Lebensmittelindustrie verwendet neuen "Nährwertkompass"

Richtwerte zur Tageszufuhr als fundierte Information - Absage an die "Ampel"

Wien (PWK088) - Bereits vor 15 Jahren haben die Lebensmittelhersteller damit begonnen, ihre Artikel mit Nährwertangaben zu kennzeichnen - auf Grundlage einer EU-Richtlinie, die in ihren Grundzügen auf die Freiwilligkeit der Hersteller setzt. Heute findet man auf den meisten Lebensmitteln, die in Österreich angeboten werden, eine Nährwerttabelle. Um die Konsumentinnen und Konsumenten umfassend über den Gehalt von Energie und Nährstoffen in Lebensmitteln aufzuklären, soll die Nährwertkennzeichnung nun mit einer neuen EU-Verordnung verbindlich vorgeschrieben werden.

Die Lebensmittelindustrie wartet allerdings nicht, bis der Gesetzgeber tätig wird. Sie stellt ihr Angebot schon jetzt auf einen neuen Nährwertkompass um, der auf Richtwerten für die Tageszufuhr basiert, der GDA (Guideline Daily Amount)-Kennzeichnung. Dabei werden Kaloriengehalt und Hauptnährstoffe wie Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren sowie Natrium (Salz) deutlich hervorgehoben. Der Kompass weist den Anteil aus, mit dem eine Portion des jeweiligen Lebensmittels zur Deckung der täglich empfohlenen Zufuhr an Energie oder den einzelnen Nährstoffen beiträgt. Die zugrundeliegenden Werte sind realistisch gewählt und wissenschaftlich fundiert: Sie basieren im Wesentlichen auf den Ergebnissen des von der Europäischen Kommission finanzierten EURODIET-Projektes (http://eurodiet.med.uoc.gr) zur Festlegung europäischer Ernährungsrichtlinien.

"Die Hersteller und ihre Interessenverbände nehmen ihre Verantwortung für die Aufklärung ihrer Kunden wahr. Eine seriöse Nährwertkennzeichnung kann wesentlich dazu beitragen, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher jene Kaufentscheidungen treffen, die ihren individuellen Ernährungsbedürfnissen entsprechen. Eine bloße Kennzeichnung kann jedoch niemals Erziehung ersetzen - sie wird immer nur eine unterstützende Rolle einnehmen. Ernährungswissen muss auf einer breiten Basis, also sowohl im Elternhaus als auch an den Kindergärten und Schulen, vermittelt werden. Die Kennzeichnung von Nährstoffen auf der Verpackung wird nur dann einen wirkungsvollen Beitrag zur Lösung von ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen leisten können, wenn im Erziehungs- und Bildungssektor die notwendigen Vorarbeiten geleistet sind", betont der Geschäftsführer des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie, Michael Blass, in diesem Zusammenhang.

Skeptisch zeigen sich die Hersteller laut Blass gegenüber der immer wieder diskutierten "Ampelkennzeichnung" auf Lebensmitteln. "Die Farbkennzeichnung wäre ein Irrlicht, weil wissenschaftliche Grundlagen dafür fehlen. Eine stigmatisierende Bewertung einzelner Lebensmittel mit einem ,Stopplicht’ ist nicht sinnvoll, weil es für die Verbraucher auf die gesamte Zusammenstellung ihrer Kost und auf eine Reihe anderer Faktoren wie Bewegung und Lebensstile ankommt. Wer hätte außerdem etwas von einer roten Ampel, die von praktisch allen Süßwaren leuchtet? Das rote ,Warnsignal’ würde nicht nur für Speck und Butter, sondern auch für Olivenöl, Halbfettmargarine oder die ‚gesunde’ Banane gelten", betont Blass.

Auf den ersten Blick scheint die Ampel eine einfache Orientierung für Konsumentinnen und Konsumenten zu bieten - dieser Eindruck täusche jedoch: "Die Ampel ebnet ernährungsphysiologisch wichtige Unterschiede zwischen den Lebensmitteln ein. Ein Schwarz-Weiß-Raster mit ‚guten’ und ’schlechten’ Produkten ist irreführend. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung sollten alle Lebensmittel ihren Platz finden. Die Ampel bietet keine Hilfe, sich entsprechend dem individuellen Bedarf und Geschmack ausgewogen zu ernähren. Schließlich sollen Essen und Trinken nicht nur Energie und Nährstoffe für unseren Körper bereitstellen, sondern auch Freude und Genuss bedeuten", unterstreicht Blass abschließend. (us)

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Dr. Michael BLASS
Geschäftsführer des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie
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e-Mail: m.blass@dielebensmittel.at

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