eine der traditionsreichsten Informationsveranstaltungen des Agrarsektors in Österreich und findet heuer zum 56. Mal statt. Das diesjährige Generalthema: "Die Agrarpolitik nach 2013". Bei insgesamt sechs Fachtagen in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark bietet die Wintertagung 2009 ein breites Spektrum an Vorträgen sowie die Möglichkeit zur fachlichen Diskussion. Neu ist der Fachtag "Unternehmen Bauernhof" am 11. Februar in Linz, der Themen der Unternehmensführung wie strategische Planung und Produktentwicklung zum Inhalt hat.

Die Schwerpunkte der einzelnen Veranstaltungstage: Agrarpolitik (9.2., Wien), Ackerbau (10.2., Hollabrunn), Schweineproduktion (11.2., Gießhübl), Unternehmen Bauernhof (11.2., Linz), Geflügelproduktion (12.2., Hatzendorf), Grünland- & Viehwirtschaft (12./13.2., Aigen im Ennstal - organisiert vom Lehr- und Forschungszentrum für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein).

Plank: "Gezielte Förderung für nachhaltig wettbewerbsfähige Betriebe"

"Ziel der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU muss es sein, landwirtschaftliche Betriebe nachhaltig wettbewerbsfähig zu machen", sagt Landesrat Josef Plank, Geschäftsführender Präsident des Ökosozialen Forums Österreich, bei der Pressekonferenz zum Auftakt der Wintertagung 2009. "Nachhaltigkeit ist aber nur erreichbar, wenn in der Gemeinsamen Agrarpolitik und in der Förderpolitik auch auf die regionalen Besonderheiten der einzelnen Mitgliedsstaaten Rücksicht genommen wird. Hohe Umwelt- und Sozialstandards sind längerfristig nur dann zu gewährleisten, wenn sie sich für die landwirtschaftlichen Betriebe auch rechnen und bei allen Produkten, auch bei Importen, angelegt werden. Wir brauchen ehrliche Preise, die die wahren Kosten und Leistungen der Landwirtschaft widerspiegeln."

Qualität und Innovationsgeist

"Um EU-weit wettbewerbsfähig zu sein, müssen sich die bäuerlichen Betriebe auf ihre Stärken konzentrieren: Das sind die hohe Qualität, die sie erzeugen können, und der starke Innovationsgeist. Die Politik wiederum muss in Österreich und in der EU den Rahmen und die richtige Förderpolitik dafür bereitstellen", betont Plank. Beispiele dafür seien verstärkt Investitionen in das Know-how der LandwirtInnen sowie die Förderung von neuen Produktionsmethoden, innovativer Vermarktung und zukunftsfähigen Geschäftsfeldern wie etwa erneuerbare Energieträger. "Die Energiebereitstellung wird sicher immer wichtiger für die landwirtschaftliche Produktion. Das Potenzial dafür ist vorhanden, das zeigen aktuelle Studien. Aber Schwerpunkt und Grundauftrag der Landwirtschaft bleiben die globale Ernährungssicherung, die Erhaltung der Umwelt und der Beitrag zur ländlichen Entwicklung", so der Vorsitzende der Wintertagung.

Steigende Risiken dürfen nicht auf Landwirtschaft abgewälzt werden.

Die Agrarpolitik nach 2013 müsse Antworten auf die Herausforderungen finden, die den Bäuerinnen und Bauern unter den Nägel brennen. Als Beispiel nennt Plank die volatilen und durch die Spekulationen unberechenbaren Agrarmärkte, steigende Betriebskosten und Wetterextreme, die das Risiko für die einzelnen bäuerlichen Betriebe rasant steigen lässt. "Die Landwirtschaft kann diese vielfältigen und größer werdenden Risiken nicht mehr alleine tragen. Hier braucht es verbesserte Risikoversicherungen für die LandwirtInnen, die von den Betrieben, dem Staat und der EU zum Beispiel in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft gemeinsam finanziert werden", fordert Plank.

Plank: Mittel für ländliche Entwicklung auch in Zeiten des Sparens bereitstellen

Die Landwirtschaft in Österreich ist klein strukturiert und erbringt schon jetzt eine Reihe von ökologischen, sozialen und kulturellen Leistungen, die nicht über den Markt abgegolten werden. Das gilt besonders in den benachteiligten Gebieten und Berggebieten. "Längerfristig muss es ein Gleichgewicht zwischen den Leistungen der Landwirtschaft für die Gesellschaft und der Leistungen der Gesellschaft für die Landwirtschaft geben", sagt Plank. "Die Förderung der Ländlichen Entwicklung der EU kann unseren Betrieben neue Chancen eröffnen. Weil in diesem Bereich die EU aber eine Kofinanzierung vorschreibt, ist der Staat in der ländlichen Entwicklung besonders gefordert. Die Mittel dafür müssen auch in Krisenzeiten, wenn eisernes Sparen angesagt ist, vorhanden sein, damit der ländliche Raum erhalten und vor allem weiterentwickelt werden kann."

Außerdem gelte es den Menschen durch mehr positive Kommunikation und in direkten Gesprächen deutlich zu machen, was die bäuerlichen Betriebe im Gegenzug zu den Förderungen für die Menschen, die Umwelt und die ländliche Entwicklung leisten.

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Ökosoziales Forum, Martina Baumeister, MSc,
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