ÖLI/UG: Wird die "neue Mittelschule" zur neuen Hauptschule?

Ausweitung der Hauptschulstandorte in Vorarlberg bedient auch Gesamtschulgegner in der ÖVP, und der ÖVP-Landesschulrat bedient sich selbst

Wien (OTS) - Die Österreichische LehrerInnen Initiative/Unabhängige GewerkschafterInnen (ÖLI-UG) begrüßen es, wenn im kommenden Schuljahr mehr Vorarlberger HauptschülerInnen als heuer die besser ausgestattete "neuen Mittelschulen" besuchen können, an denen fördernde Unterrichtsmaßnahmen die starren Leistungsgruppen ersetzen.
Aber. Das Ziel der gemeinsamen Schule aller Kinder einer Region zur Förderung aller Kinder ist mit Hauptschulversuchen nicht zu erreichen. Das unverminderten Nebeneinander von Versuchs-HS und AHS erinnert an die folgenlosen Gesamtschulversuche der 70er Jahre.
Dazu kommt, dass von den zusätzlichen 6 Stunden, die das BMUKK jeder "nMS"-Klasse für Integration und Förderung bereitstellt, an den Vorarlberger "nMS"-Schulen in diesem Schuljahr nur 2 angekommen sind, da der Landesschulrat anscheinend andere Prioritäten setzt als die Modellbeschreibung. Wird diese Praxis in Vorarlberg 2009/10 fortgesetzt oder überwunden?

"nMS" - Gesamtschulversuche oder "neue Hauptschule"?

Die auf 10% der Landes- bzw. Bundesschulen beschränkten Modellversuche zur "neuen Mittelschule" wurden 2007 von Ministerin Schmied gegen den erbitterten Widerstand der "alten" ÖVP Schüssels und Molterers durchgesetzt. Die "neue Mittelschule" versuchte ein sozial-integratives Konzept der fördernden Individualisierung in einer gemeinsamen, am besten ganztägig geführten Schule mit kleinen Klassen und Lerngruppen.

Die Zustimmung der Bundes-ÖVP und der Landeshauptleute zu der Ausweitung der "nMS"-Standorte bewirkt aber lediglich als eine Ausweitung auf zusätzliche Hauptschulen in einzelnen Bundesländern auf Kosten anderer Regionen, die unter 10% bleiben müssen. Das entschärft vorübergehend und ohne größere Belastung der Länderbudgets Probleme von Hauptschulen im ländlichen Raum, die mit geburtenschwächeren Jahrgängen und sinkenden SchülerInnenzahlen zusammenhängen. Die Abwanderung von Hauptschulen an nach wie vor überfüllte AHS soll gebremst werden. Mit einer Zusammenführung von Hauptschulen und AHS hat das aber nichts zu tun. Das Nebeneinander von Gymnasien für "bessere" SchülerInnen und Eltern und von Hauptschule für den Rest bleibt unangetastet, da AHS-Eltern und LehrerInnen weitgehend auf die zusätzlichen Förder-Möglichkeiten der Gesamtschulversuche verzichten.

Bildung kostet. Besitz- und Spekulationssteuern sind notwendig. Kürzer und billiger ausgebildete LandeslehrerInnen bleiben weiter unter sich und unter der Oberhoheit des jeweiligen Landeshauptmannes. Landesschulen, Landesschulräte und Pädagogische Hochschulen als Domäne der Landespolitik. Beschränktes Besitzstandswahren statt Bildungsreform. Grade so, als ob die gesellschaftlichen Investitionen in die gemeinsame Schule, in Ganztagsschulen, in sozial-pädagogische Infrastruktur und ebenso in die Master-Ausbildung aller LehrerInnen an Universitäten, in die PHs mit ihrem spezifischen Angebot integriert werden, nicht notwendig wären.

Es geht um die Zukunft unserer Kinder. Sie brauchen ein besseres Bildungswesen. Sie brauchen gut ausgestattete öffentliche Schulen mit gut ausgebildeten und gut bezahlten LehrerInnen. Bildung kostet. Die Unabhängigen GewerkschafterInnen unterstützen ÖGB und AK in ihrem Eintreten für eine strukturelle Steuerreform zur nachhaltigen Finanzierung des Sozialstaates, der öffentlichen Dienste und insbesondere der Bildungseinrichtungen auf Kosten von Vermögen, Erbschaft, Stiftungen und Spekulation.

ÖLI-UG und VLI für eine gemeinsame Schule

Die ÖLI-UG will zur Wiederaufnahme einer offensive Gesamtschuldiskussion beitragen. Für die schrittweise Ausweitung der "neue Mittelschule" zu Modellregionen der Hauptschulen UND der AHS-Unterstufen ist eine weitere SCHOG-Novelle notwendig. Die bildungspolitische Weichenstellung für soziale Integration, Individualisierung und optimale Förderung aller Schülerinnen, unabhängig von ihrer Herkunft, steht noch aus. Eine bessere Schule ist möglich. Auch in Österreich. We can do it.

Reinhart Sellner, Irmgard Bernhard, Österreichische LehrerInnen Initiative (ÖLI-UG)
Manfred Sparr, Katharina Bachmann, Vorarlberger LehrerInnen Initiative (VLI)

Rückfragen & Kontakt:

ÖLI-UG, Österreichische LehrerInnen Initiative/Unabhängige GewerkschafterInnen in der GöD
Reinhart Sellner: reinhart.sellner@blackbox.net , 01/407 09 85.
Josef Gary Fuchsbauer: fuchsbauer@oeli-ug.at , 0680/2124358
Internet: www.ugoed.at

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