WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Arbeitsmarkt: Kopf einziehen ist keine Lösung - von Herbert Geyer

Auch in der Krise gilt: Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut

Wien (OTS) - Das Emporschnellen der Arbeitslosenzahlen im Jänner kommt nicht überraschend: Erst im Dezember hat das Wifo für heuer einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 27.000 im Jahresschnitt vorhergesagt. Überraschend ist allenfalls die stärkere Zunahme - im Jänner wurden fast 33.000 Arbeitslose mehr gezählt als vor einem Jahr. Das ist aber wohl darauf zurückzuführen, dass im Jänner 2008 ein milder Winter die Beschäftigung am Bau erleichtert hat. Außerdem ist die Zahl der Schulungen (die dort geparkten Arbeitnehmer werden ja aus der Arbeitslosenstatistik hinausgeschwindelt) nur unwesentlich gestiegen.

Dass eine Katastrophe korrekt vorhergesagt wurde, ändert freilich nichts daran, dass sie eine Katastrophe ist. Politik und Wirtschaft sind daher aufgerufen, alles zu unternehmen, um einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Verbal geschieht das ja, die Praxis deckt sich aber nicht immer mit diesen Ankündigungen. Dahinter steckt auch ein gerüttelt Maß an Psychologie. Denn wenn die Zeiten schlechter werden, verfallen Menschen unwillkürlich in Verhaltensweisen, die offensichtlich menschlich, zur Bewältigung der Krise aber kontraproduktiv sind: Sie ziehen den Kopf ein, sie sparen, sie versuchen abzuschotten. Dass Nationalratspräsidentin Barbara Prammer den geplanten Umbau des Nationalrats-Plenums abgesagt hat, ist so eine Reaktion. Und sie ist falsch: Gerade größere Renovierungsvorhaben sind - weil arbeitsintensiv - besonders geeignet, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Falsch ist es auch, dass die Banken offenbar bei den Kreditvergaben extrem restriktiv vorgehen. Es ist klar, dass in Zeiten steigender Pleiten-Zahlen Kreditvergaben genauer geprüft werden müssen, damit die Bank nicht nachher auf faulen Krediten sitzen bleibt. Aber bei angemessener Bonität sollten Kredite gerade in Krisenzeiten möglichst rasch fließen. Selbst der aktuelle Wunderwuzzi der westlichen Welt, Barack Obama, ist vor solchen Fehlern nicht gefeit: Die Vorschrift in seinem Konjunkturpaket, für Infrastrukturinvestitionen nur amerikanischen Baustahl zu verwenden, hilft nur auf den ersten Blick der amerikanischen Stahlindustrie, deren Krise vor allem durch Protektionismus entstanden ist. Tatsächlich verhindert diese Bevorzugung einer Branche, der durch den schwachen Dollar ohnehin genug geholfen wird, die Investitionen, die nötig wären, um auch international wieder konkurrenzfähig zu werden - und damit wird ihre Krise prolongiert. Auch in der Krise gilt: Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut.

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