Kaske: "Keine generelle Krisenstimmung im Tourismus, aber punktuelle Probleme"

vida geht von mittlerem Krisenszenario für das Tourismusjahr 2009 aus

Wien (vida/ÖGB) - "Angesichts der Wirtschaftskrise wäre es frevelhaft zu behaupten, dass sie keinerlei Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft hat und haben wird", meinte Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, heute in einer Pressekonferenz. Er spricht derzeit ausdrücklich von punktuellen Problemen, nicht von einer generellen Krisenstimmung. ++++

"Die Wirtschaftskrise ist allgegenwärtig. Trotz guter Bilanz im Tourismus sind aber auch wir betroffen", meint Kaske. Die aktuellen Zahlen bestätigten die Einschätzung des vida-Vorsitzenden: Im Verhältnis zu anderen Branchen steht der Tourismus mit einem Anstieg von 6,6 Prozent oder 1.623 Arbeitssuchenden im Jänner 2009 noch ganz gut da. Der Anstieg sei relativ gering, im Vergleich zum Vorjahr jedoch alarmierend: "Im Jänner des Vorjahres ist die Arbeitslosenzahl im Tourismus um 11,2 Prozent zurückgegangen, heuer um 6,6 Prozent gestiegen - und dabei haben wir gerade Hochsaison", erinnert Kaske.

Kaske rechnet mit Buchungsrückgängen im Segment Geschäftsreisen, auch bei Geschäftsessen würden Unternehmen vermehrt auf den Preis achten. Von Kurzarbeit sei die Branche derzeit jedoch nicht betroffen: "Spekulationen gibt es viele, Antrag bis dato keinen", so Kaske.

Das Forschungsinstitut Synthesis hat für 2009 mehrere Krisenszenarien aufgrund der Wirtschaftskrise erstellt. Bis zu 7.200 Jobs stehen im schlimmsten Fall in der Tourismusbranche auf dem Spiel. Die Gewerkschaft vida geht vom mittleren Szenario für das Tourismusjahr 2009 aus, das sich in der Statistik mit einem Plus von 2.500 Arbeitslosen niederschlagen würde. Eine realistische Prognose könne aber nicht getätigt werden: "Das wäre Kaffeesud lesen", meint Kaske.

"Aktuell ist die Buchungslage in den Winterquartieren gut - nicht zuletzt dank der ausgezeichneten Schneesituation - und auch die Semesterferien sind gut gebucht", weiß Kaske. Was das Kongressgeschäft betrifft, liege derzeit keine Krisenwarnung vor. "In der Ballsaison haben wir Halbzeit", berichtet Rudolf Komaromy, Vorsitzender der vida-Bundesfachgruppe Tourismus: "Obwohl in der Summe weniger Gäste die Bälle besucht haben, ist der dort erzielte Umsatz mindestens gleich, wenn nicht höher ausgefallen."

Tourismus-Arbeitsmarkt 2008: Trendumkehr brachte mehr Beschäftigte

"Die Beschäftigung in der Branche ist im Jahresdurchschnitt 2008 auf 180.987 Personen angestiegen. Das bedeutet ein Plus von 12.063 unselbständig Erwerbstätigen im Tourismus", erklärt Kaske: "Ein gewaltiger Sprung und eine Trendumkehr, nachdem sich die Zuwächse der Beschäftigungsraten in den letzten Jahren eher verlangsamt hatten". 2006 waren es 2,7 Prozent mehr Beschäftigte in der Branche (168.039), 2007 nur 0,5 Prozent mehr (168.924).

Die Arbeitslosenzahlen im Tourismus waren tendenziell rückläufig:
Waren es 2006 noch 34.921 vorgemerkte Arbeitslose im Fremdenverkehrsbereich, schrumpfte die Zahl 2007 auf 33.496 (-4,1 Prozent) bis 2008 auf 27.427 (-4,3 Prozent). "Trotz dieser erfreulichen Entwicklung geben die absoluten Zahlen keinerlei Grund zur Freude", so der vida-Vorsitzende. Seit Dezember 2008 sei wieder eine deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit zu erkennen.

Eine mögliche Maßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sei die von den Sozialpartnern ausgearbeitete Qualifizierungswoche unmittelbar vor Saisonbeginn. Von dem Modell profitieren alle Beteiligten: "Der Arbeitgeber bekommt eine gut ausgebildete Fachkraft, das AMS spart Geld durch die Verkürzung der Dauer der Arbeitslosigkeit und der bzw. die ArbeitnehmerIn kann die Zusatzausbildung für die berufliche Weiterentwicklung nützen", erklärt Kaske.

Bei den bewilligungspflichtigen AusländerInnen in der Gastronomie hält der Zuwachs an.
Gab es 2006 noch einen Rückgang von 1,6 Prozent auf 34.851 Beschäftigte, stieg die Anzahl im Jahresdurchschnitt 2007 bereits um 3,2 Prozent auf 35.949 und 2008 um 5,1 Prozent auf 36.297. Noch nicht miteingerechnet sind dabei ArbeitnehmerInnen aus den EU-Staaten.

ÖGB, 5. Februar 2009 Nr. 055

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